Tagebau Hambach

Wildpferde leben in NRW am „größten Loch Europas“

Eine Herde Wildpferde wurde im Rahmen eines Pilotprojekts auf der Sophienhöhe am Tagebau Hambach ausgewildert. Sie sind jedoch nicht zum Streicheln da.

Hambach – Der Begriff „riesig“ ist für die Ausmaße des Tagebaus Hambach schon fast eine Untertreibung. Über Jahrzehnte hat der Energiegigant RWE hier so viel Braunkohle abgebaggert, dass heutzutage so manches Dorf vollständig in der Kraterlandschaft verschwinden könnte. Nicht umsonst wird das Areal im Volksmund auch als „größtes Loch Europas“ bezeichnet. Allein die anliegende Sophienhöhe – eine rekultivierte Abraumhalde – reicht bis zu 300 Meter in die Höhe. Und dort oben, weit über dem Nullpunkt, lebt neuerdings eine Herde Wildpferde.

Wildpferde leben auf der Sophienhöhe am am Tagebau Hambach

Wildpferde entdecken nach ihrer Auswilderung ihren neuen Lebensraum auf der durch Abraum entstandene Sophienhöhe am Tagebau Hambach.

Sieben Wildpferde leben seit Donnerstag (13. Juni) auf der Sophienhöhe am Tagebau Hambach in NRW. Im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts haben die niederländische Stiftung Free Nature, die Neuland Hambach GmbH und die RWE-Forschungsstelle Rekultivierung die sogenannten Koniks (polnisch für „kleines Pferd“) dort angesiedelt. Die Herde besteht aktuell aus einem Hengst, drei Stuten, zwei Jährlingen und einem Fohlen. Damit die Tiere auch bei schlechtem Wetter geschützt sind, steht ihnen auf der Halde zudem ein eingezäuntes, dicht bestocktes Waldstück zur Verfügung.

Neuland Hambach GmbH

Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Tagebau-Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen. Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.

Quelle: Neuland Hambach GmH

Konikpferde auf der Sophienhöhe sind nicht zum Streicheln da

Zum Streicheln sind die Koniks jedoch nicht da: Die Herde soll die „Goldene Aue“, eine offene Graslandschaft auf der Abraumhalde, weitgehend von Bäumen und Sträuchern freihalten. Damit soll, so hoffen zumindest die Projektpartner, die biologische Vielfalt auf der Halde gesteigert werden. Natürlich freue es die Verantwortlichen aber, wenn die Pferde auch bei Menschen für Freude sorgen, schreibt RWE. Schaut man auf Ansiedelungsprojekte anderswo in NRW, könnte das durchaus der Fall sein: Bereits seit einiger Zeit sind die Dülmener Wildpferde zu einem beliebten Ausflugsziel geworden.

Optisch erinnern die Koniks an die bekannten Dülmener Wildpferde.

Optisch sind die Koniks fast identisch zu den Wildpferden aus dem Merfelder Bruch bei Dülmen. Bis zur Schulter sind die mausgrauen Tiere maximal 1,45 Meter hoch. Über ihren Rücken erstreckt sich ein dunkler Strich und ihre gestreiften Beine erinnern ein wenig an Zebras. Außerdem sind die Tiere besonders pflegeleicht, weshalb sie sich für ein solches Projekt besonders gut eignen. „Unsere Konikpferde werden auf der offenen Fläche sicher das ganze Jahr über genug Nahrung finden. Nur im Notfall muss man zufüttern“, wird Patrick van den Burg, Projektleiter bei Free Nature, in der Mitteilung zitiert.

Pilotprojekt auf der Sophienhöhe wird wissenschaftlich begleitet

Für die Niederländer ist die Ansiedelung der Koniks auf der Sophienhöhe nicht das erste Projekt in der Richtung. Europaweit hat Free Nature bereits rund 50 solcher Beweidungsprojekte in die Tat umgesetzt. Neben den Wildpferden setzt die Stiftung dabei beispielsweise auch auf Hochlandrinder, Wasserbüffel, Galloway-Rinder und Exmoor-Ponys. Auch Wisente haben durch die Maßnahmen bereits eine Heimat in der Natur gefunden. Im Rahmen eines anderen Projektes leben die riesigen Landtiere unter anderem auch mitten in NRW, genauer gesagt in Bad Berleburg bei Siegen.

Das Pilotprojekt auf der Sophienhöhe wird in den kommenden Monaten wissenschaftlich begleitet. Dafür haben sich die Verantwortlichen unter anderem Umweltschützer vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) sowie akademische Fachgutachter mit ins Boot geholt. „Läuft die Pilotphase gut, sollen weitere Teile der Sophienhöhe ganzjährig beweidet werden“, schreibt RWE. Geeinigte Flächen für weitere Aussiedelungsvorhaben haben die Neuland Hambach GmbH und die RWE Power AG bereits reserviert.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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