Orban rechnet mit Wahlsieg
Geleaktes Gespräch: „Putins Maus“ Orbán gerät unter Druck - und lenkt auf Opposition
Orbán ist durch ein geleaktes Telefonat mit Putin unter Zugzwang. Doch Ungarns Premier blockt ab – und lenkt auf eine angebliche Verschwörung.
Für den amtierenden ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán könnte die Ungarn-Wahl 2026 eine Niederlage bedeuten. In Umfragen liegt die Oppositionspartei Tisza klar vor Orbáns Partei Fidesz. Ein geleaktes Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin drängt den Ministerpräsidenten nun noch mehr in die Enge.
In dem Gespräch nutzt Orbán laut dem Bericht von Bloomberg eine bekannte Fabel, um seine Freundschaft zu Putin zu verdeutlichen. Ungarn sei die „Maus“, die dem Löwen hilft, aus einem Netz zu fliehen, nachdem der Löwe sie vorher verschont hat. Orbán behauptete laut Bloomberg, er würde das Gleiche zu dem US-Präsidenten Donald Trump sagen. „Auf die Größe kommt es an“, so der Ministerpräsident. Das Gespräch fand offenbar bereits im Oktober statt, Bloomberg berichtete darüber am Dienstag (7. April).
Orbán spielt geleaktes Putin-Gespräch vor der Ungarn-Wahl herunter: „Nichts Besonderes“
Auch im Interview in der ungarischen Sendung „Blikk Talk“ wies Orbán Verwunderung über und Kritik an seinen Aussagen zurück. Beziehung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin „nichts Besonderes“, hieß es laut der Ukrainska Pravda. Man pflege zu vielen Staats- und Regierungsoberhäuptern Beziehungen und mit einigen von denen nenne man sich „Freunde“. „Ich würde da nichts hineininterpretieren“, so Orbán laut der ungarischen Nachrichtenseite Index.
Der Frage, wie er bei der Veröffentlichung eines ähnlichen Gesprächs zwischen dem Oppositionsspitzenkandidaten Péter Magyar und EVP-Chef Manfred Weber (CSU) reagieren würde, wich Orbán aus. Man höre politische Gegner nicht ab. Er hoffe, dass der Geheimdienst erforsche, wie das Transkript des Putin-Telefonats an die Öffentlichkeit gelangte.
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Laut Bloomberg sei Grund des Telefonats eine Absprache zu einem Treffen zwischen den USA und Russland gewesen, bei dem Ungarn als Gastgeberland-Option im Raum stand. Orbán eröffnete das Telefonat wohl mit Geburtstagsgrüßen an Putin. Später erkundigten sich beide Männer auch nach der Gesundheit des anderen.
„Chaos, Druck und eine internationale Dämonisierung“: Orbán wittert vor Ungarn-Wahl Verschwörung
Eine Anschuldigung der politischen Opposition bezüglich des geleakten Telefonats äußerte Orbán bisher nicht. Im Rahmen verschwörungstheoretischer Erzählungen kurz vor der Ungarn-Wahl stellt das eher eine Ausnahme dar. Erst kürzlich warf Orbán seinen politischen Gegnern laut der AFP vor, „Chaos, Druck und eine internationale Dämonisierung zu nutzen, um die Entscheidung des ungarischen Volkes infragezustellen“. Dafür würden diese Personen auch mit ausländischen Geheimdiensten zusammenarbeiten, behauptete Orbán.
Sie „verschwören sich mit ausländischen Geheimdiensten und schrecken vor nichts zurück“. Das Ziel sei, „die Macht an sich zu reißen“, ergänzte der ungarische Ministerpräsident. Zu den Mitteln zählten laut Orbán „frei erfundene“ Vorwürfe des Wahlbetrugs, „vorab organisierte Demonstrationen“ noch vor Beginn der Auszählung und „Gewaltandrohungen“ gegen seine Anhänger.
Debatte um Wahlbeeinflussung vor der Ungarn-Wahl: JD Vance brachte mit Besuch Ball ins Rollen
Erst am Freitag (10. April) betonte Orbán erneut seine Haltung gegen ausländische Wahlbeeinflussung. Die Debatte diesbezüglich hatte schnell an Fahrt aufgenommen, nachdem JD Vance bei seinem Ungarn-Besuch der EU-Kommission Wahlbeeinflussung vorwarf. Deutschland reagierte und forderte die USA auf, sich an die eigene Nase zu fassen. Vance hatte, Trump telefonisch dazugeschaltet, in Ungarn an einer Wahlkampfveranstaltung von Orbán teilgenommen.
Später sprach Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social eine klare Wahlempfehlung für den ungarischen Ministerpräsidenten aus: „Geht wählen und stimmt für Orbán“. Der Oppositionskandidat Maygar hatte vor einer Einmischung der US-Regierung gewarnt. Sie unterstützt nicht erst seit gestern Rechtsaußen-Politiker in Europa, darunter auch die AfD in Deutschland.
Trotz Vorsprung von Magyars Tisza in Umfragen: Orbán könnte Ungarn-Wahl 2026 auf viele Wege gewinnen
Trotz klarem Vorsprung der Tisza in Umfragen bleibt es zur Ungarn-Wahl am 12. April 2026 spannend. Orbán sorgte in seiner bisherigen Amtszeit dafür, das Wahlsystem zu seinem Vorteil zu verändern. Ländliche Regionen mit einer älteren Bevölkerung werden zum Nachteil urbaner Zentren bevorzugt. Digitale Manipulation und eine zurechtgeformte Medienlandschaft beeinflussten den Wahlkampf ebenfalls.
Dazu kommt, dass Experten von einer möglichen Wahlbeeinflussung aus Russland zugunsten Orbáns ausgehen. Die Opposition befürchtet zudem, dass Orbán eine mögliche Niederlage nicht anerkennen würde. So schauen Moskau, Washington und auch viele EU-Hauptstädte am Sonntag gespannt nach Budapest.
Orbán selbst behauptete im von Index zitierten Interview: „Es wird eine Entscheidung geben, die vom Volk getroffen wird, und da ich in einer Demokratie diene, muss diese Entscheidung akzeptiert werden.“ Der ungarische Ministerpräsident gehe „immer ans Telefon“, auch wenn Magyar am Sonntagabend anrufen sollte. Dennoch bereitet sich Orbán offenbar bereits für einen Sieg vor. (Quellen: Bloomberg, Ukrainska Pravda, Index, AFP) (lismah)
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Pool AFP via AP | Alexander Nemenov
