Ukraine-Krieg

„Der Krieg kehrt in den Heimathafen zurück“ – Selenskyj droht Russlands Wirtschaft mit Dauerbeschuss

Kiew nimmt weiter Russlands Wirtschaft ins Visier. Der Krieg werde in seine russische Heimat zurückgebracht, sagt Präsident Selenskyj.

Kiew setzt Russlands Wirtschaft im Ukraine-Krieg immer mehr unter Druck. Jüngstes Beispiel ist der massive Drohnenangriff auf Moskau. Es handele sich um die Reaktion des Landes auf den andauernden russischen Angriffskrieg, teilte Wolodymyr Selenskyj auf Telegram mit. Der Krieg kehre damit „in seinen Heimathafen“ nach Russland zurück.

Moskau und die Hauptstadtregion haben am 17. Mai einen der heftigsten Drohnenangriffe im Ukraine-Krieg erlebt.

„Die Konzentration der russischen Luftabwehr in der Region Moskau ist am größten. Aber wir überwinden sie“, erklärte der ukrainische Präsident weiter. Die ukrainischen weitreichenden Drohnen hätten Ziele in 500 Kilometer Entfernung von der Staatsgrenze der Ukraine erreicht. „Wir sagen den Russen ganz klar: Ihr Staat muss diesen Krieg beenden“, betonte Selenskyj. „Die ukrainischen Hersteller von Drohnen und Raketen setzen ihre Arbeit fort.“

Ukraine nimmt Russlands Wirtschaft ins Visier: Angriff auf Moskau trifft Raffinerie und Flugfeld

Mehr als 1000 Drohnen flogen in der Angriffsnacht Richtung Moskau. Laut dem ukrainischen Geheimdienst SBU wurden 1054 Drohnen, acht gelenkte Fliegerbomben sowie zwei neu entwickelte ukrainische Raketen eingesetzt. Ziele waren militärisch-industrielle Anlagen und Kraftstoffinfrastruktur in der Region Moskau – darunter die Moskauer Ölraffinerie – sowie das Militärflugfeld Belbek auf der besetzten Krim.

Selenskyj wertete den Angriff auf Moskau als militärischen Erfolg und politisches Signal zugleich. Die Drohnenangriffe auf Industrieanlagen nannte er „Langstreckensanktionen“. Weiter schrieb er auf X: „Unsere Reaktionen auf die Verlängerung des Krieges durch Russland und dessen Angriffe auf unsere Städte und Gemeinden sind völlig gerechtfertigt.“ Russische Behörden bestätigten Schäden an Wohngebäuden und meldeten laut Kyiv Independent mindestens drei Todesopfer.

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Selenskyj dankt Militär und Geheimdienst für Schläge gegen Russlands Wirtschaft

Bei den Schlägen gegen russische Ziele arbeiten der ukrainische Geheimdienst und das Militär oft zusammen. Auch nach dem Angriff auf Moskau dankte Selenskyj dem SBU und den Streitkräften – und kündigte an, weitere Schläge gegen Russlands Wirtschaft zu führen. Die russische Führung sollte sich Gedanken machen „über ihre eigenen Raffinerien, ihre Ölförderanlagen und ihre Unternehmen – und nicht darüber, wie sie das Leben anderer Völker zerstören können“.

Selenskyj sieht in den Angriffen in der Tat mehr als einen einmaligen Schlag – er deutet sie als Zeichen einer strategischen Kehrtwende. In seiner Videoansprache vom 17. Mai erklärte er: „Viele westliche Partner signalisieren nun, dass sie sehen, was passiert und wie sich alles verändert hat – sowohl in der Haltung gegenüber diesem Krieg als auch in der Erreichbarkeit russischer Ziele auf russischem Territorium.“

Russlands Wirtschaft unter Dauerfeuer: Drohnenbilanz einer Woche

Der Angriff auf Moskau ist kein Einzelereignis, sondern Teil einer intensivierten ukrainischen Kampagne. Laut der russischen staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti schoss Russland in der vergangenen Woche insgesamt 3124 ukrainische Drohnen über russischem Territorium und den besetzten Gebieten ab – Angaben, die unabhängig nicht verifiziert werden können.

Die ukrainischen Hersteller von Drohnen und Raketen setzen ihre Arbeit fort.

Wolodymyr Selenskyj

Allein am 13. Mai wurden demnach 572 Drohnen abgefangen, die laut russischen Berichten hauptsächlich Öl- und Gasanlagen ansteuerten. Die Ukraine intensiviert die Frequenz und Stärke ihrer Tiefschläge, um Druck auf Russlands militärisch-industriellen Komplex auszuüben und Moskau an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Russlands Vergeltung – und ein diplomatisches Signal

Russland antwortete seinerseits mit Angriffen: In der Nacht auf den 18. Mai trafen Drohnen und Raketen Wohngebäude in mehreren ukrainischen Regionen. Mindestens 20 Personen wurden verletzt, darunter zwei Kinder. Parallel dazu sendete der Kreml ein ungewöhnliches diplomatisches Signal: Kreml-Sprecher Dmitry Peskow erklärte am 17. Mai, Moskau sei daran interessiert, den Dialog mit Europa wiederherzustellen – ein Schritt, der auch als mögliche Reaktion auf den wachsenden Druck auf Russlands Wirtschaft gewertet werden kann. (Quellen: Kyiv Independent, RIA, dpa) (cs)

Rubriklistenbild: © AFP

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