Aktivisten aus ganz Europa

Klima-Demo in Hamm: Polizei verbietet „Fridays for Future“-Demo direkt am Gersteinwerk

Klimacamp Polizei Bilder vom Tag 26.05.2026 Im Lippepark
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Auf Streife im Klimacamp: Zwei Polizistinnen im Lippepark.

Die Klimaschützer wollten am Samstag vor dem Osttor des Kraftwerks demonstrieren. Jetzt ziehen sie vor das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen.

Die Route der Klima-Demonstration am Samstag nimmt Gestalt an: Es geht durch Bockum-Hövel zum Radbod-Gelände. Offen ist noch, ob am Gersteinwerk demonstriert werden darf. Die Polizei hat das verboten, Fridays for Future will dagegen vor Gericht ziehen. Der Alternativstandort soll in der Nähe der Müllverbrennungsanlage (MVA) liegen. Die neuesten Entwicklungen rund um das Klima-Camp und die Groß-Demo am Samstag lesen Sie auch in unserem Live-Ticker.

Im Lippepark beginnt am Mittwoch ein Klimacamp, in dem Aktivisten aus ganz Europa gegen den Bau neuer Gaskraftwerke protestieren wollen. Dazu gehört eine Demonstration, die für Samstag, 30. Mai, von 12 bis 16 Uhr angemeldet ist. Sie findet hauptsächlich in Bockum-Hövel statt. Es werden mehrere Tausend Teilnehmer erwartet.

Leben im Camp

Fürs leibliche Wohl ist gesorgt: In den nächsten Tagen werden ausschließlich vegane Gerichte gekocht, die durch Spenden finanziert werden. „Die Leute werfen so viel Geld rein, wie sie für das Essen bezahlen können“, erklärte Pressesprecher Benny (der seinen Nachnamen nicht nennen möchte). Das Interessante dabei: Für die Zubereitung der Lebensmittel beim Klima-Camp, das sich gegen den Bau neuer Gaskraftwerke einsetzt, wird mit Propangas gekocht.

Losgehen soll es laut Fridays for Future „in der Nähe des Gersteinwerks“, wo genau, ist aber noch unklar. Die Klimaschützer wollen vor das Osttor des Kraftwerks. Das hat die Polizei aber verboten, wegen der Nähe zur kritischen Infrastruktur.

Großes Aufgebot: Polizeiwagen auf der Schachtstraße.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben einen Ersatzstandort in Sichtweite des Gersteinwerks festgelegt. Wo genau, teilte das zuständige Präsidium in Dortmund auf WA-Anfrage nicht mit. Fridays for Future zufolge liegt der Standort in der Nähe der MVA am Lausbach. Dagegen wollen die Klimaschützer vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen klagen. Wann dort entschieden wird, stand am Dienstag nicht fest.

Ob MVA und Wertstoffhof am Samstag für Bürger erreichbar sind, stand am Dienstag ebenfalls noch nicht fest. Klar ist allerdings, wie es zur Demo geht. Egal, wo sie beginnt: Die Veranstalter versprechen Shuttle-Busse, die ab 10.30 Uhr vom Hauptbahnhof zum Auftaktort fahren. Teilnehmer aus dem Klimacamp im Lippepark werden von der Polizei dorthin geleitet.

Nach der Auftaktkundgebung um 12 Uhr soll sich der Demonstrationszug gegen 13 Uhr in Richtung Hövel bewegen. Auf Bülow- und Wittekindstraße sind bereits Halteverbotsschilder aufgestellt. Die Verkehrsgesellschaft des Kreises Unna (VKU) kündigte an, ihren Busverkehr auf dem Straßenzug (Linie X1, ehemals S10) von Mittwochabend bis Sonntagmorgen einzustellen.

Die Abschlusskundgebung findet dann auf der Zeche Radbod statt. Ab 14 Uhr gibt es auf der Radrennbahn einen Weltrekordversuch: Möglichst viele Menschen sollen sich in Form eines Windrades aufstellen. In der vergangenen Woche machten bei so einer Aktion in Tübingen 1 200 Menschen mit. Bei den Hammer Organisatoren hofft man auf eindrucksvolle Drohnen-Bilder mit dem Gersteinwerk im Hintergrund.

Bei einer Abschlussgebung ab 15 Uhr wird mit Carla Reemtsma (Fridays for Future) die prominenteste Rednerin erwartet. Die Demo soll um 16 Uhr enden. Anschließend fahren Shuttle-Busse zurück zum Hauptbahnhof.

Vier Organisationen aus dem Klimaschutz- und Umweltbereich sind dabei. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist mit rund 470 000 Mitgliedern einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Die Umwelt-Stiftung Greenpeace agiert international. Und Fridays for Future machte als globale soziale Bewegung mit Schulstreiks von sich reden.

Campact ist ein Verein, der Online-Kampagnen organisiert, insbesondere zum Klimaschutz. Zu den Unterstützern der Demo gehören weitere Organisationen wie die Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft und die Evangelische Kirche von Westfalen.

Ja, und dafür erklärt sich „Ende Gelände“ zuständig. Dort versteht man sich als Bewegung des zivilen Ungehorsams. Bekannt wurde die Bewegung bei Massenprotesten gegen den Braunkohlenabbau im Rheinland. Dabei drangen Aktivisten in die Tagebaue ein und versuchten, den Betrieb zu stoppen. Auch beim Klimacamp in Hamm soll es Stör-Aktionen gegen Gaskraftwerke geben. Die vier Demo-Organisationen machen sich die Mittel von „Ende Gelände“ nicht zu eigen, äußern aber Verständnis. Wenn die Aktionen gewaltfrei bleiben, gehöre solch ziviler Ungehorsam zu einer funktionierenden Demokratie, so Bautz.

Die zuständige Dortmunder Polizei richtet für die Anliegen der Hammer ein Bürgertelefon ein: 0231/1 32-55 55.

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