Ukrainische Strategie geht auf

Russlands Wirtschaft zunehmend unter Druck: Ukraine legt Moskauer Ölraffinerie lahm

Die Ukraine intensiviert ihre Drohnenangriffe auf russische Energie- und Rüstungsinfrastruktur. Putins Wirtschaft gerät dadurch zunehmend ins Wanken.

Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe auf russische Energie- und Rüstungsinfrastruktur in den vergangenen Tagen deutlich intensiviert. Nachdem die Moskauer Ölraffinerie infolge eines Großangriffs vom 17. Mai die Produktion vorübergehend eingestellt hatte, wurde in der Nacht zum 20. Mai erneut eine russische Chemiefabrik getroffen – bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenquellen.

Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien und Fabriken häufen sich. In diesem Bild aus einem Video, das vom Telegram-Kanal des Gouverneurs der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, veröffentlicht wurde, steigt Rauch auf nach einem Drohnenangriff auf die Ölraffinerie und das Ölterminal in Tuapse. Der Angriff erfolgte Ende April 2026.

Die Angriffe zeigen: Russlands Kriegswirtschaft gerät zunehmend unter Druck. Obwohl der Angriff nach Angaben der Quellen keinen substanziellen Schaden an der Ölraffinerie verursacht hatte, habe das Unternehmen Gazpromneft die Produktion aus Vorsicht gestoppt. Die Raffinerie befindet sich im Stadtbezirk Kapotnja im Südosten Moskaus, wo Bürgermeister Sergej Sobjanin zwölf Verletzte meldete.

Drohnen-Serie trifft Russlands Wirtschaft ins Mark – auch die Munitionsherstelung wird gehemmt

Der Angriff war laut dem ukrainischen Geheimdienst SBU eine gemeinsame Operation mit den ukrainischen Streitkräften. Ziel waren militärisch-industrielle Anlagen sowie Kraftstoffinfrastruktur in der Oblast Moskau. Es handelte sich nach Angaben des SBU um den größten ukrainischen Angriff auf die russische Hauptstadt seit mehr als einem Jahr. Die Moskauer Raffinerie ist ein bedeutender Standort der russischen Ölverarbeitung – im Jahr 2024 verarbeitete sie 11,6 Millionen Tonnen Rohöl.

Parallel dazu wurde in der Nacht zum 20. Mai erneut die Chemiefabrik Newinnomyssk Azot im südlichen Stawropol Krai angegriffen, wie russische Telegram-Kanäle berichteten. Die Anlage liegt rund 250 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und war bereits am 16. Mai Ziel eines ukrainischen Angriffs gewesen. Der Bürgermeister von Newinnomyssk, Michail Minenkov, bestätigte aktive Luftabwehr über der Stadt, Anwohner meldeten Explosionen und einen Brand. Welche Waffen eingesetzt wurden, blieb zunächst unklar; die ukrainische Armee äußerte sich nicht zu dem Vorfall.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Doch die Fabrik ist einer der größten russischen Produzenten von Mineraldüngern und Chemikalien. Der Kyiv Independent zufolge stellt sie jährlich bis zu eine Million Tonnen Ammoniak sowie mehr als eine Million Tonnen Ammoniumnitrat her – beides Ausgangsstoffe für die Herstellung von Sprengstoff und Artilleriegranaten. Der jüngste Angriff war nach Angaben des Kyiv Independent mindestens der siebte auf die Anlage seit Beginn des Ukraine-Kriegs; frühere Treffer wurden im Januar und März 2026 sowie mehrfach im Jahr 2025 gemeldet.

Drohnenstrategie der Ukraine zeigt zunehmend Wirkung

Die Häufung der Angriffe ist kein Zufall. Die Ukraine setzt zunehmend auf selbst entwickelte Langstreckendrohnen, um Ziele tief im russischen Hinterland zu treffen – darunter Ölraffinerien, Logistikzentren und Rüstungsbetriebe. Laut Bloomberg-Daten erreichten die ukrainischen Angriffe auf russische Ölinfrastruktur im April 2026 mit mindestens 21 dokumentierten Treffern auf Raffinerien, Pipelines und Ölanlagen auf See einen Vier-Monats-Höchststand.

Die Schläge reduzierten Russlands durchschnittliche Raffineriekapazität auf 4,69 Millionen Barrel pro Tag – den niedrigsten Stand seit Dezember 2009. Reuters berichtete, dass ukrainische Drohnenangriffe, Pipelineschäden und Tankerbeschlagnahmungen zusammen rund 40 Prozent von Russlands Ölexportkapazität lahmgelegt hätten – die schlimmste Störung der Ölversorgung in der modernen russischen Geschichte.

Im Mai setzte sich die Serie nahtlos fort: Neben den Angriffen auf Moskau und Newinnomyssk wurden am 18. und 19. Mai eine Lukoil-Raffinerie in der Oblast Nischni Nowgorod sowie eine Ölpumpstation in der Oblast Jaroslawl getroffen.

Folgen für Russland sind spürbar: Putins Kriegskasse wird von Ölexporten gefüllt

Die Folgen sind spürbar: Temporäre Produktionsstopps in russischen Raffinerien häufen sich, da Betreiber nach Angriffen aus Sicherheitsgründen die Produktion unterbrechen. Da Russlands Öleinnahmen einen wesentlichen Teil der Kriegsfinanzierung ausmachen, trifft jeder Ausfall die Kriegswirtschaft des Kremls unmittelbar. Zudem wird die Treibstoffversorgung der russischen Armee erschwert.

Die Drohnenangriffe treffen Russlands Wirtschaft in einem bereits geschwächten Zustand. Putin musste auf einer Regierungssitzung einräumen, dass das Bruttoinlandsprodukt in den ersten zwei Monaten 2026 um 1,8 Prozent zurückgegangen sei. Hinzu kommt ein Rekorddefizit im ersten Quartal 2026 von rund 50 Milliarden Euro – 21 Prozent höher als für das gesamte Jahr geplant.

Öl- und Gaseinnahmen fielen 2025 um rund 24 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2020; die fossilen Exporterlöse lagen bis Februar 2026 rund 27 Prozent unter dem Vorkriegsniveau. Der Ökonom Dmitri Nekrassow beschrieb gegenüber dem Portal Meduza, dass die Front „wie ein Staubsauger“ Arbeitskräfte aus dem Wirtschaftskreislauf abziehe. (Quellen: Kyiv Independent, Reuters, Bloomberg, dpa, Meduza, frühere Berichterstattung) (nak)

Rubriklistenbild: © dpa/Krasnodar regional governor Veniamin Kondratyev Telegram channel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare