Putin muss handeln
Russlands Wirtschaft schwächelt: Prestigekonzerne mit Verlusten
Gazprom soll nach Milliardenverlusten von Moskau Steuererleichterungen erhalten – ein beunruhigendes Signal für Russlands angeschlagene Energiewirtschaft.
Moskau – Für Gazprom ist es das zweite Jahr in Folge mit einem Minus in der Bilanz: 2024 lag der Verlust des russischen Staatskonzerns bei 1,02 Billionen russischen Rubel (in etwa 10,8 Milliarden Euro), bis September 2025 bislang bei 170 Milliarden Rubel. Der Kreml will nun gegensteuern: Gazprom soll ab November 2026 eine Steuervergünstigung von 64 Milliarden Rubel auf die Gasförderung erhalten. Das berichtete Moscow Times unter Bezugnahme auf die staatliche Nachrichtenagentur Interfax. Grundlage sind geplante Änderungen des Steuergesetzes durch das russische Finanzministerium, hieß es weiter.
Profitieren sollen Gazprom-Tochtergesellschaften, die Gas in der russischen Region Jamal fördern. Doch nicht nur Gazprom steht unter Druck. US-Präsident Donald Trump zeigte sich zuletzt frustriert über erfolglose Gespräche mit Wladimir Putin zum Ukraine-Krieg und verhängte Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft. Im Inland meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass im Oktober indes „Rekordlieferungen“ von Gazprom, die Exportverluste blieben unerwähnt. Öl- und Gaseinnahmen machten im vergangenen Jahr 30 Prozent der russischen Staatseinnahmen aus, wie eine Analyse des Oxford Institute for Energy Studies zeigt.
China diktiert den Preis: Moskau verkauft Peking Gas mit 40 Prozent Rabatt
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind Gazproms Exporte um das 2,3-Fache eingebrochen, wie Moscow Times weiter berichtet. China nimmt inzwischen rund die Hälfte des gesamten Gases ab – zu einem Rabatt von 40 Prozent auf den Marktpreis. Insgesamt sind das 38 Milliarden Kubikmeter jährlich. Die Türkei importiert weitere 20 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Die Exporte nach Europa hingegen sind auf ein Rekordtief gefallen: Von Januar bis Oktober 2025 lieferte Gazprom nur noch 14,7 Milliarden Kubikmeter – etwa ein Zehntel des Vorkriegsvolumens und der niedrigste Stand seit Anfang der 1970er-Jahre.
EU-Länder spülen trotz des Gas-Liefereinbruchs dennoch weiter viel Geld in Putins Kriegskasse: Laut Angaben der EU-Kommission führte die EU im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 35,9 Milliarden Euro aus Russland ein. Und: Gäbe es ausreichend Abnehmer, könnte Gazprom mehr als 500 Milliarden Kubikmetern pro Jahr exportieren, wie der Energieexperte Wjatscheslaw Kulagin im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Bloomberg schätzt. Moskau setzt nun vermehrt auf den chinesischen Markt. Zuletzt hatten Peking und Moskau ihre strategischen Beziehungen weiter ausgebaut.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland




Bei Putins Besuch in China im September trafen Gazprom und der staatliche chinesische Energiekonzern eine Vereinbarung: Russland will demnach 15 Prozent mehr Gas nach China liefern. Außerdem wurde ein rechtsverbindliches Abkommen zum Bau der Pipeline „Power of Sibiria 2“ unterzeichnet, hieß es. Die Leitung soll von Jamal über die Mongolei in den Nordosten Chinas verlaufen. Experten betonen, dass Peking dem Abkommen noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Einer der möglichen Streitpunkte: Der Gaspreis. (Quellen: Moscow Times, dpa, AFP, Bloomberg, Tass, EU-Kommission) (bme)
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