Lage an der Front

Pokrowsk eingenommen? Russische Truppen besetzen ungehindert wichtige Stadt im Ukraine-Krieg

In Pokrowsk bleibt die Lage seit Wochen kritisch. Neue Aufnahmen aus dem Ukraine-Krieg sollen nun Putins Soldaten beim Marsch durch die Stadt belegen.

Moskau/Kiew – Neue Videoaufnahmen aus Pokrowsk offenbaren womöglich das Ende des Widerstands gegen die Invasoren. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte Aufnahmen, die russische Soldaten zeigen, wie sie sich unbehelligt durch die menschenleeren Straßen der strategisch entscheidenden Bergbaustadt bewegen. Das Verifizierungsteam von RTL/ntv bestätigte die Echtheit der Bilder aus dem südlichen Viertel Shakhtarskyi, wo zwischen geschwärzten Ruinen und von Explosionen zerrissenen Bäumen die Stille des Krieges herrscht.

Ein russischer Soldat nahe der Pokrowsk-Front.

Der Kampf im Ukraine-Krieg um diesen Schlüsselknotenpunkt im Donbass, der als Tor zu den letzten großen ukrainischen Städten in der Region gilt und die einzige Kokskohlengrube des Landes beherbergt, steht offenbar vor seiner Entscheidung. Während die Ukraine noch von einem andauernden Kampf spricht, sehen Militärexperten Pokrowsk bereits als faktisch gefallen an – mit weitreichenden Konsequenzen für den gesamten Kriegsverlauf.

Pokrowsk bereits gefallen? Lage im Ukraine-Krieg bleibt angespannt

In der strategisch wichtigen Bergbaustadt Pokrowsk im Gebiet Donezk spitzt sich die militärische Lage im Ukraine-Krieg dramatisch zu. Die jüngsten Bilder, die das Ministerium von Wladimir Putin veröffentlicht hat, zeigen geschwärzte und teilweise zerstörte Gebäude mit zerborstenen Fenstern und Türen sowie von Explosionen zerrissene Baumäste. Nach Einschätzung des österreichischen Militärexperten Oberst Markus Reisner ist Pokrowsk bereits vor zwei Wochen faktisch gefallen.

„Am nördlichen Rand der Stadt gibt es einige Plattenbauten, wo noch teilweise ein kleines Gebiet von ukrainischen Soldaten gehalten wird“, erklärte Reisner gegenüber ntv.de. Die ukrainischen Truppen halten demnach einen kleinen Korridor offen, um ihre Soldaten aus dem Kessel zu evakuieren, insbesondere die 38. Marinebrigade.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Während russische Landkarten Pokrowsk bereits als unter russischer Kontrolle darstellen, weisen ukrainische Karten die Stadt als Grauzone aus, die von keiner Seite vollständig kontrolliert wird. Die Ukraine spricht von mehr als 300 russischen Soldaten in der Stadt, während Beobachter von deutlich höheren Zahlen und einer weitgehenden russischen Kontrolle ausgehen. Armeechef Oleksandr Syrskyj berichtete nach einem Besuch in der Nähe: „Der Kampf geht weiter!“

Pokrowsk umzingelt? Ukraine-Generalstab weist Vorwürfe zurück

Nach Einschätzung der Deutschen Presse-Agentur gilt als gesichert, dass russische Soldaten in Pokrowsk sind. Sie machten sich zuletzt vor allem das nebelige Wetter zu Nutzen, um mit Fahrzeugen und Technik vorzudringen. In der Ruinenstadt, die einmal 60.000 Einwohner hatte, tobt seitdem ein Häuserkampf. Wie die tatsächliche Lage in Pokrowsk ist, variiert nach Aussagen der Kriegsparteien deutlich: Die Ukraine spricht von mehr als 300 Russen in der Stadt. Beobachter gehen von deutlich höheren Zahlen und einer weitgehenden russischen Kontrolle über die Stadt aus. Die schwersten Kämpfe toben demnach in deren Industriegebiet.

Die Russen sind von verschiedenen Seiten in die Stadt eingedrungen. Russland behauptet täglich, in Pokrowsk seien ukrainische Truppen umzingelt, der Kreis um sie werde enger geschnürt, die Einheiten würden vernichtet. Zudem wird jeden Tag über neue Eroberungen berichtet. Der ukrainische Generalstab weist zurück, dass Truppen eingekesselt seien. Zugegeben werden Nachschubprobleme bei der Versorgung der Einheiten.

Eroberung von Pokrowsk: Für Putin würde sich die Lage im Ukraine-Krieg verschieben

Die Eroberung von Pokrowsk hätte weitreichende strategische Konsequenzen. Die Stadt gilt als Symbol für den ukrainischen Widerstand und ist ein bedeutender Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt sowie Logistikzentrum für das ukrainische Militär. Mit der Einnahme könnten russische Streitkräfte die ukrainischen Versorgungslinien an der Ostfront unterbrechen und eine Ausgangsbasis für weitere Vorstöße auf Kramatorsk und Slowjansk schaffen.

Wie die dpa schreibt, wäre der Verlust von Pokrowsk die größte militärische Niederlage seit dem Fall von Awdijiwka im Februar 2024 – auch für Präsident Selenskyj. Kiew wollte damit auch den USA und den Europäern zeigen, dass die milliardenschweren Waffenlieferungen dem Land helfen, sein Gebiet zu verteidigen. Kritik an dem Vorgehen gibt es allerdings auch: Immer wieder heißt es, die Ukraine habe zu große Verluste riskiert, um Pokrowsk möglichst lange zu halten – statt mit den Ressourcen andere Verteidigungslinien zu verstärken.

Vermutet wird, dass der Fall von Pokrowsk keine plötzlichen Änderungen für den Verlauf des Ukraine-Kriegs bringen wird. Kiew und Moskau setzen gegenwärtig auf einen Abnutzungskrieg, um den Gegner zu zermürben. (Quellen: dpa, Ukrainska Pravda) (fbu)

Rubriklistenbild: © Stanislav Krasilnikov/Imago

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