Spektakuläre Szenen
Riesiger Schornstein gesprengt – er war fast doppelt so hoch wie der Kölner Dom
Der Schornstein des Gersteinwerks in Werne ist Teil deutscher Energiegeschichte. Jetzt wurde das riesige Bauwerk an der Grenze zu Hamm gesprengt.
Update vom 12. Oktober 2025: Der Schornstein des Gersteinwerks in Werne ist Geschichte. Der Turm konnte gegen 11:30 Uhr erfolgreich gesprengt werden. Spektakuläre Bilder und Videos zeigen, wie der 282 Meter hohe Turm gesprengt wurde und dann in seiner vollen Größe zur Seite kippt.
Erstmeldung vom 09. Oktober 2025:
Hamm/Werne – Auf der Liste der höchsten Gebäude Deutschlands steht er an Nummer 25: der Schornstein des Gersteinwerks, mit 282 Metern fast doppelt so hoch wie die Kölner Domtürme. Am Sonntag wird es damit vorbei sein: Der Kamin wird nicht mehr gebraucht und deshalb gesprengt.
Sprengung des Gersteinwerk Schornsteins beobachtet von der Kanalbrücke Am Lausbach




Gegen 11 Uhr soll der Schornstein fallen. Die Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE) hat dafür die Spezialfirma Reisch Sprengtechnik engagiert. Mit Details hält sich der Energiekonzern bisher zurück; will sich aber am Freitag, 10. Oktober, äußern.
Schornstein des Gersteinwerks in Hamm gesprengt
Das Gersteinwerk ist deutsche Energiegeschichte. Von 1913 bis 1917 von den späteren Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen (VEW) errichtet, verstromte man dort zunächst Steinkohle der umliegenden Zechen, seit den frühen 1970er Jahren dann niederländisches Erdgas. Doch ging es zurück zur Kohle. Nach der Ölkrise 1973 war Versorgungssicherheit gefragt. Die sollte der „Block K“ bieten: Ein Kraftwerk, das sowohl Gas als auch Kohle verfeuern konnte. Dazu gehörte auch der 282-Meter-Kamin, der bereits 1982 stand. Zur Einweihung am 24. Oktober 1984 kamen mehr als 700 Gäste. Ganz oben auf der Einladungsliste stand Bundeskanzler Helmut Kohl.
„Der Kanzler war gewaltig“, erinnert sich Klaus Brüggemann, der damals für wa.de über die Feier berichtete. „Und er war schlecht gelaunt.“ Kohl schwebte mit dem Hubschrauber aus Bonn ein und interessierte sich erstmal fürs Buffet, das der Party-Service der Lufthansa aufgebaut hatte. „Sollen wir nicht die Reden ausfallen lassen und erst unsere Suppe auslöffeln?“, scherzte der Kanzler da noch. Bis er mit Erbsensuppe kleckerte.
Dem Kanzler ging der Trubel dann offenbar auf die Nerven. „Ich mach für Euch doch nicht den Affen“, bekam ein Fotograf zu hören, der ihn gebeten hatte, doch mal einen Schutzhelm aufzusetzen. Mit VEW-Vorständen und Presse im Schlepptau ging es im Sauseschritt durchs Kraftwerk. Nachdem er sich noch schnell ins Goldene Buch der Stadt Werne eingeschrieben hatte, schwebte Kohl wegen dringender Regierungsgeschäfte wieder davon. „Im Festzelt ging es derweil recht lustig zu“, schrieb Brüggemann damals. Dort „ließen sich die übrigen Gäste von den Hostessen der Lufthansa mit kühlen Getränken verwöhnen“.
Block K sollte Arbeitsplätze auf der Zeche Radbod sichern
Block K sollte nach offizieller Lesart auch Arbeitsplätze im Bergbau sichern. Ganz besonders auf der nahen Zeche Radbod, wie von Gewerkschaftern, Kraftwerksbetreibern und Landespolitikern bei der Einweihung nahgelegt wurde. Geholfen hat es nicht: Radbod machte sechs Jahre später dicht. Der Kraftwerksblock ließ sich problemlos mit auswärtiger Kohle befeuern.
Der Kohleblock lief bis ins Jahr 2019. Die Gaskomponente gibt es heute immer noch, als wichtiger Teil der Kapazitätsreserve. Die Zukunft liegt in erneuerbaren Energien. Es gibt in Werne bereits einen Batteriespeicher. Und für weitere Aktivitäten braucht RWE Platz auf dem Gelände. Seit dem Sommer 2024 läuft der Rückbau von Block K. Wenn der Schornstein fällt, ist er endgültig Geschichte.
