Krim leidet unter Ölmangel

Putins Öl-Markt in „nie dagewesener Krise“ – wie Selenskyj Russlands Wirtschaft dezimiert

Die Ukraine greift beständig russische Öl-Raffinerien an. Das führt zur Treibstoffkrise. Wladimir Putin steckt in der Klemme.

Moskau – Eine weitere Ölraffinerie in Russland brennt. Laut russischen Offiziellen soll die Raffinerie im russischen Jaroslawl (300 Kilometer nordöstlich von Moskau) durch einen technischen Fehler in Brand geraten sein, aber der Brand reiht sich in eine ganze Serie an Bränden und Beschädigungen, unter denen Russlands Wirtschaft derzeit leidet. Seit Monaten greift die Ukraine unter Präsident Wolodymyr Selenskyj gezielt russische Infrastruktur an und hat so einen größeren Teil der Raffineriekapazität im Land beschädigt. Die Lage für den russischen Ölmarkt wird zunehmend ernst.

Ukraine-Angriffe gegen Russlands Wirtschaft – „noch nie dagewesene Krise“ für Öl-Markt

Seit Anfang August haben ukrainische Drohnenangriffe mehr als zwei Dutzend große Ölraffinerien innerhalb Russlands getroffen. Zum 28. September waren 38 Prozent der Primärkapazität für Ölraffinerien ungenutzt – dem russischen Markt entgingen umgerechnet 338.000 Tonnen produziertes Öl am Tag. Das berichtete die Moscow Times und bezog sich auf Daten der Informationsagentur Siala. Sie sprach von einer „noch nie dagewesenen Krise“ im russischen Kraftstoffmarkt.

Wolodymyr Selenskyj bei einer Pressekonferenz in Kiew (Symbolfoto). Die Ukraine greift beständig russische Öl-Raffinerien an. Das führt zur Treibstoffkrise. Wladimir Putin steckt in der Klemme.

Der Niedergang dauert nun schon einige Monate lang an. Im August sei die Gesamtkapazität für die Produktion von Benzin und Dieselkraftstoff um sechs Prozent zurückgegangen, gefolgt von einem weiteren Einbruch um 18 Prozent im September. Siala geht davon aus, dass etwa 70 Prozent der Ausfallzeiten auf ukrainische Drohnenangriffe zurückzuführen sind.

Vor allem seien von der jetzt herrschenden Treibstoffkrise der Osten Russlands und die besetzte ukrainische Region Krim betroffen. Hier hatte die Führung den Verkauf von einer Benzinmenge über 30 Liter Benzin pro Kunde verboten. Noch vor ein paar Tagen hatte der Befehlshaber über die Krim noch um Geduld gebeten und versprochen, dass es bald wieder mehr Öl geben würde.

West-Sanktionen verhindern wichtigen Handel für Putin – Öl-Raffinerien gehen die Ersatzteile aus

Besonders gravierend für den russischen Ölsektor: Seit den 2010er-Jahren war die Modernisierung von Ölraffinerien verstärkt mit westlicher Technologie vonstattengegangen. Diese Technologie – Bauteile und Ausrüstung, die jetzt für die Reparaturen benötigt werden – ist wegen der westlichen Sanktionspolitik nur schwerlich importierbar. Der Ökonom Wladislaw Inosemtsew gab gegenüber der Moscow Times an, dass diese Teile auch nicht einfach mit chinesischen Pendants ersetzt werden können.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Kim Jong-un und Wladimir Putin
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Die ukrainischen Angriffe sind bei Weitem nicht das einzige Problem, mit dem der russische Ölmarkt derzeit kämpft. Schon nach Kriegsbeginn in der Ukraine hatte die Entscheidung der westlichen Industrienationen, kein russisches Öl mehr zu kaufen, Löcher in den Haushalt des Kremls gerissen.

Zwar hatte der Ölsektor (im Gegensatz zu Gas) schnell reagiert und sich stattdessen asiatischen Ländern wie Indien zugewandt, allerdings kostet allein der Transport von Russland nach Indien deutlich mehr als von Russland nach Europa. Der Thinktank Atlantic Council geht von Mehrkosten zwischen zehn und 15 US-Dollar pro Barrel aus, wenn ein Schiff in Primorsk ablegt und nach Indien fährt – mal ganz davon abgesehen, dass Indien und China genau um Russlands Situation Bescheid wussten und hohe Rabatte heraushandeln konnten.

Massive Verluste für Russlands Wirtschaft – Putins Öl-Riesen verlieren Geld

Zuletzt schwächen auch wiederholte Fördererhöhungen der Ölmenge vonseiten des Ölkartells Opec+ den russischen Ölmarkt. Seit dem Frühjahr 2025 verabschiedet sich das Kartell immer weiter von lange vorher eingesetzten Fördersenkungen. Das wiederum hat zur Schwächung des russischen Ölsektors beigetragen.

Wie das aussieht, zeigten die letzten Unternehmensberichte. Rosneft PJSC, für Kreml-Chef Wladimir Putin einer der wichtigsten Ölkonzerne, berichtete für die erste Jahreshälfte 2025 einen Einbruch beim Nettoeinkommen um 68 Prozent, verglichen mit demselben Zeitraum 2024. Lukoil PJSC verlor ebenfalls mehr als 50 Prozent. Tatneft PJSC, ein kleinerer Ölkonzern, verlor 62 Prozent.

Im August gingen Russlands Einnahmen aus dem Ölverkauf um zwei Prozent zurück, verglichen mit Juli. Pro Tag spülten die Exporte 564 Millionen Euro in die Kriegskasse des Kremls. Das zeigen Zahlen des Center for Research on Energy and Clean Air (CREA).

Inflationsgefahr durch Treibstoffkrise – Öl-Markt in Aufruhr

Russlands Wirtschaft steckt wegen der Entwicklung am Ölmarkt doppelt in der Klemme. Nicht nur gehören die Ölexporte traditionell zu einer der wichtigsten Einkommensquellen für den Kreml (um die Exporte zu sichern, hat die Regierung extra für viel Geld die berüchtigte Schattenflotte aufgebaut), die Verfügbarkeit von Öl beeinflusst die gesamte Wirtschaft. Aktuell steigen die Großhandelspreise für Treibstoff, was wiederum Kosten in der Landwirtschaft, im Transport und in der Logistik hochtreibt. Wladimir Chernow, Analyst bei Freedom Finance Global, sieht eine verstärkte Inflation nahen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Anadolu Agency

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