Kritik an Bundespolitik

Klima-Camp: Umweltschützer protestieren gegen neue Gaskraftwerke

Im November 2016 protestierten Umwelt- und Klimaschützer vor dem Hauptbahnhof Hamm gegen die Pläne, bei Hamm Gas zu fördern.
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Mahnwache: Vor zehn Jahren protestierten Umwelt- und Klimaschützer gegen die Pläne, bei Hamm Gas zu fördern.

Ende Mai wollen mehrere Organisationen in Hamm demonstrieren. Mitorganisator Jürgen Blümer kritisiert die Bundespolitik scharf.

Die Klimabewegung meldet sich zurück. Mit einem Klima-Camp und einer Demonstration wollen BUND, Campact, Ende Gelände, Fridays for Future und Greenpeace Ende Mai in Hamm gegen den Bau neuer Gaskraftwerke protestieren. Die Aktion soll bundesweit Beachtung finden. Mitorganisator Jürgen Blümer erzählt, worum es geht. Die neuesten Entwicklungen rund um das Klima-Camp und die Groß-Demo am Samstag lesen Sie auch in unserem Live-Ticker.

Wirbt für den Klimaschutz: Jürgen Blümer aus Drensteinfurt, hier vor dem Braunkohlentagebau im rheinischen Lützerath.

Die Bundesregierung hat gerade den Weg für den Bau neuer Gaskraftwerke freigemacht. Die sind als Reserve gedacht, für die Zeiten, in denen kein Strom aus Sonne, Wind und Gezeiten gewonnen werden kann. Für die einen ist das eine Voraussetzung, um die Stromversorgung zu sichern. Für die anderen wird damit eine Energietechnik festgeschrieben, von der man sich eigentlich trennen will.

Umweltschäden vor der Haustür

Blümer ist eine feste Größe der Umweltbewegung in der Region. Der 59-jährige Drensteinfurter war schon bei der Gasbohr-Kampagne dabei, die vor zehn Jahren ein Fracking-Projekt in Hamm verhinderte. Und er ist vom Fach: Der Diplom-Physiker beschäftigt sich für ein Münsteraner Unternehmen mit der IT-Infrastruktur der Energiewende. In Münster gehört er zu den „Scientists for Future“, in Drensteinfurt zu den Grünen.

Fracking, erinnert er sich an das Projekt „HammGas“, habe niemand gewollt. Bei dem Verfahren wird Gas mit Wasser- und Chemikalieneinsatz aus dem Boden gepresst. Das Verfahren ist in Deutschland mittlerweile verboten. Das Verfahren hätte Umweltschäden direkt vor der Haustür hinterlassen, sagt Blümer. Deshalb sei die Ablehnung damals auch so groß gewesen. Beim Gasimport aus den Vereinigten Staaten oder dem Nahen Osten sehe man die negativen Folgen nicht sofort, es gebe sie aber trotzdem.

Dass Deutschland nach der Kohle auch aus dem Gas aussteigen muss, ist für Blümer selbstverständlich, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Doch die Abkehr von den fossilen Energieträgern sieht er durch die jüngsten Beschlüsse aus Berlin und das Wirken von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gefährdet. Da gehe es nicht um Versorgungssicherheit, meint er. Sondern um die Pfründe der etablierten Energiewirtschaft. Dass Reiche vorher Managerin bei einer Eon-Tochter war, passt für ihn ins Bild. Es gehe darum, die Energiewende zu diskreditieren.

Preisanstieg bei Öl, Kraftstoff und Gas

Die hält Blümer aber für notwendig. Nicht nur wegen des Klimawandels, auch wegen eines wirtschaftlichen Wandels: Der aktuelle Anstieg der Öl-, Benzin-, Diesel- und Gaspreise zeige, dass diese Energieträger keine Zukunft hätten. Die Bundesregierung setzte auf das falsche Pferd, solle frühere Fehler nicht wiederholen. Bei Windkraft und Fotovoltaik seien aufgrund fehlenden Engagements der Regierung massiv Arbeitsplätze verloren gegangen. Das Potenzial der Energiewende habe man in Berlin offenbar noch nicht erfasst.

Und in Hamm? Grund für die Auswahl der Stadt sei die Ballung von Gas-Projekten im östlichen Ruhrgebiet, erklärt Blümer. Am Gersteinwerk will RWE einen Gas-Block als Teil der Kraftwerksreserve bauen. Der Stadtwerke-Verbund Trianal plant das Gleiche an seinem Standort in Uentrop. Und eine aufgegebene Zeche als Camp-Standort sei eben sehr symbolträchtig. Der Lippepark war früher der Schacht Franz der Zeche Heinrich Robert.

Die Hand war das Symbol der Aktionen gegen die Pläne, bei Hamm Gas zu fördern.

Vom Klima-Camp erhofft Blümer sich auch einen Aufschwung für die regionalen Klima-Gruppen. „Wir stehen vor großen Veränderungen“, sagt er. „Und wir möchten, dass die Menschen sich vor Ort engagieren.“

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