Ukrainische Strategie geht auf
Russlands Wirtschaft zunehmend unter Druck: Ukraine legt Moskauer Ölraffinerie lahm
Die Ukraine intensiviert ihre Drohnenangriffe auf russische Energie- und Rüstungsinfrastruktur. Putins Wirtschaft gerät dadurch zunehmend ins Wanken.
Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe auf russische Energie- und Rüstungsinfrastruktur in den vergangenen Tagen deutlich intensiviert. Nachdem die Moskauer Ölraffinerie infolge eines Großangriffs vom 17. Mai die Produktion vorübergehend eingestellt hatte, wurde in der Nacht zum 20. Mai erneut eine russische Chemiefabrik getroffen – bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenquellen.
Die Angriffe zeigen: Russlands Kriegswirtschaft gerät zunehmend unter Druck. Obwohl der Angriff nach Angaben der Quellen keinen substanziellen Schaden an der Ölraffinerie verursacht hatte, habe das Unternehmen Gazpromneft die Produktion aus Vorsicht gestoppt. Die Raffinerie befindet sich im Stadtbezirk Kapotnja im Südosten Moskaus, wo Bürgermeister Sergej Sobjanin zwölf Verletzte meldete.
Drohnen-Serie trifft Russlands Wirtschaft ins Mark – auch die Munitionsherstelung wird gehemmt
Der Angriff war laut dem ukrainischen Geheimdienst SBU eine gemeinsame Operation mit den ukrainischen Streitkräften. Ziel waren militärisch-industrielle Anlagen sowie Kraftstoffinfrastruktur in der Oblast Moskau. Es handelte sich nach Angaben des SBU um den größten ukrainischen Angriff auf die russische Hauptstadt seit mehr als einem Jahr. Die Moskauer Raffinerie ist ein bedeutender Standort der russischen Ölverarbeitung – im Jahr 2024 verarbeitete sie 11,6 Millionen Tonnen Rohöl.
Parallel dazu wurde in der Nacht zum 20. Mai erneut die Chemiefabrik Newinnomyssk Azot im südlichen Stawropol Krai angegriffen, wie russische Telegram-Kanäle berichteten. Die Anlage liegt rund 250 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und war bereits am 16. Mai Ziel eines ukrainischen Angriffs gewesen. Der Bürgermeister von Newinnomyssk, Michail Minenkov, bestätigte aktive Luftabwehr über der Stadt, Anwohner meldeten Explosionen und einen Brand. Welche Waffen eingesetzt wurden, blieb zunächst unklar; die ukrainische Armee äußerte sich nicht zu dem Vorfall.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Doch die Fabrik ist einer der größten russischen Produzenten von Mineraldüngern und Chemikalien. Der Kyiv Independent zufolge stellt sie jährlich bis zu eine Million Tonnen Ammoniak sowie mehr als eine Million Tonnen Ammoniumnitrat her – beides Ausgangsstoffe für die Herstellung von Sprengstoff und Artilleriegranaten. Der jüngste Angriff war nach Angaben des Kyiv Independent mindestens der siebte auf die Anlage seit Beginn des Ukraine-Kriegs; frühere Treffer wurden im Januar und März 2026 sowie mehrfach im Jahr 2025 gemeldet.
Drohnenstrategie der Ukraine zeigt zunehmend Wirkung
Die Häufung der Angriffe ist kein Zufall. Die Ukraine setzt zunehmend auf selbst entwickelte Langstreckendrohnen, um Ziele tief im russischen Hinterland zu treffen – darunter Ölraffinerien, Logistikzentren und Rüstungsbetriebe. Laut Bloomberg-Daten erreichten die ukrainischen Angriffe auf russische Ölinfrastruktur im April 2026 mit mindestens 21 dokumentierten Treffern auf Raffinerien, Pipelines und Ölanlagen auf See einen Vier-Monats-Höchststand.
Die Schläge reduzierten Russlands durchschnittliche Raffineriekapazität auf 4,69 Millionen Barrel pro Tag – den niedrigsten Stand seit Dezember 2009. Reuters berichtete, dass ukrainische Drohnenangriffe, Pipelineschäden und Tankerbeschlagnahmungen zusammen rund 40 Prozent von Russlands Ölexportkapazität lahmgelegt hätten – die schlimmste Störung der Ölversorgung in der modernen russischen Geschichte.
Im Mai setzte sich die Serie nahtlos fort: Neben den Angriffen auf Moskau und Newinnomyssk wurden am 18. und 19. Mai eine Lukoil-Raffinerie in der Oblast Nischni Nowgorod sowie eine Ölpumpstation in der Oblast Jaroslawl getroffen.
Folgen für Russland sind spürbar: Putins Kriegskasse wird von Ölexporten gefüllt
Die Folgen sind spürbar: Temporäre Produktionsstopps in russischen Raffinerien häufen sich, da Betreiber nach Angriffen aus Sicherheitsgründen die Produktion unterbrechen. Da Russlands Öleinnahmen einen wesentlichen Teil der Kriegsfinanzierung ausmachen, trifft jeder Ausfall die Kriegswirtschaft des Kremls unmittelbar. Zudem wird die Treibstoffversorgung der russischen Armee erschwert.
Die Drohnenangriffe treffen Russlands Wirtschaft in einem bereits geschwächten Zustand. Putin musste auf einer Regierungssitzung einräumen, dass das Bruttoinlandsprodukt in den ersten zwei Monaten 2026 um 1,8 Prozent zurückgegangen sei. Hinzu kommt ein Rekorddefizit im ersten Quartal 2026 von rund 50 Milliarden Euro – 21 Prozent höher als für das gesamte Jahr geplant.
Öl- und Gaseinnahmen fielen 2025 um rund 24 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2020; die fossilen Exporterlöse lagen bis Februar 2026 rund 27 Prozent unter dem Vorkriegsniveau. Der Ökonom Dmitri Nekrassow beschrieb gegenüber dem Portal Meduza, dass die Front „wie ein Staubsauger“ Arbeitskräfte aus dem Wirtschaftskreislauf abziehe. (Quellen: Kyiv Independent, Reuters, Bloomberg, dpa, Meduza, frühere Berichterstattung) (nak)
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