Luftangriff auf Hamas

Türkei und Ägypten sollen Hamas vor Israel-Angriff gewarnt haben

Beim israelischen Luftangriff auf die Hamas wurden anscheinend nicht die anvisierten Hamas-Führer getötet. Die Türkei und Ägypten soll die Hamas vorher gewarnt haben.

Ankara – Der Luftschlag Israels gegen ein Gebäude in der katarischen Hauptstadt Doha am Dienstag ging durch die Medien. Israel wollte damit die Führungsriege der Hamas ausschalten. Sechs Menschen wurden laut Hamas dabei getötet: ein Mitarbeiter und ein Sohn des Leiters ihres Verhandlungsteams in Doha, Chalil al-Hajja, sowie drei seiner Leibwächter und ein katarischer Polizist. Die Führung habe den israelischen Angriff aber überlebt. Offenbar befanden sich während des Angriffs in dem Gebäude auch Hamas-Verhandlungsführer al-Hajja und der ehemalige Politbüro-Chef Chaled Meschal. Das israelische Militär hat damit zumindest ihr Hauptziel verfehlt.

Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Armut, Haft, absolute Macht: Der Sohn eines Küstenschiffers wird in einer politischen Karriere vom eifrigen Koranschüler zum absoluten Machthaber in der Türkei. Recep Tayyip Erdogans Weg kann getrost unüblich genannt werden. Aufgewachsen in einem religiösen, doch armen Vorort von Istanbul macht er als talentierter Fußballer auf sich aufmerksam. Der religiöse Vater verbietet den Traum vom Fußball und schickt ihn auf eine Religionsschule, auf welcher er ein neues Talent entdeckt. Die freie Rede ist damals eines der wichtigsten Fächer und der junge Recep macht schon damals mit seinem Redetalent auf sich aufmerksam und konnte aufgrund des ISKI-Skandals als Außenseiter Bürgermeister Istanbuls werden.
Es folgte ein großer Wahlerfolg seiner Partei bei den Parlamentsgutswahlen 2002. Zwar durfte Erdogan aufgrund eines Gedichtes, für welches er zu einem Politikverbot und einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nicht das Amt des Ministerpräsidenten nicht einnehmen. Dafür installierte er seinen Parteikollegen Abdullah Gül in dem Amt, welcher kurzerhand die Gesetze änderte, um das Vergehen, welches Erdogan ein Politikverbot einbrachte, umschrieb.
Nachdem Gül die Verfassungsänderung durchgebracht hatte, und eine Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt stattfand, konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Somit war er erneut offiziell Politiker und in der Lage, Ämter innezuhaben. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident und Gül übernahm den Posten des Außenministers. Hier auf diesem Foto wird Erdogan als Parlamentsabgeordneter vereidigt.
Erdogan wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Abdullah Gül übernahm den Posten des Außenministers. Zunächst öffnete sich die Türkei dem Westen und schuf etwa die Todesstrafe ab. Außenpolitisch verfolgte Erdogan zudem anfangs eine Annäherung an die EU, sodass ein möglicher Beitritt im Raum stand. Auch verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Führungsriege überlebt Angriff: Schlag gegen Hamas wegen Türkei und Ägypten gescheitert?

Nach einem Bericht des Wall Street Journal könnte der Grund für die gescheiterte Militäroperation die Türkei und Ägypten sein. „In den Wochen vor dem Angriff erhielten die Hamas-Führer eine vage, aber ernste Warnung: ‚Verstärkt die Sicherheit bei euren Treffen‘, sagten ihnen ägyptische und türkische Beamte“, schreibt das Blatt. „Die politischen Anführer der Hamas pendeln typischerweise zwischen Katar, Ägypten und der Türkei. Am Wochenende waren sie nach Doha gereist, um über einen neuen US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges zu beraten.“

Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Krieges hatte sich die Situation zwischen der Türkei und Israel deutlich verschlechtert. Immer wieder hatte es zwischen beiden Ländern einen verbalen Schlagabtausch gegeben. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unter anderem als Hitler unserer Zeit bezeichnet. Das israelische Außenministerium nannte Erdogan als Reaktion darauf einen Diktator.

Haben die Türkei und Ägypten vor dem israelischen Angriff in Doha die Hamas gewarnt?

Erdogan verurteilt israelischen Angriff auf Hamas in Doha

Stunden nach dem Angriff Israels auf Doha hatte sich Erdogan auf X empört gezeigt. Die israelische Regierung sei verrückt geworden. „Dieser Angriff ist ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht und die Souveränität Katars und richtet sich auch gegen die Sicherheit und den Frieden unseres Schwesterlandes Katar. Ich verurteile diesen Angriff“.

Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich beschreibt derweil den Gazastreifen als potenzielle „Immobilien-Goldgrube“. „Es gibt einen Geschäftsplan, der von den professionellsten Leuten ausgearbeitet wurde, der auf dem Tisch von (US-Präsident Donald) Trump liegt“, sagte Smotrich bei einer Immobilienkonferenz in Tel Aviv, wo er auch nach der Zeit nach dem Gaza-Krieg gefragt wurde. Es gehe es darum, „wie diese Sache eine Immobilien-Goldgrube wird“, die Israels Unkosten abdecken werde, erklärte Smotrich.

Nach Angriff auf Katar: Sorge vor Eskalation zwischen Türkei und Israel

Umso größer ist die Sorge, dass es zu einer Eskalation zwischen beiden Staaten kommen kann. „Wenn die Türkei die Hamas über den Angriff informiert hat, könnte dies zu einer Verschärfung der Spannungen zwischen der Türkei und Israel führen“, sagt der Türkei-Experte Dr. Süleyman Özeren von der American University in Washington gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Auch mit Washington könnte es zu Problemen kommen. „In jedem Fall kann die USA von der Türkei eine härtere und klarere Haltung gegenüber der Hamas erwarten“, so Özeren.

Umso mehr werden die Befürchtungen groß, dass Israel als Nächstes versuchen wird, Hamas-Mitglieder auch in der Türkei auszuschalten. Der Nahost-Experte Ceng Sagnic schrieb auf X, dass Istanbul das nächste Ziel für Israel sein könnte, um die Hamas anzugreifen. „Es sei denn, es werde ein dreiseitiges Verständnis zwischen Washington, Jerusalem und Ankara erreicht“, so Sagnic, der zuvor am Moshe Dayan Center an der Universität Tel Aviv geforscht hat und heute in den USA als Sicherheitsberater tätig ist.

Washington erhöht Druck auf Türkei sich von Hamas zu trennen

Özeren sieht es ähnlich. „Neben Israel erhöht insbesondere die USA den Druck auf die Türkei. Andernfalls wird es Konsequenzen geben. Der Türkei bleibt keine andere Wahl, als die Hamas-Vertreter auszuweisen. Ich glaube nicht, dass die Türkei weiterhin ein sicherer Hafen für die Hamas bleiben wird“, so Özeren.

Sollte die Türkei sich der Hamas nicht entledigen, wird auch die Nato dem Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses keinen Schutz bieten, wenn es zu einem Konflikt mit Israel kommt, schreibt Michael Rubin vom American Enterprise Institute im National Security Journal. „Die NATO ist ein konsensorientiertes Bündnis, Entscheidungen fallen selten eindeutig. Schweden und Finnland etwa hegen Ressentiments gegenüber der Türkei, weil Ankara sie bei ihrem Beitritt durch Erpressung und Demütigung unter Druck gesetzt hatte – unter anderem, indem sie Einschränkungen der Freiheitsrechte für türkische Dissidenten und die kurdische Minderheit verlangte und in Schwedens Fall sogar die Auslieferung eines kurdischen Aktivisten“, so Rubin.

Ein Veto aus Stockholm oder Helsinki könnte plausibel sein, um die Nato wegen der Türkei nicht in einen möglichen Konflikt mit Israel hineinzuziehen. „Wenn die türkische Regierung klug ist, werden sie Hamas jetzt ausliefern – oder sich zumindest 50 Meter von jedem Gebäude fernhalten, in dem Hamas Unterschlupf findet“, warnt Rubin. (Quellen: Wall Street Journal, National Security Journal, X, eigene Recherche) (erpe)

Rubriklistenbild: © Mert Gokhan Koc/dpa

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