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In Hamm wollen mehrere Tausend Aktivisten gegen den Bau von Gaskraftwerken protestieren. Ende-Gelände-Sprecher Tomke Jansen über Protestformen und Aktionstrainings.
Mehrere Tausend Menschen werden in dieser Woche zu einem Klimacamp im Lippepark und zu einer Großdemonstration vor dem Gersteinwerk erwartet. Zur Teilnahme aufgerufen hat unter anderem „Ende Gelände“. Es handelt sich dabei um einen breiten Zusammenschluss von Menschen aus den Anti-Atom- und Anti-Kohle-Bewegungen. Ende Gelände möchte mit seinen „Aktionen zivilen Ungehorsams ein weithin sichtbares Signal für eine Wende hin zu echtem Klimaschutz setzen“. Im Vorfeld des Hammer Klima-Camps sprach Stefan Gehre mit Tomke Jansen (25), Pressesprecherin von Ende Gelände. Die neuesten Entwicklungen rund um das Klima-Camp und die Groß-Demo am Samstag lesen Sie auch in unserem Live-Ticker.
Warum das Klimacamp und warum die Protestaktionen?
In Deutschland sind gerade konkret 20 neue Gaskraftwerke in der Planung. Wir wollen uns da als breite Bewegung, aber auch eben explizit als Ende Gelände dagegenstellen. Deswegen planen wir diese Woche die Aktionstage als Ende Gelände. Gleichzeitig findet das Hammer Klimacamp statt, auf dem wir auch zu Gast sind. Die Demo wird organisiert von Greenpeace, Fridays for Future, Campact und vom BUND.
Hamm liegt im Ruhrgebiet und im Ruhrgebiet ist gerade der größte Ausbau von Gaskraftwerken geplant. Und genau dort macht es natürlich Sinn, Proteste zu machen. In der Vergangenheit haben wir in Nordrhein-Westfalen auch gegen den Braunkohletagebau protestiert. Wir sehen gerade, dass wir den Kohleausstieg als Bewegung erkämpft haben – auch wenn er mit 2038 aus unserer Sicht zu spät kommt. Und jetzt plant die Bundesregierung einen Gasanstieg. Aber Gas ist nicht besser als Kohle. Es ist genauso klimaschädlich. Wir müssen raus aus den fossilen Energien. Und wenn wir gerade den Kohleausstieg zum Gaseinstieg werden lassen, dann ist das kein Stück besser. Mit den Protesten wollen wir eine große Bewegung schaffen, die sich dagegen wehrt.
Ende Gelände war auch schon bei den Protesten gegen den Tagebau sehr aktiv. Die Bilder vom Hambacher Forst dürften vielen noch präsent sein.
Ja. Wir haben diese massenhaften Proteste gemacht, indem wir in den Tagebau gegangen sind. Und weil der Gasausbau geplant ist, haben wir uns dazu entschieden, wieder Massenaktionen zu machen.
Wir wollen mit unseren Körpern blockieren. Das ist für uns eine Protestform, für die sind wir auch bekannt. Und mit dieser Protestform können wir gut Orte markieren, die eben gerade ein Problem sind. Wir als Ende Gelände gehen an die Orte der Zerstörung und erzeugen dadurch eine Gegenmacht.
Das heißt für den unbeteiligten Bürger: Sitzblockaden?
Wir blockieren die Orte der Zerstörung. Unsere Aktionsbilder sind dabei vielfältig. Wir sind wie bekannt in weißen Anzügen unterwegs und stehen für ein gutes Leben für alle ein.
Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?
Genau können wir das nicht sagen. Wir wissen aber, dass sich auch internationale Aktivisten angemeldet haben. Es werden 300 bis 500 Menschen aus verschiedenen Ländern anreisen, weil es auch ein internationales Thema ist.
Aus welchen Ländern kommen die Teilnehmer?
Die Bandbreite ist groß. Unter anderem aus Uganda und Rumänien sind Menschen dabei.
Wer finanziert das Camp?
Das Camp wird über Spenden finanziert.
Auf Ihrer Homepage gibt es eine Packliste, die auch Sekundenkleber und Schals enthält. Und: Es gibt sogar ein öffentliches Aktionstraining. Das klingt nach Tipps zur Randale …
Wir haben einen Aktionskonsens, der ist auch auf unserer Webseite verlinkt. Und genau daran sollen sich die Menschen halten. Wir bitten sie, mit uns in Aktion zu kommen, und sich an den Aktionskonsens zu halten. Wir verhalten uns besonnen und gefährden keine Menschen.
Aber muss nicht auch mit Aktivisten gerechnet werden, die das Camp und die Proteste zum Anlass nehmen, etwas Frust loszulassen und eben nicht nur friedlich zu protestieren?
Unser Aktionskonsens besagt deutlich, dass wir keine Menschen gefährden. Im Voraus und auf dem Camp gibt es Aktionstrainings, damit wir alle auf einem gemeinsamen Nenner sind. Ende Gelände gibt es jetzt seit fast elf Jahren, wir sind auch bekannt dafür, dass unsere Aktionen gut geplant sind. Unsere Aktionen sind auch bunt, wir sind es auch. Wir sind ein zentraler Teil der Klimabewegung und sagen: Gasausstieg jetzt!
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