Nawrocki gegen Trzaskowski

Stichwahl in Polen: Sehr enges Ergebnis erwartet – wann es Zahlen gibt

Stichwahl in Polen mit ungewissem Ausgang: Trzaskowski und Nawrocki kämpfen laut Umfragen auf Augenhöhe. Wann mit dem Ergebnis zu rechnen ist.

Warschau – Die Stichwahl in Polen rückt näher. Am 1. Juni treten der pro-europäische Warschauer Bürgermeister Rafał Trzaskowski und der rechtsnationalistische Politiker Karol Nawrocki gegeneinander an. In den Umfragen zur Stichwahl in Polen liegen beide Kandidaten derzeit nahezu gleichauf. Der polnische Präsident Andrzej Duda darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. 

Schon das Ergebnis des ersten Durchgangs der Polen-Wahl fiel denkbar knapp aus. Der liberale Trzaskowski siegte mit knappem Vorsprung vor dem nationalkonservativen Nawrocki. Über Sieg oder Niederlage bei der Stichwahl dürfte deshalb die Unterstützung der ausgeschiedenen Kandidaten entscheiden.

Wahl in Polen 2025
1. Wahltag18. Mai
2. Wahltag1. Juni
Präsident vor der Wahl Andrzej Duda

Ergebnis der Stichwahl in Polen zwischen Trzaskowski und Nawrocki ist völlig offen

Polens Regierungschef Donald Tusk braucht den Sieg seines Kandidaten Trzaskowski, um seine Reformpolitik umzusetzen und den von der PiS demolierten Rechtsstaat wieder herzustellen. Sollte Nawrocki gewählt werden, ist eine Fortsetzung des angespannten Verhältnisses zwischen Staats- und Regierungschef in Polen zu erwarten. Tusks Mitte-Links-Bündnis hat im Parlament nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit, um das Veto des Präsidenten aufzuheben. 

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Vor der Stichwahl blickt Nawrocki scharf nach rechts. Dort gibt es für den 42-jährigen Kandidaten der PiS die meisten Stimmen zu holen. Die erste Wahlrunde offenbarte einen hohen Zulauf für zwei rechtsextreme Kandidaten. Der 38-jährige Unternehmer Slawomir Mentzen, der mit einem an US-Präsident Donald Trump angelehntem Programm vor allem bei jungen Männern punktete, bekam fast 15 Prozent der Stimmen. Der Antisemit Grzegorz Braun landete bei mehr als sechs Prozent.

Kandidat bei Polen-WahlErgebnis 1. Wahlgang
Rafał Trzaskowski31,4 %
Karol Nawrocki29,5 %
Sławomir Mentzen14,8 %
Grzegorz Braun6,3 %

Rechtsextremer will bei der Stichwahl in Polen das Zünglein an der Waage spielen

Mentzen möchte nun das Zünglein an der Waage spielen. Er hat Nawrocki und Trzaskowski einzeln in seine Youtube-Show eingeladen und ihnen seinen Acht-Punkte-Plan zur Unterschrift vorgelegt. Nawrocki schmeichelte Mentzen und setzte am Ende seine Unterschrift unter Mentzens Plan. Nawrocki verpflichtet sich darin unter anderem, kein Gesetz zu unterschreiben, dass den Beitritt der Ukraine zur Nato ratifiziert, die nationale Währung Zloty zu verteidigen und keine Kompetenzen der polnischen Regierung an Brüssel abzugeben.

Trzaskowski dagegen lieferte sich mit Mentzen ein spannendes Rededuell und weigerte sich, dessen Plan zu unterzeichnen. Es komme für ihn nicht infrage, die Perspektive eines Nato-Beitritts der Ukraine abzuschreiben, sagte er: „Putin versteht nur die Sprache der Stärke. Wenn die Ukraine keine Sicherheitsgarantien bekommt, sind wir als nächstens dran.“ Auf die Mehrheit der Mentzen-Stimmen wird Trzaskowski bei der Stichwahl nun wohl verzichten müssen.

Vor der Stichwahl in Polen buhlen die Kandidaten bei verschiedenen Kundgebungen um jede Stimme. Die ersten Prognosen werden am Wahlabend erwartet.

Wann das Ergebnis der Stichwahl in Polen feststehen wird

Die Wahllokale in Polen schließen am 1. Juni um 21 Uhr. Anschließend gibt es erste Prognosen darüber, wie die etwa 29 Millionen Wahlberechtigten abgestimmt haben. Hochrechnungen sind in Polen nicht üblich. Das offizielle Ergebnis wird erst am Montag (2. Juni) erwartet. (cs mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Leszek Szymanski/dpa

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