Dülmener Wildpferde

In NRW leben noch Wildpferde: In der letzten Wildbahn Europas

Es gibt kaum noch echte Wildpferde. NRW ist jedoch die Heimat einer einzigartigen Herde. Einmal im Jahr gibt es eine spektakuläre Veranstaltung.

Dülmen – Wildpferde: Bei diesem Begriff baut sich vor dem inneren Auge sofort eine grenzenlose Graslandschaft auf. Darin: ungezähmte, galoppierende Pferde. Keine Zäune, keine Ställe, keine Boxen, keine Menschen. In Deutschland gibt es das kaum noch. Nordrhein-Westfalen ist da eine Ausnahme. Es ist die Heimat einer einzigartigen Herde: der Dülmener Wildpferde.

In NRW leben noch Wildpferde – in der letzten verbliebenen Wildbahn Europas

Im Naturschutzgebiet Merfelder Bruch bei Dülmen im Münsterland stimmt das romantische Bild von der großen Freiheit: Rund 400 Wildpferde leben dort weitgehend unbeeinflusst vom Menschen in einem weitläufigen Gebiet, bestehend aus Wiesen, Heideflächen und Wäldern. Es ist die „einzig verbliebene Wildpferdebahn auf dem europäischen Kontinent“, schreibt die Stadt Dülmen.

Die Dülmener Wildpferde wurden erstmals im Jahr 1316 urkundlich erwähnt. Zunächst lebten sie auf einer Fläche von mehreren 1000 Hektar. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Westfalen etliche Wildbahnen. Das ist vorbei. Der Mensch schnappte sich immer mehr Fläche, der Lebensraum für Pferde schrumpfte. Heute ist das Reservat für die Dülmener Pferde 350 Hektar groß – oder 3,5 Quadratkilometer.

Dülmener Wildpferde gelten als robust, gutmütig und lernfähig

Das Dülmener Wildpferd ist eine Ponyrasse. Seit 1994 steht es auf der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen. Die Tiere gelten als robust und widerstandsfähig, dabei als gutmütig, freundlich und lernfähig. Ein dickes Winterfell schützt die Pferde vor der Kälte. Bei Krankheiten und Geburten müssen sie ohne tierärztliche und andere menschliche Hilfe auskommen. Sie unterliegen damit der natürlichen Selektion, so wie in freier Wildbahn.

Das Event hat Tradition: Am letzten Samstag im Mai findet der Dülmener Wildpferdefang im Merfelder Bruch statt.

Ganz frei vom Einfluss des Menschen leben die Dülmener Wildpferde allerdings nicht. In harten Wintern werden sie zusätzlich mit Heu versorgt. Und einmal im Jahr – stets am letzten Samstag im Mai – wird aus der Pferdebahn im Merfelder Bruch eine Arena. Beim spektakulären Wildpferdefang werden die einjährigen Hengste der Herde mit der Hand eingefangen, und zwar bereits seit 1907.

Wildpferdefang in Dülmen: Großer Publikumsmagnet immer im Mai

Der Grund: Junge Hengste können auf dem begrenzten Gelände keine eigenen Herde gründen, weshalb es zu Rivalitäten kommen kann. Für die Pferde entstehe so ein Stressfaktor, der durch den Fang vermieden werden kann, erläutert Oberförsterin Friederike Rövekamp im Gespräch mit wa.de

Die Aktion ist Jahr für Jahr ein großer Publikumsmagnet und zugleich Ziel scharfer Kritik von Tierschutzorganisationen. „Peta“ etwa spricht von Tierquälerei und wittert allein kommerzielle Interessen.

Wildpferdebahn in Dülmen: Eintritt, Preise, Öffnungszeiten

Wer sich eine der wenigen Wildpferde Deutschlands anschauen möchte, kann das tun. Vom Frühjahr (März oder April, je nach Wetterlage) bis zum 1. November hat die Wildpferdebahn geöffnet, und zwar an folgenden Tagen:

  • Samstags von 10 bis 18 Uhr
  • Sonntags und an NRW-Feiertagen von 10 bis 18 Uhr

Letzter Einlass ist jeweils um 17.30 Uhr. Erwachsene zahlen 4 Euro Eintritt, Kinder bis 14 Jahre 2 Euro. Zu erreichen ist die Wildpferdebahn über die Autobahnen A31 und A43 (jeweils Ausfahrt Dülmen) und liegt dann an der Landesstraße L600 zwischen Merfeld und Borken.

Eine Herde Wildpferde wurde im Rahmen eines Pilotprojekts auf der Sophienhöhe am Tagebau Hambach ausgewildert. Sie sind jedoch nicht zum Streicheln da. Im Emscherbruch in der Nähe von Herne lebten einst Wildpferde. Sie sind seit mehr als 150 Jahren ausgestorben, prägen die Region aber bis heute.

Rubriklistenbild: © Fabian Simons/Imago

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