Klima-Protest in Hamm
Exklusiv-Interview mit Greta Thunberg im Video: „Verrat an zukünftigen Generationen“
Überraschend ist Klimaaktivistin Greta Thunberg am Donnerstag zum Klima-Camp in Hamm gereist. Im exklusiven Video-Interview erzählt sie, warum.
Das Klima-Camp im Hammer Lippepark ist am Donnerstag auf rund 2 000 Aktivisten angewachsen. Die Zahl ist keine offizielle, sondern eine Schätzung unserer Redaktion. Parallel rüstet sich die Polizei zu dem wohl größten Einsatz, den Hamm jemals erlebt hat. Alle in NRW verfügbaren Einsatzhundertschaften werden nach Informationen von wa.de an diesem Wochenende in der Stadt und rund ums Gersteinwerk gebündelt, um die von „Ende Gelände“ angekündigten Störaktionen einzudämmen, ehe es dann am Samstag zur Großdemo „Zukunft statt Gas“ kommen wird. Die neuesten Entwicklungen rund um das Klima-Camp und die angekündigten Störaktionen am Freitag lesen Sie in unserem Live-Ticker.
Prominentestes Gesicht in der Gruppe der Klima-Protestler ist Greta Thunberg. Sie ist am Donnerstag um kurz nach 14 Uhr in Hamm angekommen. Mit dem Zug ist die inzwischen 23-jährige Schwedin angereist und dann zu Fuß zum fünf Kilometer entfernten Klima-Camp marschiert. Ohne Geleitschutz, ohne großartig aufzufallen. „Ja, sicher schlafe ich hier im Zelt. Wo denn sonst?“, erklärt die Gründerin von „Fridays for Future“ am späten Nachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung.
Greta Thunberg im Klima-Camp in Hamm: „Kompletter Verrat“
Zur Frage, wie lange sie bleibe und an welchen Protestaktionen sie teilnehmen werde, macht sie keine Angaben. Nur so viel: Ihr Besuch in Hamm sei keineswegs spontan, sondern seit Längerem geplant gewesen. Das Camp im Lippepark sei keine einmalige Aktion, sondern die Fortsetzung einer sehr langen Klimagerechtigkeitsarbeit und werde auch sicherlich nicht das letzte sein, betont Thunberg. „Und ja: Ich kenne hier viele Leute. Wir aus den Klimagerechtigkeits-Kreisen kennen uns. Die Kreise müssen zudem wachsen. Deshalb ist es so schön, hier auch viele neue Gesichter zu sehen.“
Greta Thunberg hat sich für dieses Gespräch nicht aufgedrängt. Auch die Organisatoren von „Ende Gelände“ tragen sie nicht als Galionsfigur vor sich her. Im Gegenteil: Die 23-Jährige schlenderte in Crocks und Shorts allein über das Gelände, als unser Fotograf sie entdeckte.
Erst nach ein paar Minuten Bedenkzeit stimmte sie dem Interview zu, um dann aber doch in geschliffenem Englisch der deutschen Politik ihre Botschaft zu geigen. „Alles, was sie (Anm.: die deutschen Politiker) bislang gemacht haben, ist ein kompletter Verrat an Menschen, die schon heute unter den Krisen leiden – seien es soziale Krisen, Genozide, Ungleichheiten oder Umweltdesaster, welche von diesen Politikern angetrieben wurden. Was sie gemacht haben, ist ein kompletter Verrat an alle zukünftigen Generationen.“
Deutschland habe sich sehr bewusst in einer Art und Weise verhalten, welche die Lebensumstände von Menschen verwüste – heute und in der Zukunft. Die Repressionen, denen sich Menschen ausgesetzt sähen, die sich für Menschenrechte und die Einhaltung internationaler Gesetze einsetzten, seien unwürdig. Thunberg wörtlich: „Es ist eine Schande, wie sich Deutschland zum wiederholten Mal dafür entscheidet, auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen.“
Rubriklistenbild: © Andreas Rother
