282 Meter hoher Turm des Gersteinwerks

Schornstein-Spektakel lockt viele Schaulustige – viele Fotos von der Sprengung

Die Sprengung des Gersteinwerk-Schornsteins trieb hunderte Neugierige auf die Straße.
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Die Sprengung des Gersteinwerk-Schornsteins trieb hunderte Neugierige auf die Straße.

Der Schornstein des Gersteinwerks war fast doppelt so hoch wie der Kölner Dom. Am Sonntag wurde er gesprengt. Unser Video zeigt das Spektakel. Es gibt auch viele Fotos.

Hamm/Werne – Riesig war das Interesse am Abschied des 282 Meter hohen Schornsteins am Stockumer Gersteinwerk. Geschätzt mehr als 800 Menschen standen am Geländer der Kanalbrücke, weitere entlang des Damms unterhalb. Der Fall der Landmarke verzögerte sich um gut 30 Minuten. Die Verantwortlichen mussten einen „Personenfall“ klären, wie RWE-Pressesprecher Olaf Winter erklärte.

Dann ging es schnell: 20 Sekunden nach dem Explosionsknall hüllte eine gigantische Staubwolke den Korpus der Doppelröhre ein, die beim Aufschlag noch einmal auf sich aufmerksam machte und die Brücke zum Beben brachte. Applaus. Die Wolke zog Richtung Osten ab, die Zuschauer zog es wieder Richtung Herringen. Obwohl viele zu Fuß oder mit dem Rad kamen, waren der Randbereich der Lünener Straße und die Parkplätze an den Friedhöfen voll belegt.

Schornstein des Gersteinwerks gesprengt: viele gelbe Warnwesten

Gekommen waren die meisten Neugierigen naturgemäß aus den angrenzenden Stadtteilen. Knapp gefolgt von einem unübersehbaren Menschenknäuel in gelben Warnwesten. Mitarbeiter der Abriss-Firma AWR waren an diesem Sonntagvormittag angereist, hatten Familie bequeme Gartenstühle und Catering mitgebracht. „Ich denke, es sind so um die 200“, mutmaßte Geschäftsführer Ilmi Viqa, „aus allen Bereichen des Unternehmens.“

Aus Koblenz kam Marco Becker, eigentlich auf dem Betriebshof des rheinland-pfälzischen Abbruch-Spezialisten beschäftigt. „Das machen wir schließlich nicht jeden Tag“, begründete er sein Interesse. Es sei „in der Tat etwas Besonderes“. „So eine Sprengung ist aber immer eine spannende Sache: Am Ende drückt jemand nur auf den Knopf, wir verlassen uns ganz auf die Technik, haben an alles gedacht, gut vorbereitet. Ich bin zuversichtlich, dass alles passt.“

Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins aus Drohnensicht

Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins aus Drohnensicht
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins aus Drohnensicht
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins aus Drohnensicht
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins aus Drohnensicht
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins aus Drohnensicht

Schornstein des Gersteinwerks gesprengt: Zeitplan ging nicht auf

Das sah zunächst anders aus. Voller Anspannung wartete das Publikum, die Handy im Anschlag auf den großen Knall. Zum Termin um 11 Uhr passierte – nichts. Mehrere Countdowns des Livestreams von RWE wurden abgebrochen, Handys wieder heruntergenommen, um Akkus zu schonen. Die ersten privaten Drohnen mussten aus Energiemangel zurück in den Hangar.

Ein Anruf bei RWE-Pressesprecher Winter ergab, dass eine Person im Sicherheitsbereich ausgemacht worden war, die identifiziert werden musste. „Technische Probleme bestehen keine. Da geht die Sicherheit einfach vor.“ 29 Minuten später wurde erneut heruntergezählt, und der Schornstein kippte, erst langsam bis zu 45 Grad-Schräge, dann rascher und in zwei Teilen. Der obere brach, der Luftsog reinigte offensichtlich den Kamin ein letztes Mal. Eine Wolke des Inletkamins aus Ziegeln strömte aus dem Schlund, bevor der Boden vibrierte und Betonstaub alles einhüllte.

Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins beobachtet von der Kanalbrücke Am Lausbach

Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins beobachtet von der Kanalbrücke Am Lausbach
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins beobachtet von der Kanalbrücke Am Lausbach
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins beobachtet von der Kanalbrücke Am Lausbach
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins beobachtet von der Kanalbrücke Am Lausbach
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins beobachtet von der Kanalbrücke Am Lausbach

Schornstein des Gersteinwerks gesprengt: „Immer auf den Turm geguckt“

Wehmut verspürte Hannelore Hänschen aus Stockum, die seit 8 Uhr am Geländer ausharrte. „Wir haben ja immer auf dem Turm geguckt“, sagte sie. Ihr Mann Bodo hätte am Donnerstag noch Erinnerungsbilder geschossen, sie filmte den Sturz der Landmarke als Souvenir.

„Wir verlaufen uns jetzt“, unkte Pascal Dirkling, gebürtiger Herringer, jetzt aus dem Hammer Westen. Seine Frau Jessica und Freundin Vanessa Herkt verbinden das imposante Bauwerk mit Erlebnissen und Spaziergängen am Kanal. Keinerlei Beziehung haben hingegen Anna und Robert Meinke sowie Sohn Jonah. „Wir sind nur wegen des Spektakels hier und weil unser Sohn seine Spielzeugtürme kaputt macht“, erklärte das Paar aus Berge.

„Jetzt warten wir auf Neues“, verabschiedete Hänschen sich. Ihre Handyaufnahmen verglichen derweil Niilo Kohonior (Osttünnen), Max Dambrowsky und Marie Neunaber aus Rhynern. Das Mädchen stellte den Film gleich in ihren Status, die Jungen werden ihn Freunden posten. „Es war schon spektakulär“, erklärte Dambrowsky.

Schornstein des Gersteinwerks gesprengt: intensive Nachsorge

Bis zum Jahresende soll der Schutt beseitigt und auch die Entstickungsanlage abgerissen sein. Ob überhaupt und wann ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk die Freifläche besetzt, hänge von politischen Entscheidungen und dem Zuschlag nach Ausschreibungen der Bundesnetzagentur ab, erklärte Kraftwerksleiter Aiko Vogelsang noch am Freitag.

Nachdem Sprengmeister Eduard Reisch zwei Stunden Nachsorge betrieben und nachgeschaut hatte, ob denn auch wirklich alle Sprengladungen explodiert waren, wurde der Gashahn aufgedreht und das aktuelle Reservekraftwerk wieder in Betrieb genommen.

Schornstein des Gersteinwerks gesprengt: zwei Verletzte

Nach der Sprengung seien zwei Absperrposten von aufspritzendem Material leicht verletzt worden, teilte RWE-Sprecher Olaf Winter am Abend mit. Beiden Personen seien „vorsorglich medizinisch untersucht“ worden.

Unsere vorherige Berichterstattung:

Der Schornstein des Gersteinwerks war fast doppelt so hoch wie der Kölner Dom. Zur Einweihung 1984 reiste sogar Bundeskanzler Helmut Kohl an. Am Sonntag wurde der 282-Meter-Bau gesprengt – für die Stromproduktion wurde er nicht mehr gebraucht. Wir haben im Livestream über die Sprengung berichtet. Das Video gibt es hier:

Genauer gesagt sind es sogar zwei Türme, die fallen. Denn innerhalb der 282 Meter hohen Betonhülle befindet sich ein gemauerter Ziegelkamin, der ebenfalls bis in große Höhen ragt. Beide Bauteile werden zusammen fallen, präzise in die festgelegte Richtung nach Nord-Ost. An dieser Stelle hat die Firma AWR-Abbruch eine Auffangfläche aus 100.000 Tonnen „reiner Boden“ vorbereitet.

Schornstein des Gersteinwerks wird heute gesprengt

Obwohl der Abriss von Großbauten für beide Fachleute zum beruflichen Alltag gehört, stellt das kontrollierte Umstürzen eines derart hohen Bauwerks eine Besonderheit dar. Sprengmeister Eduard Reisch spricht gar von einer Weltpremiere. Nicht die 700 Bohrlöcher, die bis zu einer Höhe von sieben Metern reichen, oder die 140 Kilogramm „brisanter Gesteinsprengstoff in Gelform – modernes Dynamit“ machen das Besondere aus, erläutert Reisch. „Die eingebauten je 40 Tonnen schweren Kippgelenke garantieren die Fallrichtung.“ Die Sicherheit dieser besonderen Methode wurde mehrmals kontrolliert.

Das Gersteinwerk wurde von 1913 bis 1917 von den späteren Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen (VEW) erbaut. Das Kraftwerk ist nach dem Bochumer Landrat Karl Gerstein benannt. Mit der Inbetriebnahme des Kraftwerks 1917 begann die flächendeckende Elektrifizierung Westfalens. In den ersten Jahren wurde der Strom mit Steinkohle aus den umliegenden Zechen produziert. Wegen des rasant wachsenden Energiebedarfs wurde das Gersteinwerk bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs umfassend erweitert.

Zwischen den 1950er und 1980er Jahren erfolgten vier weitere Ausbaustufen. Im Jahr 1955 war das Gersteinwerk das größte Steinkohlekraftwerk der öffentlichen Versorgung in der Bundesrepublik. Im Jahr 1974 war es das leistungsstärkste Erdgaskraftwerk Europas. Die vier neuen Erdgas-Kraftwerksblöcke (F, G, H, I) wurden zwischen 1970 und 1973 in Betrieb genommen. Im Jahr 1984 folgte der Kombinations-Kraftwerksblock K zur Verbrennung von Steinkohle. Die letzten der alten Blöcke aus der Anfangszeit wurden 1991 und 1992 abgerissen. Am 29. März 2019 endete nach über 100 Jahren die Ära der Steinkohleverstromung am Standort Werne mit der Stilllegung des Steinkohleblocks K2.

Gersteinwerk Block K

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Gersteinwerk Block K

Der Energiekonzern RWE plant am Standort den Bau eines wasserstofffähigen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerks mit einer Nennleistung von rund 800 Megawatt. Das Projekt wurde im Mai 2024 offiziell angekündigt.

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