Interview zum Karriereende

Biathlon: „Würde den Fehler im Keim ersticken“ – Kühn über Rücktritt und Zukunftspläne

Biathlon: Johannes Kühn vom WSV Reit im Winkl beendete im April seine Karriere.
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Biathlon: Johannes Kühn vom WSV Reit im Winkl beendete im April seine Karriere.

Ende April hat Johannes Kühn seine Karriere im Biathlon beendet. Im Interview mit chiemgau24.de blickt er auf bewegende Jahre zurück, nennt seine Pläne für die Zukunft und verrät, welchen Fehler der Vergangenheit er gerne rückgängig gemacht hätte.

Im November 2011 gab Johannes Kühn sein Debüt auf der internationalen Bühne im Biathlon. 15 Jahre später hat der aus Tüßling stammende und in Ruhpolding wohnhafte Kühn seine spezielle Karriere beendet.

Der 34-Jährige war viele Jahre einer der stärksten Läufer des Feldes, schwankende Leistungen am Schießstand brachten ihn regelmäßig um bessere Resultate. Der vierfache Juniorenweltmeister lief fünfmal aufs Einzelpodest im Weltcup, dabei feierte er einen Sieg. Mit der Staffel stand er 15-mal auf dem Treppchen, 2025 gewann er bei der WM in der Schweiz die Bronzemedaille.

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Im Interview mit chiemgau24.de spricht der junge Familienvater über die Gründe seines Rücktritts, seine wechselhafte Karriere und einen folgenreichen Fehler zu Beginn seiner Laufbahn.

Herr Kühn, wie geht es in der Biathlon-Rente?

Johannes Kühn: Danke, es geht mir sehr gut. Ich genieße meine Freiheiten und verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie und Freunden. Das kam in den letzten Jahren deutlich zu kurz.

Was waren die Gründe für Ihren Rücktritt?

Kühn: Der Hauptgrund war die Erkenntnis, dass ich nicht mehr bereit war, so viel unterwegs zu sein und so viel in den Sport zu investieren, wie es früher der Fall war. Als junger Familienvater verschieben sich die Prioritäten. Ich habe gemerkt, dass mir die Abreise zu den Rennen oder zu den Trainingslagern immer schwerer gefallen ist. Ich erinnere mich gut, dass mir Arnd und Benni einst gesagt hatten, dass ich genau merken werde, wann der Zeitpunkt gekommen ist. Sie waren damals in der gleichen Situation wie ich es heute bin. Und was soll ich sagen, die beiden haben recht gehabt (lacht).

Wann ist die Entscheidung gefallen?

Kühn: Es war ein längerer Prozess und der Rücktritt letztlich eine Summe vieler Kleinigkeiten. Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, dass irgendwann Schluss ist. Wäre schon 2027 die WM in Hochfilzen gewesen, hätte ich es mir noch einmal überlegt. Aber da die WM an diesem für mich so besonderen Ort erst 2028 ist, fiel mir die Entscheidung nicht schwer.

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Wie blicken Sie auf ihre Karriere zurück?

Kühn: Ich bin in Summe zufrieden und dankbar dafür, wie meine Karriere verlaufen ist. Ich komme aus einer Region, die für den Wintersport eigentlich nicht prädestiniert ist. Als Kind und Jugendlicher mussten meine Eltern und viele ehrenamtliche Helfer viel investieren, um uns Kindern den Sport zu ermöglichen. Dass daraus über 200 Weltcuprennen, ein Einzelsieg und mehrere Podestplätze werden, ist alles andere als selbstverständlich. Entsprechend dankbar bin ich und blicke in Summe zufrieden auf meine Karriere zurück. Auch wenn mir klar ist, dass noch mehr möglich gewesen wäre.

Was war der Höhepunkt?

Kühn: Da stechen zwei Ereignisse ganz klar raus. Mein erster und einziger Weltcupsieg in Hochfilzen 2020 wird mir immer in Erinnerung bleiben und macht mich sehr stolz. Und dann ist da noch die Staffel-Medaille bei der WM 2025 in der Lenzerheide. Dass ich zum Ende meiner Karriere noch eine Medaille bei einem Großereignis gewinne, das mit meinen Teamkollegen teilen durfte, und dabei ein fehlerfreies Rennen absolviert habe, war sehr emotional und ist definitiv ein Highlight.

Können Sie einen klaren Tiefpunkt benennen?

Kühn: Dass ich den Sprint 2021 in Nove Mesto nach fünf Fehlern abgebrochen habe, zählt sicher nicht zu meinen schönsten Momenten und hat viel öffentliche Kritik nach sich gezogen. Das würde ich wohl nicht mehr so machen, lässt sich aber jetzt auch nicht mehr ändern. Insgesamt gab es neben den vielen guten Tagen auch einige schwere Phasen in meiner Karriere, die meist mit meinen Leistungen am Schießstand zusammenhingen. Diese Momente bleiben natürlich auch in Erinnerung, sie gehören zum Leistungssport aber dazu und sind sehr lehrreich.

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Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmal am Beginn Ihrer Karriere stünden?

Kühn: Zu Beginn meiner Profikarriere hat sich ein Fehler in meiner Atmung beim Stehendschießen eingeschlichen, der mir anschließend immer wieder Probleme gemacht hat und zu viel Arbeit geführt hat. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich genau dort ansetzen und den Fehler im Keim ersticken. Aber dafür ist es jetzt zu spät.

Was würden Sie wieder genauso machen, wie Sie es getan haben?

Kühn: Ich habe meinen Sport immer mit großer Freude betrieben und bin mir treu geblieben. Natürlich muss man als Profisportler auch kompromissbereit sein und sich ins Team integrieren. Das ist mir auch nie schwergefallen, aber grundsätzlich bin ich meist meinem Instinkt gefolgt und damit sehr gut gefahren.

Biathlon: Der B-Kader der deutschen Herren für die Saison 2026/27

Elias Seidl. Verein: SC Ruhpolding. Geb.: 29.08.2004; Lehrgangsgruppe 1b, Perspektivkader.
Lucas Fratzscher. Verein: WSV Oberhof. Geb.: 06.07.1994; Lehrgangsgruppe 1b, Perspektivkader.
Fabian Kaskel. Verein: SC Todtnau. Geb.: 26.11.2003; Lehrgangsgruppe 1b, Perspektivkader.
Franz Schaser. Verein: SV Hermsdorf. Geb.:  03.10.2002; Lehrgangsgruppe 1b, Perspektivkader.
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In den kommenden Jahren steht bei den deutschen Herren ein großer Umbruch an – Wie nah sind die jüngeren Athleten dran am Weltcupniveau?

Kühn: Das Potenzial ist definitiv vorhanden, ist auf diesem Niveau aber nur die Basis für alles andere. Das Niveau der Weltspitze ist unheimlich hoch und hat in den vergangenen Jahren noch deutlich zugelegt. Gerade bei den Herren ist der Mittelbau unter der absoluten Weltspitze unheimlich stark. Da braucht es viel Geduld, viel Trainingsfleiß und auch die nötige Toleranz, um mit Rückschlägen konstruktiv umzugehen. Der Weg an die Weltspitze ist verdammt hart und braucht viel Energie. Ich traue es unseren Jungs zu, bis dorthin wartet aber noch viel Arbeit auf sie.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Kühn: Ich war während meiner Karriere beim Zoll und strebe dort jetzt eine Laufbahn im gehobenen Dienst an. Ab September beginnt mein Duales Studium, das drei Jahre andauert und aus theoretischen und praktischen Elementen besteht. Ein Jahr werde ich meinen Bachelor of Law in Rostock oder Münster machen, danach geht es zum praktischen Teil zurück in die Heimat. (Quelle: chiemgau24.de, truf)

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