Protagonisten im Überblick
Populisten, Radikale, Extreme: Das rechte Lager in Europa – von Meloni bis AfD
VonFlorian Naumannschließen
Vielerorts in Europa erstarken rechtspopulistische bis -extreme Parteien. Sie verkörpern einen autoritären Trend – aber einen geschlossenen Block bilden sie nicht.
Umfrageauswertungen aus ganz Europa zeigen es: Nicht nur die AfD in Deutschland bereitet mit bislang ungekannt hohen Zustimmungsraten Sorge – quer über den Kontinent erstarken scharf rechte Kräfte. Die Frage nach den Gründen ist komplex. Der Forscher Vicente Valentim etwa vermutet aber, dass „Normen“ zerbröckelt sind, die Menschen daran hinderten, rechtsradikale Einstellungen zu äußern, auch an der Wahlurne. Mit dem Sprung Rechtsradikaler ins Parlament oder gar in die Regierung fielen weitere Hemmschwellen bei Wählerinnen und Wählern, meint er.
Gleichwohl: In so ziemlich jedem europäischen Land gibt es abseits dieses mutmaßlichen Mechanismus‘ individuelle Hintergründe und Parteienlandschaften. Und auch „die Rechten“ sind kein monolithischer Block. Allein im EU-Parlament sind drei verschiedene Fraktionen rechts der (überwiegend) klassisch konservativen EVP vertreten. Hinzu kommen einige teils offen rechtsextreme Fraktionslose. Die drei Fraktionen unterscheiden sich in ihrer Radikalität und in ihren Haltungen etwa zu Russland und dem Ukraine-Krieg – wenngleich die Block-Zugehörigkeit der einzelnen Parteien nicht in jedem Fall ein klarer Indikator für ihre ideologische Position ist.
Unsere Fotostrecke zeigt die bekanntesten und einflussreichsten Köpfe und Parteien der neuen Rechten, sortiert nach EU-Fraktionszugehörigkeit. Sie deutet ebenso wie unsere Europakarte an: Das Phänomen ist weiter ernstzunehmen, selbst wenn mit Viktor Orbán ein Vorreiter der Autoritären zuletzt die Abwahl hinnehmen musste. Eine weitere Erkenntnis: „Brandmauern“ sind schon in vielen europäischen Ländern gefallen, verschwunden sind neurechte Parteien dadurch kaum einmal.
Unter Beschuss steht der sogenannte Cordon Sanitaire neuerdings verstärkt im EU-Parlament. Die konservative EVP und die drei Rechtsaußenfraktionen haben seit 2024 zusammen eine parlamentarische Mehrheit. Die ist mittlerweile mehrfach zum Zuge gekommen – auch wenn EVP-Chef Manfred Weber (CSU) jedenfalls eine Zusammenarbeit mit der AfD und ihrer ESN-Fraktion dementiert. Dass solche Mehrheiten überhaupt greifbar sind, verdeutlicht aber: Europa ist über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte ein gutes Stück nach rechts gerutscht.
Spannend bleibt eine weitere Frage: Wie gut können die Rechtsaußen miteinander kooperieren? Globale Vernetzungsbemühungen sind zu beobachten, dabei spielt auch Donald Trumps MAGA-Bewegung eine Rolle. Womöglich unter anderem, weil ein zersplittertes Europa nach „Einflusssphären“ strebenden Potentaten gelegenkommt. Doch „America First“ bleibt eben „America First“ – als Trump im Frühjahr 2025 nach Grönland zu greifen schien, rief ihm ein dänischer Rechts-Abgeordneter aus dem Plenum des EU-Parlaments erbost entgegen: „Fuck off!“.
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