Drohnen dezimieren die Ölversorgung

Putins Panzer-Produktion vor gefährlicher Stagnation – Öl-Engpass trifft Russlands Wirtschaft schwer

Die russische Rüstungsindustrie hat lange für ein überraschendes Wachstum gesorgt. Damit soll jetzt Schluss sein. Schuld daran ist die Ukraine.

Moskau – Hiobsbotschaft für den Kreml: Nachdem sich die Rüstungsindustrie seit der Ukraine-Invasion zu einer tragenden Stütze für die Wirtschaft entwickelt hat, könnte jetzt die Kehrtwende kommen. Lange hat der Westen den Sektor sanktioniert und darauf abgezielt, dass wichtige Software und elektronische Bauteile nicht mehr nach Russland gelangen. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte darauf verschiedene Antworten gefunden; zum Beispiel die Lieferung über Drittländer oder die Kannibalisierung von noch vorhandenem West-Equipment. Eine neue Ukraine-Strategie soll jetzt für eine Abkühlung von Russlands Wirtschaft sorgen.

Russlands Wirtschaft vor Stagnation – trotz massiver Putin-Subventionen

Das zumindest zeigen aktuelle Zahlen des russischen Statistikamts Rosstat. Nach fast drei Jahren des Wachstums im zweistelligen Bereich sollen jetzt die ersten Zeichen einer Verlangsamung zu sehen sein. Für den Kreml wäre das katastrophal: Immerhin hat der Rüstungssektor durch ein überdurchschnittliches Wachstum die ganze Wirtschaft mit angetrieben. Um diese Entwicklung weiter zu befeuern, hatte die russische Regierung massive Summen in den Sektor investiert – und das auf eine für die Banken ungesunde Weise, aber dazu später mehr.

Wladimir Putin in Moskau (Symbolfoto). Die russische Rüstungsindustrie hat lange für ein überraschendes Wachstum gesorgt. Damit soll jetzt Schluss sein. Schuld daran ist die Ukraine.

Industrien, die mit dem Rüstungssektor zusammenhängen, sind angeblich in eine Phase der Stagnation (wenn nicht sogar des Rückgangs) eingetreten. Die Zahlen zeigen, dass dies im September zum ersten Mal seit der Invasion der Ukraine der Fall war. Die Produktion von „hergestellten Metallprodukten“ ist im September um 1,6 Prozent zurückgegangen. Zwischen 2023 und 2024 stand hier ein Wachstum bis auf 31,6 Prozent auf dem Papier.

Bei „Transport-Equipment“, einer Kategorie, die unter anderem Panzer und gepanzerte Fahrzeuge umfasst, fand ein Einbruch um sechs Prozent statt, wenn man September 2025 mit dem Vorjahresmonat vergleicht. Im direkten Vergleich zum Vormonat August aber ist der Einbruch noch gravierender: minus 20 Prozent. Das berichtete Moscow Times unter Berufung auf Schätzungen der Raiffeisenbank.

„Toxische Schulden“ in Russlands Bankensektor – Rüstungsindustrie konnte Wirtschaft hochziehen

Die Bedeutung der Militärproduktion für das russische Wirtschaftswachstum kann man kaum übertreiben. Über die letzten dreieinhalb Jahre hatte der Sektor Putin dabei geholfen, immer wieder ein gutes Wirtschaftswachstum zu berichten. Zuerst waren Experten ratlos gewesen, wie es Russland scheinbar gelang, die Wirkung der westlichen Sanktionen fast völlig zu umgehen. Unter der Voraussetzung, dass die Wachstumszahlen der Realität entsprachen, kamen Ökonomen schließlich zu einer Erklärung: Der Kreml ließ es zu, dass eine völlig überhitzte Rüstungsproduktion das Wirtschaftswachstum mit anzog.

IndustriezweigWachstum 2025Vergleichswert
Generelle Industrieproduktion+0,3 Prozent (September 2025)+5,6 Prozent (September 2024)
Verarbeitendes Gewerbe+0,4 Prozent (September 2025)+2,4 Prozent (August 2025)
Produktion von Metallerzeugnissen-1,6 Prozent (September 2024 auf 2025)+21,2 Prozent (August 2025)

Quelle: Moscow Times

Allein dieser Vorgang brachte gleich mehrere gravierende Probleme mit sich. Eines davon legte der Harvard-Forscher und Ex-Investment-Banker Craig Kennedy im Frühjahr 2025 offen. Und zwar soll der Kreml dafür gesorgt haben, dass russische Banken Unternehmen aus dem Rüstungssektor massenhaft Kredite vergaben – zu Konditionen, die der Markt eigentlich nicht hergab.

Das soll im Sektor für Unternehmenskredite einen „Grundstock aus toxischen Schulden“ geschaffen haben. Auch dies hat Konsequenzen, die derzeit immer stärker sichtbar werden, etwa die hohe Inflation und Sorgen vor Kreditausfällen bei den Banken.

Putin hat massives Drohnen-Problem – Ukraine zerschießt Russlands Infrastruktur

Die große Frage hinter dem Ganzen: Warum jetzt? Haben westliche Sanktionen endlich ihre Wirkung entfaltet und behindern die Produktion? Der Thinktank Atlantic Council sieht hier die Drohnen-Kampagne der Ukraine als hauptsächlichen Auslöser. Seit August 2025 lässt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verstärkt russische Infrastruktur angreifen; besonders sind davon Ölraffinerien, Gasanlagen, Treibstoffdepots und Pipelines betroffen.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Kim Jong-un und Wladimir Putin
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Über die letzten Wochen haben internationale Medien immer wieder von der daraus resultierenden Treibstoffkrise berichtet. In Regionen wie der von Russland besetzten Krim oder den östlichen russischen Regionen war die Lage so ernst, dass sogar Rationierungen am Treibstoff erfolgten. Autofahrer mussten stundenlang in der Schlange vor Tankstellen warten, wenn sie auftanken wollten.

Das hat für Russlands Rüstungssektoren zwei gefährliche Implikationen: Erstens betrifft das auch die russischen Truppen, die für ihre Panzer und Fahrzeuge gewaltige Mengen an Treibstoff benötigen, zweitens ist die Militärproduktion betroffen. Die in Paris sitzende International Energy Agency geht nicht davon aus, dass Russlands Raffinerien vor der Jahresmitte 2026 aus dieser Krise wieder herauskommen. (verwendete Quellen: Moscow Times, Atlantic Council, Rosstat; laernie)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergey Bobylev

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