Ukraine-Taktik

Mit Storm Shadows gegen Russlands Wirtschaft: Raketenhagel trifft Putins „Schlüsselanlage“

Attacke tief in Russland: Die Ukraine hat ein Chemiewerk hinter der Frontlinie mit Storm-Shadow-Raketen bombardiert. Seht Putins Wirtschaft am Abgrund?

Kiew – 14 Angriffe in drei Monaten: Mit gezielten Luftangriffen auf wichtige Rüstungsanlagen setzt die Ukraine Russlands Wirtschaft unter Druck. Während US-Präsident Donald Trump mit Kremlherrscher Wladimir Putin um ein Treffen für Friedensverhandlungen in Budapest feilscht, bombardiert die ukrainische Armee Nacht für Nacht die Ölanlagen, Gaswerke und Waffenfabriken hinter der Frontlinie in Russland. Die Angriffe sind Nadelstiche, doch sie zeigen Wirkung. Russlands Wirtschaft kassiert durchaus einige Einschnitte. Doch reichen diese, um Putin an den Verhandlungstisch zu zwingen?

Steht mit seiner Wirtschaft am Abgrund: Russlands Präsident Wladimir Putin kassiert viele Luftschläge auf seine Industrieanlagen.

In der Nacht zu Mittwoch (22. Oktober 2025) traf es erneut eine Industrieanlage in Russland. So attackierten die ukrainischen Streitkräfte das Bryansk-Chemiewerk mit einem kombinierten Raketen- und Luftangriff, bei dem auch britische Storm-Shadow-Raketen zum Einsatz gekommen sein sollen, wie die Ukrainska Pravda unter Berufung auf den ukrainischen Generalstab berichtete.

Attacke auf Russlands Wirtschaft: Luftschlag mit Storm-Shadow-Raketen setzt Chemiewerk in Brand

Demnach durchdrangen die Geschosse die russische Luftabwehr und trafen die etwa 150 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Anlage mit voller Wucht. Das Werk gilt als strategisch wichtig, weil es Schießpulver, Sprengstoff und Raketentreibstoffkomponenten für die russische Rüstungsindustrie produziert. Die Fabrik sei eine Schlüsselindustrie, zitierte die Times den Generalstab.

Die Attacke fügt sich in eine Reihe gezielter Schläge gegen Russlands Wirtschaft ein, die bereits spürbare Auswirkungen zeigen. Allein in den vergangenen drei Monaten schlugen 14 Raketen in Russlands Industrieanlagen ein. Im Oktober erfolgten nach einer Analyse der britischen BBC sechs Angriffe, was im Monatsvergleich eine deutliche Zunahme ist. Erst am 16. Oktober war das ATAN-Öldepot auf der besetzten Krim nach einem ukrainischen Drohnenangriff in Brand geraten. Noch am vergangenen Montag loderten die Flammen.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Kim Jong-un und Wladimir Putin
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Wirtschaft leidet im Ukraine-Krieg unter Angriffen – Energiekrise auf der Krim

Auf der Krim werden die wirtschaftlichen Folgen der ukrainischen Angriffsstrategie deutlich spürbar. Aktivisten meldeten, dass Dieselkraftstoff von Tankstellen in der gesamten Halbinsel verschwunden ist. Die von Moskau eingesetzten Behörden kämpfen mit Rationierungsmaßnahmen gegen eine sich verschärfende Energiekrise, berichtete die Pravda. Der von Russland eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow senkte im Oktober das tägliche Limit bereits für Benzinkäufe von 30 auf 20 Liter pro Person, inzwischen soll es wieder leicht erhöht werden.

Die ukrainischen Angriffe folgen einer durchdachten Strategie zur Schwächung von Russlands Kriegsfähigkeit durch gezielte Schläge gegen wirtschaftliche Schlüsselinfrastruktur. Während Russland mit seinen Drohnen immer wieder auf Energiesysteme der Ukraine zielt, um Strom- und Wärmeversorgungen zu unterbrechen, konzentriert sich Kiew auf die Unterbrechung russischer Versorgungslinien und Produktionskapazitäten – und das offenbar mit Erfolg.

Offensive tief in Russland: Ukraine-Taktik soll Putins Wirtschaft zum Kollaps bringen

Seit Januar wurden 21 von 38 Raffinerien von der Ukraine in Russland angegriffen und getroffen. Wie die Moscow Times berichtet, soll sie die Gesamtraffinerieproduktion auf 4,86 Millionen Barrel pro Tag gefallen sein, was einen Rückgang von zehn Prozent seit Juli bedeuten würde. Sollten die Zahlen stimmen, dann wäre es der niedrigste Stand seit fünf Jahren. Russlands Wirtschaft steht damit erheblich unter Druck, zumal auch wichtige Verbündete wie Indien weniger Öl bei Putin einkaufen und sich die Kriegskasse damit weniger schnell auffüllen lässt. Doch unklar ist, inwieweit Putins Wirtschaft tatsächlich vom Kollaps entfernt ist.

Die Taktik der gezielten Militärschläge gegen Russlands Wirtschaft wird jedenfalls durch die USA vorangetrieben und soll sogar mit Geheimdienstinformationen unterstützt werden. Doch eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Am liebsten würde die Ukraine einen Schritt weitergehen. Bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus pochte Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj auf die Lieferung von Tomahwak-Raketen. Die US-Marschflugkörper haben eine enorme Durchschlagskraft und eine Reichweite von 900 Kilometern. Dadurch könnte die Ukraine-Armee noch mehr Ziele in Russland ins Visier nehmen. Doch diesen Schritt hatte Trump verwehrt.

Schläge gegen Russlands Wirtschaft sollen Putin zu Verhandlungen zum Ukraine-Krieg zwingen

Für Trump ist die Drohung mit der Lieferung von Tomahawks vor allem ein wichtiges Faustpfand, um Kremlherrscher Putin an den Verhandlungstisch zu zwingen. Bereits zu Amtsantritt hatte der US-Präsident versprochen, dem Ukraine-Krieg ein Ende zu setzen – bislang jedoch ohne Ergebnis.

Ein anvisiertes Friedensgespräch zwischen Trump und Putin in Ungarn ist ins Stocken geraten, nachdem der Kreml einen amerikanischen Vorschlag zur Einfrierung des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinien abgelehnt hatte. Für ein „verschwendetes Treffen“ stehe er vor diesem Hintergrund nicht zur Verfügung, teilte Trump am Mittwoch (22. Oktober) mit, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Für den ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist das nicht weiter verwunderlich. Er betonte in diesem Kontext die Bedeutung militärischen Drucks für diplomatische Fortschritte. „Sobald die Frage der Langstreckenfähigkeiten für uns – für die Ukraine – weniger dringlich wurde, schwand Russlands Interesse an der Diplomatie fast automatisch“, sagte er kürzlich in seiner nächtlichen Ansprache. „Je größer die Ukraine-Langstreckenreichweite, desto größer Russlands Bereitschaft, den Krieg zu beenden.“ An dieses Motto hat er sich jetzt weiter gehalten, wie die neuen nächtlichen Angriffe auf das Chemiewerk beweisen. (Quellen: Pravda, BBC, Moscow Times, dpa) (jek)

Rubriklistenbild: © Alexander Kazakov/Andreas Stroh/dpa

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