Weißes Haus gegen Vatikan

Vance warnt Papst Leo: „Du musst vorsichtig sein, wenn du über Theologie sprichst“

US-Vizepräsident JD Vance hat sich bei einem Auftritt in Georgia mit dem Papst angelegt.
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US-Vizepräsident JD Vance hat sich bei einem Auftritt in Georgia mit dem Papst angelegt.

JD Vance mischt sich in den Streit zwischen Trump und dem Papst ein. Der Vizepräsident, bekennender Katholik, kritisiert das eigene Kirchenoberhaupt.

US-Vizepräsident J. D. Vance hat dem Papst Ratschläge in Glaubensfragen erteilt. Der gläubige Katholik wandte sich bei einem Auftritt an der Universität von Georgia in der Stadt Athens öffentlich gegen Papst Leo XIV. Vance warnte das Kirchenoberhaupt und den Stellvertreter Christi auf Erden, wenn er sich über die Auslegung der Gotteslehre äußere. Der Stellvertreter von US-Präsident Donald Trump reagierte damit auf den andauernden Streit seines Vorgesetzten mit dem Papst.

Vances Auftritt in Georgia fand im Rahmen einer Veranstaltung von Turning Point USA statt, der Organisation, die der vergangenes Jahr ermordete politische und religiöse Aktivist Charlie Kirk gegründet hatte. Wörtlich sagte der Republikaner über den Papst: „Also erstens: Der Papst sagt, dass Gott niemals auf der Seite derer steht, die das Schwert führen. Aber es gibt eine mehr als tausendjährige Tradition der Theorie vom gerechten Krieg, okay? Nun können wir uns natürlich darüber uneinig sein, ob dieser oder jener Konflikt gerecht ist. Aber ich denke, wie es für den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten wichtig ist, vorsichtig zu sein, wenn er über Fragen der öffentlichen Politik spricht, ist es sehr, sehr wichtig, dass der Papst vorsichtig ist, wenn er über theologische Fragen spricht.“

JD Vance kritisiert den Papst: Konflikt zwischen Trump-Regierung und dem Vatikan geht weiter

Trumps Vize, der 2019 zum Katholizismus konvertierte, legte im Anschluss nach und betonte seine Kritik am Papst. „Ich glaube, eines der Probleme dabei ist: Wenn man sich zu theologischen Fragen äußert, muss man vorsichtig sein und darauf achten, dass die eigenen Aussagen in der Wahrheit verankert sind“, sagte Vance vor den Studierenden.

Anlass für die harsche Kritik am Papst bot sich Vance im seit Wochen lodernden Konflikt zwischen Trump und Papst Leo XIV. Der Papst hatte sich während des laufenden Iran-Kriegs auf X zu Wort gemeldet. „Gott segnet keinen Konflikt. Wer ein Jünger Christi, des Friedensfürsten, ist, steht niemals auf der Seite derer, die einst das Schwert schwangen und heute Bomben abwerfen“, schrieb das Oberhaupt der Katholiken auf X. Trump reagierte mit Angriff. Er beschimpfte den Papst als „schwach“, der nur dank Trump an die Macht gekommen sei. „Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan“, schrieb Trump auf Truth Social. Selbst konservative Kirchenvertreter reagierten schockiert. US-Bischof Robert Barron, einer der letzten Gefolgsleute des Präsidenten in der katholischen Kirche, forderte den US-Präsidenten zu einer Entschuldigung auf.

Vance greift den Papst an – und wirbt nebenbei für sein Buch

Ob Vance mit seiner Kritik am Papst recht hat, darüber wird weiter gestritten. Ebenso werfen die Worte des überzeugten Katholiken die Frage auf, ob er damit eine Sünde begangen hat. In der katholischen Lehre gilt der Papst als Nachfolger Petri und höchste Lehrautorität der Kirche. Die erlaubt zwar Kritik an Entscheidungen des Vatikans und auch am Papst. Ihm aber in Fragen der Theologie öffentlich Fehler vorzuwerfen, ist eine andere Sache und könnte Vance als Bruch mit der Autorität der katholischen Kirche in Glaubensfragen ausgelegt werden. Das wiederum gilt als Häresie und damit als schwere Sünde. Nach dem erneuten Disput zwischen Pontifex und Vizepräsident wird in Reddit-Foren bereits diskutiert, ob der Papst Vance nun exkommunizieren könnte.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Vance mit seinen persönlichen theologischen Auslegungen für Aufsehen sorgte. Vor der Wahl von Papst Leo XIV. stellte der Vizepräsident eine hierarchische Rangfolge der Nächstenliebe auf: Familie, Nation, dann der Rest der Welt. Die Tagesschau lieferte die knappe Antwort des späteren Papstes: „JD Vance liegt falsch.“ Am Montag vor dem Auftritt bei Turning Point USA hatte sich Trumps Vertreter über den Papst geäußert. Im Interview bei Fox News empfahl Vance dem Kirchenoberhaupt: „Beschränken Sie sich auf Themen, die, na ja, das Geschehen in der katholischen Kirche betreffen.“

US-Präsident Donald Trump schürte den Konflikt zwischenzeitlich auf seine Weise, indem er sich in sozialen Medien als Jesus Christus inszenierte und von seiner spirituellen Beraterin im Weißen Haus mit dem Heiland selbst vergleichen ließ. Sogar Trumps Grenzschutzbeauftragter Tom Homan, der sich in seinem Buch als regelmäßiger Kirchgänger und „sehr katholisch“ beschreibt, schaltete sich ein. Im Interview mit dem rechstextremen TV-Sender Newsmax nannte Homan die Äußerungen des Papstes bezüglich der Migrationspolitik der USA „inakzeptabel“ und sagte in Richtung der Führung des Vatikans: „Ich wünschte, Sie würden sich hinsetzen und mich Ihnen die Sache erklären lassen“.

Gedenken an Charlie Kirk mit Trump und Co.: die Trauerfeier in Bildern

Die Utah Valley Universität, Tatort des Attentats auf Kirk
Bereits im Morgengrauen sammelte sich die MAGA-Bewegung rund um das Stadion in Arizona, in dem die gigantische Trauerfeier für Charlie Kirk am Vormittag starten sollte.
Das Stadion selbst war zu Beginn der Trauerfeier von Charlie Kirk bis auf den letzten Platz besetzt.
Verteidigungsminister Pete Hegseth
Gedenken an Charlie Kirk mit Trump und Co.: die Trauerfeier in Bildern

Ausgerechnet im Juni soll dann auch noch das neue Buch von JD Vance auf den Markt kommen. Der Titel: „Kommunion“. Amerikas Vizepräsident will darin über seinen Glauben als Katholik berichten und machte in Athens fleißig Werbung dafür. Die hörten aber nur wenige Leute. Laut eines Berichts von Newsweek fand der Auftritt des Vizepräsidenten vor einem sehr überschaubaren Publikum statt. Gerade mal 25 Prozent der 8500 Plätze in der Akins Ford Arena seien besetzt gewesen. Politik-Kommentatorin und linksliberale Kolumnistin Molly Jong-Fast spottete auf X: „Die Demütigungstour von JD Vance geht weiter.“ (Verwendete Quellen: New York Times, Tagesschau, Fox News, eigene Recherche) (dil)

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