Nach Aufregung um Video

Umfrage vor Irland-Wahl: Regierungspartei fällt dramatisch zurück

Kurz vor der Parlamentswahl in Irland sorgt eine neue Umfrage für Aufregung bei der Regierungspartei. Zuvor gab es einen Vorfall mit Premier Harris.

Dublin – Es galt eigentlich schon fast als ausgemacht, welche Partei aus den Parlamentswahlen in Irland (29. November) voraussichtlich als stärkste Kraft hervorgehen wird: die liberal-konservative Fine Gael rund um Premierminister Simon Harris. Eine aktuelle Umfrage der Irish Times zeigt jedoch ein weniger eindeutiges Bild. Demnach rutscht die Fine Gael um sechs Prozentpunkte auf 19 Prozent ab. Damit liegt sie lediglich auf Platz drei, knapp hinter der ebenfalls bürgerlichen Fianna Fáil mit 21 sowie der links-nationalen Sinn Féin mit 20 Prozent.

Mit Blick auf dieses enge Kopf-an-Kopf-Rennen dürfte die Parlamentswahl in Irland womöglich noch einmal spannend werden. Daran hat wohl auch ausgerechnet Premierminister Harris einen Anteil. In Anlehnung an den Vornamen des Premierministers ist sogar vom „Simon slump“ die Rede, also dem Simon-Einbruch bei den Umfragewerten. Harris hatte sich mehrere Fehltritte geleistet – zuletzt sorgte er mit einem Video für Aufsehen.

Der irische Premierminister Simon Harris (Fine Gael) versucht nach einem Vorfall die Gunst der Wähler zurückzugewinnen.

Vor Wahlen: Video sorgt für schlechte Umfragewerte für Partei von Irlands Premierminister

Das Video dokumentiert eine Begegnung von Harris mit der Sozialarbeiterin Charlotte Fallon, die für das irische Hilfswerk St. Joseph's Foundation tätig ist, vom 22. November. Als der Premierminister, der in Irland Taoiseach genannt wird, ein Geschäft verlassen wollte, drehte sich Fallon zu ihm. Sie beschwerte sich bei ihm, dass seine Regierung nicht genug für Gemeindearbeiter wie sie selbst tue, die Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung erbringen. Wörtlich sagte sie ihm: „Sie haben nichts für uns getan. Unsere Leute leiden“.

Harris wies die Anschuldigungen der sichtlich aufgelösten Frau in einem abweisenden Tonfall zurück, reichte Fallon hastig die Hand und schien kurz noch zu versuchen, das Gespräch zu seinen Gunsten zu wenden. Dann kehrte er ihr jedoch schnell den Rücken zu und ließ sie für einen Fototermin vor dem Geschäft zurück. Innerhalb kurzer Zeit ging der Clip viral, er wurde millionenfach aufgerufen.

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Irlands Premierminister entschuldigte sich bei Sozialarbeiterin

Kurz nach dem Vorfall entschuldigte sich Harris in den sozialen Medien für sein Verhalten. Auf seinem Instagram-Acount sagte er in einem Video über die Begegnung mit Charlotte Fallon: „Ich habe ihr nicht die Zeit gegeben, die ich ihr hätte geben sollen, und das tut mir wirklich leid. So bin ich nicht“. Auch wies er auf eine Vergangenheit als Aktivist hin sowie darauf, Bruder eines Menschen mit Autismus zu sein.

Anschließend rief er Fallon an, um sich bei ihr persönlich zu entschuldigen. Nach dem Anruf erzählte diese der Irish Times, dass sie immer noch erschüttert sei von Harris‘ Behandlung ihr gegenüber. „Ich hoffe, dass niemand sonst jemals eine solche Begegnung haben muss, denn es ist nicht sehr schön, weinend nach Hause zu gehen“, so die Mitarbeiterin des Hilfswerks gegenüber der Zeitung. (grmo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/CNP/AdMedia

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