„Ein absolut terroristischer Angriff“

„Erschreckender Meilenstein“ zwingt Putin zu neuem Plan im Ukraine-Krieg

Russland plant die Mobilisierung von Reservisten: Der Druck auf die Ukraine wächst durch jüngste Drohnenangriffe – westlichen Partner sind alarmiert.

Moskau – Die Lage an der Front des Ukraine-Kriegs spitzt sich dramatisch weiterhin dramatisch zu: Russische Angriffe mit Hunderten Drohnen setzen die ukrainische Luftabwehr unter enormen Druck. Zuletzt sorgten sie für umfangreiche Stromausfälle im Osten der Ukraine.

Putins „strategische Reserve“ lauert bislang offenbar in den Schatten. (Symbolfoto)

Neue Berichte des Institute for the Study of War (ISW) legen nahe: Die jüngsten Drohnenangriffe sind nicht Putins einzige Maßnahme im Ukraine-Krieg. Demnach hat eine Kommission des russischen Ministerkabinetts einen Entwurf verabschiedet, der den Reservisten-Einsatz legalisiert: „Der Kreml bereitet sich darauf vor, Reservisten schrittweise zu mobilisieren, um erstmals in der Ukraine zu kämpfen“, schreibt das US-Institut.

Russlands neue Strategie – Reservisten im Fokus

Wie das ISW meldet, beginnt Russland möglicherweise mit einer schrittweisen Mobilisierung seiner aktiven Reservisten, um die Kämpfe in der Ukraine fortzusetzen. Der Mechanismus kleiner, fortlaufender Einberufungen kennzeichnet eine klare Wende: Bisher hatte Moskau eine Massenmobilisierung wie Ende 2022 durch hohe finanzielle Anreize für Rekruten vermieden.

Jetzt schafft das russische Ministerkabinett die nötige Basis: Der neue Entwurf beseitigt die rechtlichen Hürden, und Reservisten können nun ohne offizielle Mobilmachung oder Kriegserklärung eingesetzt werden. Der Kreml stand zuletzt unter Handlungsdruck, da das bisherige „Pay-to-Play“-System zunehmend an Wirkung verlor, wie das ISW berichtet. Angesichts der anhaltend hohen Verluste in der Ukraine bleibt Kremlchef Putin nur die schrittweise Zwangsrekrutierung von Reservisten, um die Truppenstärke zu halten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Ein erschreckender Meilenstein“: Russland mobilisiert

Wie drastisch der russische Präsident um Rekruten wirbt, davon zeugte jüngst ein CNN-Bericht. Darin heißt es, dass mehrere Regionen in den letzten Tagen ankündigten, ihre Anmeldeboni sogar zu vervierfachen, um die Rekrutierungszahlen zu steigern. Die Kyiv Post ergänzt, dass Russland zusätzlich neuerdings mit Kampagnen „für ,sichere‘ Jobs an der Front“ werbe.

Auch an der Front macht sich der Personalmangel bemerkbar: Das ISW meldete zuletzt, dass die Opferzahlen Russlands zwischen Januar und Juli 2025 mit monatlich 32.000 bis 48.000 die Rekrutierungsrate überstiegen. Im August sanken die Verluste jedoch auf 29.000 und in der ersten Septemberhälfte auf 13.000. Das Institut sieht die Ursache für den Rückgang in einer Taktikänderung: Die russischen Streitkräfte setzen neuerdings vermehrt auf kleinere Infanteriegruppen und Infiltrationstaktiken, um Schwachstellen in der ukrainischen Verteidigung auszunutzen.

DIe neue Taktik könnte sich auch aus den bislang verheerenden Gesamtverlusten Russlands herleiten. „Im Sommer 2025 wird Russland voraussichtlich die Marke von einer Million Opfern erreichen – ein erschreckender und grausiger Meilenstein“, erklären in diesem Zusammenhang Seth G. Jones und Riley McCabe vom US-Thinktank CSIS (Center for Strategic and International Studies). Derzeit rückt Russland in der Ukraine ungewöhnlich langsam vor – oft nur zwischen 50 und 100 Meter pro Tag, was im Verhältnis weniger Raumgewinn bedeutet, als manche Offensiven des Ersten Weltkriegs erreichten ist.

Putins Rekrutierungswelle: Anreize und Zwang

Die Ausweitung der Rekrutierungen setzt einen Trend fort: Der russische Präsident Wladimir Putin leitete bereits die diesjährige Herbstmobilisierung ein, indem er rund 135.000 Männer zwischen 18 und 30 Jahren einberief – die größte Einberufung seit 2016. Beobachter sehen darin die Vorbereitung für künftige Fronteinsätze.

Zusätzlich führte die Regierung in Moskau ein elektronisches Einberufungssystem ein, wie die Kyiv Post berichtet. Sobald ein Bescheid ausgestellt ist, wird automatisch ein Ausreiseverbot ausgestellt. Die Strafen für eine Verweigerung fallen hart aus: Wer sich nicht innerhalb von 27 Tagen meldet, verliert seinen Führerschein, und die Möglichkeit Kredite zu erhalten oder Unternehmen zu gründen. Obwohl das System nur testweise in Moskau und drei Regionen laufen sollte, verschickte die Regierung bereits in mindestens 15 weiteren Regionen elektronische Vorladungen, berichtet die Organisation Schule für Wehrpflichtige.

Russland im Ukraine-Krieg: Neue Soldaten und neue Panzer

Das ISW befürchtete bereits in der Vergangenheit die Gefahr des Aufbaus einer „strategischen Reserve“. Das Institut meldet unter Berufung auf eine russische Quelle, dass sich seit Juli 2025 etwa 292.000 Personen beim Verteidigungsministerium unter Vertrag genommen haben (Zum Vergleich: Die Bundeswehr zählt etwa 260.000 Angehörige). Brisant ist, dass nicht alle Rekruten sofort an die Front gingen. Sie wurden der strategischen Reserve zugeteilt. Die italienische Zeitung La Repubblica sieht darin die russische Garantie, um neue Kräfte jederzeit an der Front einzusetzen.

Doch nicht nur die Aufrüstung dürfte der NATO Sorgen bereiten: Im April lieferte der russische Rüstungskonzern Rostec neue, verbesserte BMP-3 Schützenpanzer. Die Fahrzeuge wurden laut Defence Blog gegen moderne Bedrohungen mit zusätzlicher Panzerung und Anti-Drohnen-Käfigen ausgestattet. Die BMP-3 können einen siebenköpfigen Infanterietrupp aufnehmen und bieten bei Vorstößen Feuerschutz. Laut dem Blog kündigte Rostec zudem eine Steigerung der Produktionsraten an. „Im März hat High-Precision Systems die Produktion von Schützenpanzern im Vergleich zu den ersten Monaten dieses Jahres um 10 Prozent gesteigert“, erklärte dazu Bekkhan Ozdoev, Industriedirektor bei den Rostec-Unternehmen

Das Beunruhigende: Laut La Repubblica wurde der Einsatz gepanzerter Fahrzeuge an der Front seit dem Frühjahr reduziert und beschränkte sich vorrangig auf ältere Modelle. Die neuen Panzer, wie die neu georderten T90M, BMP-3 und BMPT, seien weder im Donbass noch in Saporischschja zu beobachten. Putins Faustpfand umfasst damit womöglich nicht nur eine immense Anzahl neuer Rekruten, sondern auch fabrikneuer Kampfvehikel.

Putins Drohnenterror bedroht Ukraine: Selenskyj sieht nur „Frieden durch Stärke“

Zuletzt sorgte eher der Kampf in der Luft – weniger der Kampf am Boden für Aufsehen: Russland nahm gezielt die Energieversorgung der Ukraine ins Visier. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte in der Nacht die Luftangriffe. Von 96 gestarteten Angriffsdrohnen sei die Mehrheit abgeschossen worden – „aber leider nicht alle“, so Selenskyj auf Telegram- Bei den Angriffen sei auch ein Krankenhaus in Charkiw betroffen gewesen – Selenksyj kritisiert diesen scharf: „Ein absolut terroristischer, zynischer Angriff auf einen Ort, an dem Leben gerettet werden.“

Die zivilen Angriffe galten auch Eisenbahnlinien in Kirowograd sowie Energieanlagen und Unternehmen in Sumy und Donezk. Der Präsident appellierte in diesem Zusammenhang erneut an die westlichen Partner, die Luftabwehrsysteme der Ukraine zu verstärken. Nur so könne man „den Luftraum vor Raketen, Drohnen und Präzisionslenkwaffen schützen.“ Sein Fazit: „Die Welt muss Moskau zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Nur Frieden durch Stärke kann zu einem Ergebnis führen.“ (Quelle: ISW, CNN, Kyiv Post, Schule für Wehrpflichtige, CSIS, La Repubblica, Defence Blog, Telegram, frühere Berichterstattung) (kox)

Rubriklistenbild: © Alexey Maishev/Imago

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