Polit-Skandal in Irland
Harris unter Beschuss: Misstritt könnte ihm die Wahl in Irland verderben
Irlands Premierminister Simon Harris steht im Zentrum eines Skandals. Sein Verhalten gegenüber Hilfswerk-Mitarbeiterin könnte ihm die Wahl kosten.
Dublin – Der irische Premierminister, auch Taoiseac genannt, Simon Harris musste sich bei einer Mitarbeiterin des Behindertenhilfswerks dafür entschuldigen, dass er sie abweisend behandelt hatte. Angesichts der anstehenden National-Wahlen, könnte der Skandal Harris teuer zu stehen kommen.
Derzeit reist Harris reist kreuz und quer durch das Land, um Wahlkampf für seine bürgerlich-liberale Partei Fine Gael zu machen. Sollte es ihm gelingen, sie bei der Wahl am 29. November für eine vierte Amtszeit in Folge an der Macht zu halten, würde das einen Parteirekord bedeuten. Doch sein schroffer Umgang mit Charlotte Fallon, die für das irische Hilfswerk St. Joseph’s Foundation arbeitet, könnte seine Partei den Schwung und den frühen Vorsprung in den Umfragen kosten.
Irische Regierungspartei in der Krise: Vorwürfe einer Behindertenhilfe-Mitarbeiterin sorgen für Aufruhr
Harris hatte Fallon am Freitagabend (22. November) getroffen, nachdem er von Dublin quer durchs Land und schließlich zum Supermarkt Supervalu in der 2.800-Einwohner-Stadt Kanturk gefahren war. Als der Taoiseach das Geschäft verlassen wollte, drehte sich Fallon zu ihm um und monierte, dass seine Regierung nicht genug für Gemeindearbeiter wie sie selbst tue, die Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung erbringen. „Sie haben nichts für uns getan. Unsere Leute leiden“, so ihre Worte.
Rasch und mit deutlichen Worten wies der irische Premier die Anschuldigungen der Frau zurück. Er reichte ihr hastig die Hand und unternahm dann einen kurzen letzten Versuch, die Auseinandersetzung zu gewinnen, bevor er sich zu einem Fototermin mit Fine-Gael-Anhängern nach draußen begab – was sich später als größtes PR-Eigentor seiner Kampagne herausstellen sollte.
Die irische Opposition wittert ihre Chance: Harris verteidigt sich mit persönlicher Erklärung
Zwar war von dem Vorfall in der Videomontage von Harris Social-Media-Team nichts zu sehen. Doch der Wortwechsel zwischen Harris und der verzweifelten Fallon wurde vom staatlichen Sender RTÉ auf Video festgehalten und avancierte landesweit schnell zum Top-Thema in den sozialen Medien. Angeführt von der links-nationalistischen Sinn Féin griffen Oppositionsparteien das Verhalten des Premiers als Beispiel der angeblichen gefühllosen Missachtung der Bedürftigen und Ausgegrenzten durch Fine Gael an.
Um den Schaden zu begrenzen, gab Harris zunächst eine zerknirschte, weitgehend sich selbst rechtfertigende Erklärung auf seinem Instagram-Account ab. „Ich habe ihr nicht die Zeit gegeben, die ich ihr hätte geben sollen, und das tut mir wirklich leid. So bin ich nicht“, so der Taoiseach in dem Video, in der er seine politische Herkunft als Aktivist und Bruder eines Menschen mit Autismus hervorhob.
Irlands Wahlkampf am Wendepunkt: Umfragewerte brechen nach skandalösem Vorfall drastisch ein
Anschließend rief er Fallon an, um sich direkt zu entschuldigen, und verpflichtete sich, sie erneut persönlich zu treffen, um sich ihre Beschwerden im Detail anzuhören. Nach dem Anruf berichtete Fallon der Irish Times, dass sie immer noch erschüttert sei von Harris‘ „schrecklicher“ Behandlung ihr gegenüber. „Ich hoffe, dass niemand sonst jemals eine solche Begegnung haben muss, denn es ist nicht sehr schön, weinend nach Hause zu gehen“, so die Mitarbeiterin des Hilfswerks gegenüber dem Blatt.
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Harris‘ Fehltritt kommt kurz vor der entscheidenden Schlussphase eines dreiwöchigen Wahlkampfs in dem EU-Land. Laut der jüngsten Umfrage ist die Unterstützung für Fine Gael sechs Tage vor den Parlamentswahlen um sechs Prozentpunkte gesunken. Die Partei des Premierministers liegt nun sowohl hinter der liberal-konservativen Partei Fianna Fail als auch hinter Sinn Fein, wie aus der Umfrage von Ipsos B&A hervorgeht. Fianna Fail liegt demnach mit 21 Prozent an der Spitze – zwei Punkte mehr als in der letzten Umfrage vor zwei Wochen. Sinn Fein liegt bei 20 Prozent, einem Prozentpunkt mehr als zuvor. Gleichzeitig ist Harris‘ persönliche Beliebtheit von 50 auf 46 Prozent gesunken. (tpn)
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