Das „weiße Amerika“ auf Expansion

Ein US-„Territorium“ zeigt bereits, was Grönland unter Trump drohen könnte

Was, wenn sich Grönland den USA anschlösse? Eine Insel liefert ein äußerst abschreckendes Beispiel, schreibt Experte Alexander Görlach in seiner Analyse.

Der Vorgang entbehrte nicht einer gewissen Ironie: Die ehemaligen Kolonialmächte Frankreich, England und Deutschland appellierten gemeinsam mit anderen NATO-Verbündeten, allen voran Dänemark, an die Vereinigten Staaten, dass die UN-Charta zu respektieren und das Territorium Grönlands nicht zur Annexion freigegeben sei. So unerhört es ist, dass so ein Schreiben überhaupt in Washington eingehen muss, so sehr lohnt es sich gleichzeitig, darauf zu blicken, was aus Grönland realistischerweise werden könnte, sollte es in der Tat den USA einverleibt werden. 

Eine US-Militärmaschine startet am Flughafen José Aponte de la Torre auf Puerto Rico – die Insel ist ein „Außenterritorium“ der USA.

Nachdem Spanien 1898 die Philippinen, Guam und Puerto Rico nach einem verlorenen Krieg an Washington abtreten musste, wurden die USA über Nacht selbst zu einer Kolonialmacht. Welches Schicksal den rund 56.000 Menschen auf Grönland blühen könnte, lässt sich am besten daran ablesen, was die Menschen auf Puerto Rico erdulden müssen, seit ihre Heimat zu einem US-Territorium wurde:

Grönland in Trumps Fängen? Das US-Territorium Puerto Rico würdigt er gerne herab

Denn ein Territorium ist nicht dasselbe wie ein US-Bundesstaat. Washington verwaltet das Eiland, ohne dass dessen Bewohner eine politische Repräsentation beanspruchen könnten. Weder dürfen sie den US-Präsidenten wählen, noch haben sie einen Vertreter im Senat. Die Menschen auf Puerto Rico haben keine wirkliche politische und wirtschaftliche Autonomie: So hat die Trump-Administration die Umweltrichtlinien der Insel gekippt – unter dem Verweis darauf, dass Washington die Leitlinien hierfür bestimmt. Puerto Rico ist verpflichtet, alle seine Importe aus den USA, vom Festland, zu beziehen.

Ihre untergeordnete Rolle im Gefüge der US-Demokratie wird für die Menschen auf Puerto Rico unterstrichen durch die negative Rhetorik, mit der offizielle Stellen in Washington, nicht zuletzt Präsident Trump selbst, sie herabwürdigen. Während seiner ersten Amtszeit nannte er die Insel ein „Scheißloch“. Die Bewohner zeigten sich, so Trump, „undankbar“ gegenüber den USA, die so viel für die Insel tun würden. Nach den Verheerungen eines Tropensturms beschwerte sich Trump in Richtung der Insel, Puerto Rico koste Washington zu viel und bringe nichts ein.

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Menschen aus Lateinamerika insgesamt werden von Trump ausgegrenzt. Er nannte sie mehr als einmal „Verbrecher“ und „Vergewaltiger“. Seine ICE-Sturmtruppen verhaften wahllos Menschen aufgrund ihres lateinamerikanischen Aussehens. MAGA besteht zweifelsfrei aus Menschen, die von einer „Überlegenheit der weißen Rasse“ ausgehen.

Grönlands Indigene müssten sich auf eine Bevormundung durch das „weiße Amerika“ einstellen

Auf Grönland übertragen, bedeutet das: Auch wenn die Trump-Administration begonnen hat, die Menschen auf der Insel zu umgarnen, würde aus Grönland kein Bundesstaat, sondern bestenfalls ein Territorium. Mit der Konsequenz, dass die Menschen in der Praxis weniger Rechte haben dürften als jetzt, als Bewohner einer autonomen Region des Königreichs Dänemark. 

Die Grönländer als indigene Menschen müssten sich auf eine Bevormundung durch das „weiße Amerika“ einstellen. Neben Puerto Rico, das die politisch-administrative Schablone für eine Übernahme Grönlands durch Washington stellen dürfte, gibt es genug Anschauungsmaterial, wie die weißen Siedler aus Europa mit den Native Americans umgesprungen sind – und auch heute noch umspringen. Die Menschen auf Grönland müssen fürchten, nach einer Übernahme im eigenen Land nicht mehr zu Hause zu sein. 

Der Kolonialismus ist zurück und mit ihm alle perfiden Formen der Ausgrenzung und Unterwerfung von Menschen, deren Land aufgrund von Lage oder Bodenschätzen ins Fadenkreuz einer Großmacht, in diesem Falle der USA, geraten ist. China und Russland operieren schon länger unter der Maßgabe des imperialistischen 19. Jahrhunderts, in dem der Stärkere unwidersprochen das Recht für die Schwächeren setzen konnte. Donald Trump ist Anhänger und Verfechter dieser Ideologie. Er träumt von einem American Empire. (Dr. Alexander Görlach unterrichtet Demokratie-Theorie an der New York University)

Rubriklistenbild: © Montage: Kendall Torres Cortés/Alex Brandon/picture alliance/dpa/AP/fn

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