Nach Drohnen-Provokationen

Sie haben einen mythischen Namen: Trump schickt Spezialflugzeuge vor Putins Haustür

Die USA haben Aufklärungsflugzeuge nach Norwegen verlegt. Sie sollen für Missionen über der Ostsee eingesetzt worden sein. Wladimir Putins Russland ist nicht weit.

Oslo – Es ist eine bemerkenswerte Maßnahme, die in die Zeit zunehmender Spannungen zwischen dem Moskau-Regime des Kreml-Autokraten Wladimir Putin und der Verteidigungsallianz NATO fällt. Das US-Militär hat unter Präsident Donald Trump Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeuge vom Typ P-8 Poseidon nach Norwegen geschickt. Wie das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek berichtet, führten deren Besatzungen Missionen über der Ostsee durch – und zwar unweit von Russland (Exklave Kaliningrad).

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

nato-erweiterung-north-atlantic-treaty-organization-mitglieder-staaten-gruendung
nato-erweiterung-north-atlantic-treaty-organization-mitglieder-staaten-frankreich-deutschland
nato-erweiterung-north-atlantic-treaty-organization-mitglieder-staaten-tuerkei-griechenland
nato-erweiterung-beitritt-deutschland-vereinbarung-1955
Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

Fotos von Nachrichtenagenturen zeigten am Montag (29. September) zwei Boeing P-8 „Poseidon“ am Flughafen Oslo-Gardermoen. Laut Newsweek ist die Präsenz der Spezialflugzeuge in Skandinavien auf den „harten Kurswechsel“ Trumps im Ukraine-Krieg zurückzuführen. Ferner gehe es darum, die Verteidigungsfähigkeit des NATO-Bündnisses nach jüngsten Drohnen-Vorfällen über Polen, Dänemark und Norwegen zu stärken.

Russland-Provokationen gegen die NATO: Donald Trump schickt Aufklärungsflugzeuge

Europäische NATO-Partner machen das russische Regime für mutmaßliche Drohnen-Spionage etwa über dem dänischen Militärflugplatz Karup unweit der Ostseeküste verantwortlich. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht einen Zusammenhang zwischen Putins russischer „Schattenflotte“ und den Drohnen-Vorfällen. Besagte Schattentanker nutzen die Ostsee und das Meeresgebiet Kattegat für Fahrten aus Richtung Russland-Exklave Kaliningrad kommend.

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte laut Nachrichtenagentur AFP bei einer Medienrunde in Warschau: „In den letzten Tagen haben wir eine neue Welle hybrider Angriffe auf NATO-Staaten erlebt. Hier in Polen, in Estland und in Rumänien und zuletzt auch eine Reihe ungeklärter Drohnen-Vorfälle in Dänemark. Diese Aktionen sind kein Zufall, sondern Teil eines Musters, das unsere Lufträume, unsere kritische Infrastruktur insgesamt, unsere Verteidigungsbereitschaft ins Visier nimmt.“

US-Präsident Donald Trump hat offenbar zwei Aufklärungsflugzeuge P-8 Poseidon nach Norwegen entsandt. Hier ist eine der Maschinen in Oslo zu sehen.

Wadephul meinte weiter: „Russland will unsere Entschlossenheit testen, will Unruhe auslösen.“ All diese Vorfälle stünden im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, erklärte der 62-jährige CDU-Politiker. Laut Newsweek wollen die Amerikaner durch die Präsenz der P-8 Poseidon in Norwegen eben jene Entschlossenheit angesichts der jüngsten Entwicklungen bestätigen. Das Flugzeug hat imposante Daten.

Donald Trumps Super-Flugzeug: Auch Deutschland hat die Boeing P-8 Poseidon bestellt

Die fast 40 Meter lange und mehr als 62 Tonnen schwere P-8 trägt den Beinamen des Gottes des Meeres aus der griechischen Mythologie – Poseidon. Bis zu sieben sogenannte Operatoren üben an Bord die Aufklärungsarbeit aus. Als wichtigstes Element der Überwachungsausrüstung gilt das synthetische Breitbandradar Raytheon AN/APY-10. Es soll in der Lage sein, auch U-Boote tief unter der Meeresoberfläche aufzuspüren. Die P-8 kann indes nicht nur spionieren, sondern auf lange Distanzen auch kämpfen.

Boeing P-8 Poseidon
Besatzung:2 Piloten, 7 Operatoren
Länge / Spannweite:39,47 m / 37,64 m
Leermasse:62,7 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit:rund 900 km/h
Dienstgipfelhöhe:12.500 m

So können unter den Tragflächen Seezielflugkörper AGM-84L und Marschflugkörper AGM-84K angebracht werden. Die Bundeswehr hatte eigenen Angaben zufolge im Juni 2021 einen Vertrag über die Beschaffung von zunächst fünf P-8A Poseidon des amerikanischen Flugzeugherstellers Boeing unterzeichnet. Die Maschinen sollten laut eines Berichts auf der Bundeswehr-Website eigentlich diesen Sommer an die Deutsche Marine ausgeliefert werden.

Bislang ist dies aber offenbar noch nicht geschehen – oder es wurde noch nicht kommuniziert. Insgesamt sollen die deutschen Streitkräfte acht dieser Aufklärungsflugzeuge erhalten. Die „Poseidon“ basiert auf dem zivilen Luftfahrzeug Boeing 737. Es ist nicht das einzige Großprojekt für die Deutsche Marine, die etwa auch mehrere Fregatten 127 bekommen soll. (Quellen: Newsweek, AFP, Bundeswehr) (pm)

Rubriklistenbild: © Montage IPPEN.MEDIA / IMAGO / Anadolu Agency / NTB

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare