282 Meter hoch
Gigantischer Schornstein wird gesprengt: Experte spricht von einer „Weltpremiere“
Am Sonntag wird der Schornstein des Gersteinwerks nahe Hamm gesprengt. Das Kippen eines 282 Meter hohen Bauwerks ist für die Experten kein Alltag.
Hamm/Werne – Um 11 Uhr am Sonntag fällt der Schornstein des Gersteinwerks. Oder besser die zwei. Denn in der 282 Meter hohen Betonhülle verbirgt sich ein gemauerter Ziegelkamin, der ebenfalls bis in die Wolken reicht. Beide werden am Stück fallen, exakt in die vorgegebene Richtung Nord-Ost. Dort hat die AWR-Abbruch ihm ein Bett aus 100 000 Tonnen „reinem Boden“ bereitet. „Alles. Die aufgeschüttete Erde und auch die Reste des Schornsteins werden wiederverwertet“, sagt AWR-Bauleiter Michael Berne. „Schadstoffe wie Asbest befinden sich nicht im Turm“, ergänzt Patrick Mohr als Projektleiter des Unternehmens.
Auch wenn für die beiden das Beseitigen von Großbauten Alltag ist, das Kippen eines so hohen Bauwerks ist es nicht. Sprengmeister Eduard Reisch spricht gar von einer Weltpremiere. Es sind nicht die 700 Bohrlöcher, die sich bis in die Höhe von sieben Metern ziehen oder die 140 Kilogramm „brisanter Gesteinsprengstoff in Gelform – modernes Dynamit“, erklärt Reisch: „Die eingebauten je 40 Tonnen schweren Kippgelenke garantieren die Fallrichtung.“
Schornstein des Gersteinwerks in Werne wird gesprengt
Die Sicherheit des einmaligen Verfahrens sei mehrfach überprüft worden. „Bis zur rechnerischen Nachweisgrenze“, sagt Reisch. „Alles wurde millimetergenau eingebaut.“ Die Gelenke stehen auf einem Extrafundament, wurden eingegossen in die Turmbasis. Der 65 Zentimeter starke Stahlbeton am Fuß wurde zudem 25 Zentimeter tief eingesägt. Der Zufall beim Sturz von 15 000 Tonnen Material sollte in jedem Fall vermieden werden, wenn Reisch den Knopf drückt. „Im Grunde ist es das Prinzip, wie man einen Baum fällt“, gibt der Sprengmeister ein Bild vor, „nur dass die Gelenke diese typische rückwärtige Fallbewegung, wenn der Keil eingeschlagen wird, verhindern“. Ausbleiben werde der Knall übrigens nur bei Windstärken über fünf.
Und wie ist der Gefühlszustand von RWE-Standortleiter Aiko Vogelsang? „Ich bin erst seit 2021 hier“, antwortet er – „aber der Turm ist auch für mich mehr als eine Landmarke. Ich bin eng mit den Kollegen verbunden, die seit über 30 Jahren hier sind. Ich merke, was im Team los ist.“ Ähnlich hatten sich auch die Nachbarn des Gersteinwerks geäußert.
