Grenzkontrollen im Fokus
Fast halbiert: Zahl der Asylanträge nach hartem Migrationskurs deutlich gesunken
Die Zahl der Asylanträge geht in Deutschland um 43 Prozent zurück: Im Zentrum der Debatte stehen die Grenzkontrollen und Spannungen mit Polen.
Berlin – Die Zahl der Asylanträge in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2025 nahezu um die Hälfte zurückgegangen. Konkret wurden zwischen dem 1. Januar und 30. Juni insgesamt 65.495 Asylanträge gestellt – was einem Rückgang von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitrum entspricht. So berichtet die Welt am Sonntag, und beruft sich auf unveröffentlichte Zahlen der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA).
Rückgang der Asylanträge 2025: Deutschland nicht mehr Spitzenreiter
Im Hinblick auf die Anzahl der Asylanträge im ersten Halbjahr verliert Deutschland erstmals seit Jahren einen Vorrang: Spanien (76.020 Anträge) und Frankreich (75.428 Anträge) überholten die Bundesrepublik. Dahinter liegen Italien (62.534 Anträge), Griechenland (27.718 Anträge) und Belgien (17.285 Anträge).
Auch der gesamte EU-Raum – einschließlich Norwegen und der Schweiz – verzeichnete zwischen Januar und Juni 2025 einen Rückgang von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 388.299 gestellte Asylanträge erreichten die europäische Gemeinschaft.
In der EU, stammten die meisten Schutzsuchenden aus Venezuela (48.413), Afghanistan (41.127) und Syrien (23.307). In Deutschland aus Afghanistan (22 Prozent), Syrien (20 Prozent) und der Türkei (elf Prozent). Die fünftgrößte Gruppe in Deutschland waren Antragsteller aus Russland (3,1 Prozent). Der signifikante Rückgang der Zahlen zeichnete sich bereits über die vergangenen Monate ab.
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Trotz rechtlicher Bedenken: Dobrindts harter Asylkurs
Die Welt am Sonntag fragte dazu die Migrationsexpertin und Abgeordnete im Europäischen Parlament, Lena Düpont (CDU) an. Düpont erklärt: „Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Zahlen sind – neben saisonalen Effekten und einer verstärkten Kooperation zwischen Drittstaaten und der EU-Grenzschutzbehörde Frontex – die Partnerschaftsabkommen mit wichtigen nordafrikanischen Ländern.“
Einen weiteren – viel diskutierten Aspekt – stellen Innenminister Dobrindts Grenzkontrollen dar: Wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur Afp erklärte, hätten diese insgesamt an den deutschen Grenzen im Zeitraum vom 8. Mai bis zum 29. Juni rund 330 Fällen Menschen mit geäußertem Asylbegehren abgewiesen.
Zoff wegen Grenzkontrollen: Polen reagiert auf Dobrindt-Kurs
Der Preis für die Zurückweisungen ist hoch: Zwischen Deutschland und Polen gibt es aktuell Spannungen wegen der rechtlich umstrittenen Grenzkontrollen, wie AFP berichtet. Polen teilte deswegen Anfang der Woche mit, ab Montag ebenfalls Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze durchzuführen. Die deutschen Kontrollen führen schon jetzt zu Behinderungen des grenzüberschreitenden Verkehrs. In Deutschland wurde nach der polnischen Ankündigung erneut Kritik am Vorgehen des Innenministers Alexander Dobrindts (CSU) laut. Erst am 2. Juni hatte das Verwaltungsgericht Berlin geurteilt, dass die Zurückweisung von drei Migranten an der Deutsch-Polnischen Grenze rechtswidrig gewesen sei.
Am 18. Juli plant Dobrindt auf dem Gipfel der Zugspitze ein Treffen mit Vertretern anderer EU-Nachbarländer zum Thema Migration. „Dabei wird es um eine Neuordnung der europäischen Migrationspolitik gehen“, erklärt ein Ministeriumssprecher am Freitag afp.
Entscheidung über Asylanträge von Menschen aus Syrien ausgesetzt
Zukünftig könnten die Zahlen noch weiter sinken: Obwohl Syrer in den vergangenen Monaten weiterhin Anträge in Deutschland stellen konnten, wurden diese in der Regel nicht entschieden – so berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte Entscheidungen über Asylanträge aus Syrien vorübergehend ausgesetzt. Eine Reaktion, auf die unübersichtliche Lage nach dem Sturz von Syriens Machthaber Baschar al-Assad Anfang Dezember.
Das Bamf traf nur in einigen Dutzend Fällen Entscheidungen – hauptsächlich in sicherheitsrelevanten Verfahren. Ein Bamf-Sprecher erklärt der dpa, dass „sicherheitsrelevante Verfahren im Einzelfall entschieden werden konnten“. Der Schutzstatus eines anerkannten Flüchtlings kann zudem widerrufen werden, wenn dieser wegen einer erheblichen Straftat verurteilt oder als sogenannter „Gefährder“ eingestuft wird. Anfang Mai hatte das Bamf die Anhörung syrischer Asylbewerber wieder aufgenommen.
Asylanträge 2026: Weniger Antragssteller aus Syrien erwartet
Ein Ziel des CSU-Bundesinnenministers Dobrindt ist die Wiederermöglichung von Abschiebungen nach Syrien. Syrische Antragssteller machen nach Angaben der EUAA die zweitgrößte Gruppe der Antragssteller aus.
Dobrindts Vorgängerin, Nancy Faeser (SPD), reiste in die syrische Hauptstadt Damaskus, um mit der Übergangsregierung darüber zu sprechen, wie dies zumindest für Straftäter und „Gefährder“ wieder ermöglicht werden könnte. (kox)
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