Über 50 Prozent für Opposition

Neue Umfrage zur Ungarn-Wahl zeigt Orbáns Macht nach 16 Jahren bedroht

In Ungarn könnte ein Machtwechsel bevorstehen: Orbáns Fidesz-Partei verliert bei Umfragen gegen die junge Tisza-Partei. Was dahintersteckt.

Ungarns Präsident Viktor Orbán könnte gerade seine letzten Wochen an der Macht erleben. Zumindest wenn man die jüngsten Wahl-Umfragen betrachtet. Denn laut dem Meinungsforschungsinstitut 21 Research Centre hat die oppositionelle Tisza-Partei 56 Prozent der Wählenden überzeugt. Damit könnte Ungarn ein Paradigmenwechsel bevorstehen: vom prorussischen, EU-feindlichen Orbán hin zum eher proeuropäischen Péter Magyar.

Bei den ungarischen Parlamentswahlen macht Viktor Orbán Péter Magyar Konkurrenz

Péter Magyar führt seit zwei Jahren die neue Mitte-Rechts-Partei Tisza. In diesen zwei Jahren hat sich die Partei von einer kleinen Randerscheinung zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz zu Orbáns Fidesz-Partei entwickelt. Vor allem junge Menschen wollen Tisza bei den anstehenden Wahlen am 12. April ihre Stimme anvertrauen, berichtet Reuters. Viele von ihnen haben kaum einen anderen Regierungschef erlebt: Orbán ist inzwischen seit 16 Jahren an der Macht.

Orbáns Konkurrenz: Magyars Tisza erreicht unter den entschiedenen Wählern 56 Prozent

Laut den Ergebnissen von 21 Research Centre erreicht Tisza unter den entschiedenen Wählern 56 Prozent, das ist ein Anstieg um drei Prozentpunkte seit Anfang März. Die Fidesz-Partei verliert laut den Zahlen zwei Prozentpunkte und kommt auf 37 Prozent. 26 Prozent der Befragten sind laut der vom Nachrichtenportal 24.hu veröffentlichten Erhebung noch unentschlossen. Umgerechnet auf alle Wahlberechtigten liegt Tisza bei 40 Prozent, während Fidesz 28 Prozent erreicht.

Eine weitere Umfrage des Instituts Zavecz Research, die kurz zuvor veröffentlicht wurde, bestätigt laut T-Online diesen Trend. Hier verbessert sich die Tisza-Partei um einen Punkt auf 51 Prozent, während Fidesz unverändert bei 38 Prozent bleibt. Laut dieser Umfrage sind noch 20 Prozent der Befragten unentschieden. Die rechtsextreme Partei Mi Hazank könnte als dritte Kraft ins Parlament einziehen, wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde überwindet, da sie in beiden Umfragen zwischen vier und fünf Prozent liegt.

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Regierungswechsel bei Ungarn-Wahl 2026 von Orbán zu Magyar nicht sicher

Die Vorwahl-Umfragen haben sich in Ungarn zu einem Politikum entwickelt. Der Leiter des Amtes für den Schutz der Souveränität (SZH) sagte laut dem ungarischen Medium hvg im August 2025: „Es gibt Meinungsforschungsinstitute, die Aufträge aus dem Ausland ausführen, darunter 21 Research Centre, Republikon, Idea, Publicus und Medián.“ Die Regierung verweist auf andere Umfragen, die der Regierungspartei weiterhin einen Sieg prognostizieren. Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Institute finanzielle oder persönliche Verbindungen zur Regierungspartei haben. 21 Research Centre ist international als valides Meinungsforschungsinstitut anerkannt.

Ein Regierungswechsel ist unterdessen lange nicht sicher. Viel hängt an den noch unentschlossenen Wählergruppen und an den im Ausland lebenden Ungarinnen und Ungarn. Und selbst wenn Tisza eine Mehrheit der Wählenden überzeugt, kann die Verteilung der Mandate im ungarischen Wahlssystem immer noch zu einer Mehrheit für Fidesz im Parlament führen. Das schreibt 24.hu unter Berufung auf einen Mandats-Kalkulator von 21 Research Centre. 24.hu stellt auch fest, dass die vollständige Auszählung der Wahlergebnisse Tage oder Wochen dauern könnte.

Was bedeutet ein Wechsel von Fidesz zu Tisza für Europa und die Ukraine?

Sollte die Tisza gewinnen, könnten sich die Beziehungen zwischen der EU und Ungarn verändern. Unter Orbán hat Ungarn immer wieder Finanzmittel der EU für die Ukraine blockiert. Auch im Wahlkampf zeichnet Orbán das Narrativ, die EU wolle ungarisches Geld für den Ukraine-Krieg ausgeben. Péter Magyar sei eine Marionette der EU, wenn er an die Macht komme, müsste Ungarn in den Ukraine-Krieg gegen Russland ziehen.

Dabei geht es bei den EU-Geldern für Ungarn um Rechtsstaatlichkeit. 2010 hat Orbán mit dem Umbau des Staates und dem Abbau der Rechtsstaatlichkeit begonnen, die EU moniert insbesondere die Korruption, die Unabhängigkeit der Gerichte, der Zentralbank sowie die mangelnde Medienfreiheit. Deswegen hält die EU die Finanzmittel immer wieder zurück. Péter Magyars Tisza-Partei hat angekündigt, die Korruption zu bekämpfen und die blockierten EU-Gelder freizugeben. Tisza verspricht einen Kurs fest an der Seite der EU und der NATO – für viele Ungarn und Ungarinnen offenbar ein verlockendes Angebot. (Quellen: Reuters, 24.hu, Tagesschau, hvg, T-Online) (cdz)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press

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