„Sehen besonders schön aus“

Seltenes Tier an See entdeckt – sein Auftauchen verrät eine Besonderheit

An einem bekannten See in NRW sorgt eine seltene Ente für Aufsehen. Sie gilt als Ausnahme. Ihr Auftauchen deutet auf besondere Bedingungen hin.

Sie fällt sofort auf: die Kolbenente. Der Erpel trägt ein rostbraunes Gefieder, einen leuchtend orangen bis roten Schnabel und einen charakteristisch runden Kopf – und er ist am Phoenix-See in Dortmund zu einem echten Hingucker geworden. Doch das Besondere ist nicht nur das auffällige Aussehen des Vogels. Die Kolbenente gehört zu den seltensten Brutenten in Nordrhein-Westfalen – und ihr Erscheinen sagt viel über die Qualität des Gewässers aus, wie ein Experte im Gespräch mit wa.de verrät.

Die Kolbenente hat einen ziemlich auffälligen Schnabel.

„Die Kolbenente ist hierzulande eine eher seltene Vogelart“, sagt Dr. Erich Kretzschmar vom Naturschutzbund NABU. Im vergangenen Jahr gab es in ganz NRW gerade einmal drei Brutplätze. Neben dem Phoenix-See zählen dazu die Rieselfelder in Münster und der Kirchhellener Baggersee „Heidesee“ in Bottrop. „Wie viele in diesem Jahr in NRW brüten, kann ich noch nicht sagen. Aber vielleicht sind es sogar alleine schon zwei am Phoenix-See“, so Kretzschmar, der ganz begeistert von den Vögeln ist. „Die sehen eben besonders schön aus“, sagt er. Dabei sollte man sie nicht mit der Mandarinente, die ebenfalls in Dortmund vorkommt, verwechseln.

Seltene Kolbenente taucht am Phoenix-See in Dortmund auf

Die Brutzeit der Kolbenente ist außerdem ziemlich ungewöhnlich: Sie brütet später als viele andere Enten- bzw. Vogelarten – bis weit in den Sommer hinein. Und noch etwas ist anders: Die Kolbenente ist wählerisch, was ihren Lebensraum angeht. „Sie bevorzugt saubere, nährstoffarme Gewässer – etwa Kiesgruben oder große Seen in Schleswig-Holstein oder den Bodensee“, erklärt Kretzschmar. „Bei uns sind die Gewässer eher sehr nährstoffreich.“ Genau das macht den Phoenix-See zum Ausnahmefall: Er wird künstlich nährstoffarm gehalten. „Das schafft dort ganz gute Bedingungen“, sagt der Ornithologe.

Noch dazu profitiert die Kolbenente von einem weiteren Alleinstellungsmerkmal des Sees, der künstlich entstanden ist und in früheren Ruhrpott-Zeiten Standort eines riesigen Stahlwerks war: „Hinzu kommen seltene Libellenarten, die es nur dort in Dortmund gibt – das kommt der Kolbenente zusätzlich zugute.“

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Dass am Phoenix-See überhaupt so außergewöhnliche Arten auftauchen, ist kein Zufall. Der künstlich angelegte See im Dortmunder Süden hat sich zu einem bedeutenden Rückzugsort entwickelt. „Der Phoenix-See ist ein ganz bedeutendes Überwinterungsgewässer für Wasservögel“, betont Kretzschmar. „Im Januar und Februar halten sich dort über 1.000 Wasservögel auf.“ Darunter seien auch seltenere Arten aus dem Norden – etwa Rohrdommeln, die sonst kaum in städtischen Gebieten zu beobachten sind.

Die Ansiedlung der Kolbenente am Phoenix-See ist damit mehr als eine ornithologische Kuriosität. Sie ist ein Zeichen dafür, dass gezielte Gewässerpflege und Naturschutz auch in einer Großstadt wie Dortmund Wirkung zeigen können. Ein ehemaliges Industrieareal, das sich zum Lebensraum seltener Tierarten entwickelt – der Ruhrpott ist eben doch ziemlich grün.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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