„Teil der Lösung“

Migration in Deutschland: Der Wirtschaft fehlen die Geflüchteten

Wirtschaftsverbände drängen auf unkomplizierte Zuwanderung für Geringqualifizierte. Neben Fachpersonal werden auch dringend ungelernte Arbeitskräfte benötigt.

Frankfurt/Berlin – Neu-Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt mit seiner Regierung in Sachen Zuwanderung auf Härte und rigorose Maßnahmen. Die Effekte der verschärften Migrationspolitik zeigen sich bereits jetzt deutlich: Die Zahl der Asylanträge nimmt Monat für Monat ab. Nun warnt die Wirtschaft vor den Folgen, denn der Arbeitskräftemangel kostet Milliarden.

Handelskammer und Gastgewerbe sowie Transport- und Dienstleistungs-Unternehmen wie DHL oder die Deutsche Bahn fordern darum, auch geringqualifizierten Zuwanderern unbürokratische Wege nach Deutschland zu eröffnen. Sie sehen in der Förderung der Erwerbsmigration einen unentbehrlichen Baustein, dem akuten Personalmangel zu begegnen.

Wirtschaftsverbände fordert leichtere Einwanderung auch für Geringqualifizierte. Zuwanderung sei „Teil der Lösung“ auf dem Arbeitsmarkt, betont auch die Deutsche Post.

„Teil der Lösung“: Wirtschaft fordert leichtere Einwanderung auch für Geringqualifizierte

Das Problem ist komplex: Ein Zusammenspiel aus demografischem Wandel durch das Ausscheiden der Babyboomer in die Rente und dem zugleich anhaltenden Arbeitskräftemangel – nicht nur von Fachpersonal – macht der deutschen Wirtschaft zunehmend zu schaffen: „Die demografische Entwicklung führt dazu, dass wir in Zukunft mit knapper werdendem Personal mehr Leistungen erbringen müssen“, stellt Arbeitsagentur-Chefin Andrea Nahles fest.

Verschiedene Berufsverbände, Unternehmen und auch Top-Manager fordern darum ein Umdenken der Politik. Thomas Ogilvie, Personalchef der Deutschen Post DHL Group erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA am Montag (28. Juli): „Nur durch eine offene und pragmatische Zuwanderungspolitik können wir die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt zukünftig erfolgreich meistern“.

„Wettbewerbsfähigkeit sichern“: Unternehmen fordern vereinfachte Zuwanderungspolitik

In Anbetracht des zunehmenden Arbeitskräftemangels sei es „entscheidend, gezielte Erwerbsmigration zu fördern, unter anderem auch für sogenannte Basistätigkeiten“, so Ogilvie: „Eine gesteuerte Zuwanderung, die mit möglichst wenigen bürokratischen Hürden einhergeht, ist notwendig, um den Bedarf an Fachkräften zu decken und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu sichern.“

Jedes dritte Unternehmen mit Engpässen kann auch Stellen für Personal ohne Berufsabschluss nicht besetzen.

Achim Dercks, DIHK

„Nicht das richtige Signal“: Handelskammer warnt vor bürokratischen Hürden für Migration

Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Geschäftsführer, führt aus: Personalengpässe seien für viele Unternehmen weiterhin eine immense Herausforderung – trotz derzeitiger Wirtschaftsschwäche: „Jedes dritte Unternehmen mit Engpässen kann auch Stellen für Personal ohne Berufsabschluss nicht besetzen“.

Hier könne neben der Ausschöpfung inländischer Potenziale auch die Zuwanderung aus dem Ausland helfen, über die sogenannte Westbalkanregelung beispielsweise könnten auch Menschen ohne anerkannten Abschluss in Deutschland arbeiten, „dass die Bundesregierung das hierbei geltende Kontingent von 50.000 auf 25.000 Personen pro Jahr halbieren will, ist vor diesem Hintergrund nicht das richtige Signal.“

Engpässe belasten Wirtschaft: In diesen 15 Berufen ist der Fachkräftemangel am größten

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Jede Einstellung für die operativen Berufe ist für uns wichtig. Wir betrachten Zuwanderung als einen Teil der Lösung.

Deutsche Bahn

Dramatische Veränderung des Arbeitsmarktes: „Zuwanderung ist Teil der Lösung“

Der Arbeitsmarkt in Deutschland habe sich dramatisch verändert, berichtet auch ein Bahnsprecher auf Nachfrage: „Jede Einstellung für die operativen Berufe ist für uns wichtig. Wir betrachten Zuwanderung als einen Teil der Lösung.“ Zwar sei der Aufwand höher, sei es der Punkt Aufenthaltsstatus oder die Anerkennung von Abschlüssen – „aber wir machen das – auch als einer der größten Ausbilder im Land“, so der DB-Sprecher: „Umso besser, wenn die Politik, die Bundesagentur für Arbeit und die Gewerkschaften alle an einem Strang ziehen und gemeinsam Rahmenbedingungen klären und vor allem weiter vereinfachen.“

Es ist und bleibt es wichtig, Erwerbsmigration gezielt zu fördern und zu steuern. Dabei ausschließlich auf formal qualifizierte Fachkräfte zu setzen, greift zu kurz. 

Sandra Warden, DEHOGA

Gastgewerbe und Logistik drängen auf leichtere Einwanderung auch ohne Fachausbildung

Sandra Warden, DEHOGA-Geschäftsführerin, fordert ein schnelles Umdenken: „Wir brauchen bessere, schnellere und vor allem unbürokratischere Wege für Betriebe und Bewerber. Derzeit sind die Visaverfahren und Arbeitsmarktzulassungen zu langwierig und kompliziert und Kontingente zu klein.“ Allein schon aufgrund des demografischen Wandels sei das Gastgewerbe dringend auf motivierte und dienstleistungsorientierte Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen.

Warden: „Das Gastgewerbe braucht Zuwanderung – nicht nur von Fachkräften, sondern auch von engagierten Arbeitskräften ohne formalen Berufsabschluss“. Es sei darum wichtig, Erwerbsmigration gezielt zu fördern und zu steuern, „ausschließlich auf formal qualifizierte Fachkräfte zu setzen, greift zu kurz.“ Die Branche stehe für Chancen und biete auch Menschen ohne Berufsabschluss oder mit geringen Deutschkenntnissen Entwicklungsmöglichkeiten: „So zählt das Gastgewerbe zu den Top 5-Branchen bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung Geflüchteter.“

Rubriklistenbild: © Deutsche Post AG

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