Bundestagswahl
Experte warnt nach Ost-Wahlergebnissen: „Kommt auch im Westen an“
In Ostdeutschland wurde die AfD bei der Bundestagswahl stärkste Kraft. Experten sehen schon lange einen Trend, der auch im Westen ankommt.
Berlin – Expertinnen und Experten warnen seit Jahrzehnten, dass die starken Wahlergebnisse der AfD in Ostdeutschland sich irgendwann auch in Westdeutschland niederschlagen. Bei der Bundestagswahl zeigte sich dies nun bereits in einigen Wahlkreisen. Das starke Abschneiden der AfD sei ein Anzeichen, dass ostdeutsche Entwicklungen auch auf Westdeutschland übergreifen, so der Bochumer Politikwissenschaftler Oliver Lembcke.
„Wir haben etwas, das im Osten passiert, und es kommt im Westen auch an“, sagte Lembcke der Deutschen Presse-Agentur. Die ostdeutschen Bundesländer seien eine Art Vorbote, in welche Richtung sich das politische System entwickele. „Jedenfalls wird der Westen in dieser Weise östlicher als der Osten westlicher“, sagte Lembcke, der viele Jahre lang in Jena gelebt und gearbeitet hat.
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel




Bundestagswahl: AfD in allen ostdeutschen Flächenländern stärkste Kraft
Diese Entwicklung sei nicht zwangsläufig oder unumkehrbar. Es zeige sich aber, dass sich Parteienbindungen auch in den westdeutschen Ländern zunehmend lösten. Die AfD erhielt bei der Bundestagswahl, geführt von Parteichefin Alice Weidel, 20,8 Prozent der Stimmen und landete damit auf dem zweiten Platz. In allen fünf ostdeutschen Flächenländern wurde sie stärkste Kraft, in Thüringen mit 38,6 Prozent. Aber auch in der einstigen SPD-Hochburg Gelsenkirchen und in Kaiserslautern erreichte sie mit 24,1 beziehungsweise 25,9 Prozent den Spitzenplatz.
Bundestagswahl: Teile der AfD-Wählerschaft noch ansprechbar
Lembcke sagte, die AfD sei eine Art Volkspartei in Ostdeutschland. Das bedeute nicht, dass die Bevölkerung in den neuen Bundesländern rechtsextrem sei. Aber ein Teil der Wählerschaft, der immer schon rechtsextrem gewesen sei, habe in der AfD eine politische Heimat gefunden. Hinzu kämen Wählerinnen und Wähler mit einer gesteigerten Form der Unzufriedenheit – bis hin zu einer Systemablehnung. Das sei auch eine eigene Form der Radikalisierung, sagte er. „Da überschreitet man irgendwann eine Grenze.“ Teile dieser Wählerschaft seien aber noch ansprechbar.
„Unversöhnlichkeit“ im mobilisierte die Menschen zur Bundestagswahl
Seiner Einschätzung nach ist die hohe Wahlbeteiligung Ausdruck einer Polarisierung und einer großen Mobilisierung innerhalb der jeweiligen Lager. „Das geht Hand in Hand mit einer gewissen Unversöhnlichkeit über die Parteigrenzen hinweg“, sagte Lembcke. Die hohe Wahlbeteiligung und die Härte des Wahlkampfes stehen seiner Meinung nach in einem Zusammenhang. „Das eine hat etwas mit dem anderen zu tun.“
Die Polarisierung dürfte in den kommenden Monaten zumindest ausgehend von der AfD weitergehen. Der Spiegel berichtete am Wahlabend, die Partei stelle sich auf noch härtere Auseinandersetzungen mit den liberalen Kräften im Bundestag ein. (kb mit dpa)
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