Bei Tobias Garske laufen 2500 Fäden zusammen

Dieser Mann soll in Hamm für ein besseres Klima sorgen

13 Jahre hat Tobias Garske im Umweltamt der Stadt Hamm gearbeitet.
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13 Jahre hat Tobias Garske im Umweltamt der Stadt Hamm gearbeitet.

Rund 2500 Mitarbeiter arbeiten in der Hammer Stadtverwaltung. Sie alle sollen in Zukunft bei jedem Projekt den Klimaaspekt berücksichtigen. Und den Klimaaktionsplan umsetzen.

Hamm – Hamm soll – so hat es der Rat mit der CDU/SPD-Mehrheit beschlossen – mit eben diesem Plan bis 2035 CO2-neutral wird. Das zu schaffen ist eine Mammutaufgabe. Und die ist ohne eine gute Vernetzung intern kaum zu bewältigen. Aus Verwaltungskreisen ist zu hören, dass die Abstimmung zuletzt allerdings nicht immer klappte. Frei nach dem Motto: Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut.

Damit sich das in Sachen Klimaschutz ändert, besetzt Tobias Garske eine neu geschaffene Stelle im Referat für Grundsatzfragen im Büro des Oberbürgermeisters. Bei dem 49-Jährigen laufen alle Fäden zusammen. Ihm kommt deshalb eine entscheidende Rolle beim Erreichen der Klimaziele zu.

Lebenswerte Zukunft für die Kinder

Seit September sitzt Garske im OB-Büro Jens Krause gegenüber, der das andere große Zukunftsthema – die Digitalisierung – beackert. Zuletzt war Garske kaufmännischer Leiter der Musikschule, davor legte er eine klassische Verwaltungslaufbahn hin. Erst im Jugendamt, dann im Schulamt und schließlich 13 Jahre im Umweltamt. „Diese Zeit hat mich schon sehr geprägt“, sagt der gebürtige Münsteraner.

Seit Jahren lebt Garske mit seiner Frau in Hamm. Er kennt die Stadt gut, hat während seiner beruflichen Stationen immer mit und für Kinder gearbeitet. Umweltbildung ist ihm wichtig. Seine jetzige Aufgabe habe – indirekt – auch etwas mit Kindern zu tun. Der 49-Jährige will sicherstellen, dass es eine lebenswerte Zukunft für die Kinder in Hamm gibt.

Garske kennt sich im Rathaus aus

Garskes Vorteil: Durch die vielen Jahre in der Verwaltung kennen ihn die neuen, alten Kollegen. Das hilft, Maßnahmen schnell und in enger Abstimmung umzusetzen. In seinen ersten vier Monaten hat er sich einen Überblick darüber verschafft, wie in Hamm bislang das Klima geschützt wurde. Und hat gleichzeitig am Klimaaktionsplan mitgestrickt. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Angesichts der Personalknappheit in der Verwaltung dürfte die Euphorie bei den Mitarbeitern, nun auch noch immer den Klimaaspekt mitdenken zu müssen, nicht sonderlich groß sein. Garske beteuert allerdings: „Die Kollegen sind überwiegend Überzeugungstäter. Man kann vielleicht einmal Augen verdrehen oder aufstöhnen, wenn der Rat etwas beschließt. Aber wir stehen alle hinter dem Klimaaktionsplan. Dann ist der Stressfaktor auch ein anderer.“

Kritiker sollen Geduld haben

Bevor der Klimaplan in der Ratssitzung am 10. Dezember beschlossen wurde, hatte es von Opposition, Umweltverbänden, „Fridays for Future“ und Bürgern Kritik gehagelt, das 120 Seiten starke Papier sei nicht ambitioniert genug. Garske bittet deshalb diejenigen, die den ihrer Meinung nach langsamen Fortschritt kritisieren, um Geduld.

„Die Menschen sind oft schon weiter als die Politik oder Verwaltung“, sagt Garske. „Wir brauchen viele Abstimmungen. Ist Geld da? Welche Fachfirma kann das Vorhaben überhaupt umsetzen? Wir sind nicht behäbig, sondern an Mechanismen gebunden.“

Schnellschüsse könnten zudem nach hinten losgehen. „Dann würde öffentliches Geld verbrannt werden. Und das wollen wir nicht“, so Garske. Die ohnehin schon knappen finanziellen Mittel zu verpulvern, wolle man als Stärkungspaktkommune unbedingt vermeiden.

"Klimaschutz ist kein Tagesgeschäft“

Ohnehin sei Klimaschutz kein Sprint, betont der 49-Jährige. Es gebe viele Aufgaben, die Jahre dauern werden. Etwa die Entwicklung und Wiedervernässung von Niedermooren. „Da kann man nicht einfach ein bisschen Wasser draufkippen und dann wird das wieder.“ Solche Vorhaben seien langfristig angelegt. Auf drei bis fünf Jahre. „Das dauert eben. Aber es lohnt sich, wenn man bedenkt, dass nur drei Prozent der Erdoberfläche Moore sind, diese aber doppelt so viel CO2 speichern wie sämtliche Waldflächen.“

Auch langfristige Maßnahmen, wie die Wiederbelebung des Rangierbahnhofs oder Waldansiedlung, seien wichtig. Selbst wenn wie im Fall des Rangierbahnhofes die Stadt selbst gar nicht federführend entscheiden kann, was mit der Fläche passiert. „Es wäre fatal, diese Projekte nicht aufzunehmen, nur weil sie lange dauern. Klimaschutz ist kein Tagesgeschäft.“

„Die Entscheidung trifft letztlich der Bürger"

Um erfolgreich Klimapolitik zu machen, müssen auch die Bürger mitgenommen werden. Dafür soll die Verwaltung nach dem Willen von CDU und SPD Anreize schaffen und die Ziele nicht mit Verboten erreichen. „Die Entscheidung trifft letztlich der Bürger. Wir reichen nur die Hand und wollen unterstützen, damit der Wandel zu einem klimafreundlichen Leben möglichst einfach ist“, sagt Garske. „Es ist ein Trugschluss, dass Klimaschutz bedeutet, in einer Höhle bei Kaltwasser und Lagerfeuer zu leben. Viele kleine Veränderungen helfen schon.“

Eine Einschränkung gibt es da allerdings auch. „Wenn die Erkenntnis reifen sollte, dass das nicht funktioniert, muss es neue politische Beschlüsse geben. Der Klimaaktionsplan ist nur der Auftakt“, betont der 49-Jährige. Wichtig sei es, alle Hammer ins Boot zu holen. Garske will deshalb nach eigenem Bekunden auch offen mit Menschen sprechen, die das Klima nicht als drängendstes Problem sehen und andere Ängste haben. „Wir nehmen die Sorgen ernst."

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