Besser die Jacke anziehen

Schafskälte ist da: Hobbygärtner sollten Wetter im Juni beobachten

Nach dem warmen Mai ist es in NRW plötzlich wieder deutlich kühler. Regen, Gewitter und Sturmböen passen zu einem bekannten Frühsommer-Phänomen.

Der erste Freibadbesuch, der erste Sonnenbrand und das erste kühle Bier mit einer knackigen Bratwurst in der prallen Sonne: Der Sommer, er war in diesem Jahr schon ein wenig da. Dank eines ziemlich heißen Frühlingstarts im Mai sind bereits viele Menschen in NRW in den Genuss von warmem Wetter gekommen. Doch plötzlich war Schluss. Regen, Hagel, Gewitter und orkanartige Sturmböen haben eine ordentliche Abkühlung gebracht. Das hat auch etwas mit einem wiederkehrenden Wetterphänomen zu tun. Die Schafskälte hat Einzug in unserem Bundesland gehalten.

Frisch geschorene Lämmer reagieren empfindlich auf plötzliche Kälteeinbrüche – und sind Namensgeber für eine Phase, die auch jungen Pflänzchen gefährlich werden kann.

Und wer kennt es nicht? Der Mai war warm und sonnig, doch kaum schlägt der Kalender auf den Juni um, fühlt es sich draußen wieder an wie Frühherbst. Dieses Phänomen hat in der Volksmeteorologie einen eigenen Namen – die Schafskälte. Sie tritt typischerweise zwischen dem 4. und 20. Juni auf und beschreibt eine Rückkehr kühler, unbeständiger Witterung nach den ersten sommerlichen Tagen des Frühjahrs. Der Name geht auf eine alte bäuerliche Tradition zurück: Um diese Zeit wurden die Schafe traditionell geschoren – und schutzbedürftig wie frisch geschorene Tiere fühlten sich dann oft auch die Menschen in der plötzlichen Kälte. Wohl dem, der im Schrank noch ein dickes Fell hat, das er sich dann wieder überwerfen kann.

Schafskälte lässt NRW nach dem Mai-Wärmeschub frösteln

Meteorologisch steckt dahinter ein wiederkehrendes atmosphärisches Muster. Im Frühsommer verlagert sich das Islandtief häufig ostwärts und gibt damit den Weg frei für atlantische Tiefdruckgebiete, die feuchte und kühle Meeresluft nach Mitteleuropa lenken. Gleichzeitig liegt Skandinavien oft unter dem Einfluss eines Hochdruckgebiets, das kalte Polarluft nach Süden drückt. Das Zusammenspiel dieser Systeme sorgt für einen spürbaren Temperatursturz – mit Werten, die in Nordrhein-Westfalen mitunter nur noch knapp die 10-Grad-Marke erreichen. Dazu kommen Regen, Wind und bewölkte Tage, die den Hochsommer noch weit entfernt erscheinen lassen.

Auch wenn die Schafskälte keine meteorologisch verbindlich definierte Wetterperiode ist – im Gegensatz etwa zu den Eisheiligen im Mai –, zeigen langjährige Klimaauswertungen, dass die erste Junihälfte statistisch tatsächlich zu den kühleren und regenreicheren Perioden des Frühjahrsübergangs zählt.

Bedrückende Bilder: Wetterextreme der vergangenen Jahre in NRW

Orkantief Kyrill NRW Wilmsdorf Wald
Sturmschäden nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007, Meinerzhagen
Baum ist auf ein parkendes Auto gestürzt, Schäden durch das Sturmtief Ela am 09.06.2014
Sturmschäden im Schellenberger Wald oberhalb des Baldeneysee verursacht nach einem schweren Sturm
Bedrückende Bilder: Wetterextreme der vergangenen Jahre in NRW

Zuverlässig wie ein Uhrwerk kehrt sie dennoch nicht wieder: In manchen Jahren bleibt sie ganz aus, in anderen fällt der Kälteeinbruch deutlicher aus als erwartet. Für Gartenbesitzer, Landwirte und alle, die bereits leichtfertig die Winterjacke weggepackt haben, lautet die Botschaft jedes Jahr aufs Neue: Im Juni ist der Sommer noch nicht sicher – erst nach der Schafskälte gilt er als verlässlich eingekehrt. So lange sind auch junge Pflanzen im Garten gefährdet und sollten im Zweifel abgedeckt oder anderweitig geschützt werden.

Schon am Montag, 8. Juni, könnte außerdem feststehen, wie das Wetter den Rest des Junis in NRW prägt – zumindest wenn man alten Bauernregeln glauben darf.

Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/Kevin Sawford

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