US-Wahl 2028 wirft Schatten voraus

„So sehr ich ihn auch liebe“: Vance geht im TV-Interview auf Distanz zu Trump

Vizepräsident JD Vance gilt als wahrscheinlichster Nachfolger Donald Trumps. Im TV-Interview spricht er über Ambitionen und Überzeugungen.

Vizepräsident JD Vance wurde während eines Interviews mit dem TV-Sender NBC News auf das KI-Bild angesprochen, das Donald Trump verbreitet hatte, und das ihn als Jesus zeigt. Der bekennende Katholik ging in seiner Antwort bemerkenswert weit auf Distanz zu seinem Chef.

Wird er Donald Trumps Nachfolger? Vize J. D. Vance an der Seite des US-Präsidenten.

Auslöser der Debatte, der sich Vance stellen musste, war einmal mehr Donald Trump. Der Präsident hatte im vergangenen Monat ein KI-Bild gepostet, das ihn in göttlichem Licht erscheinen ließ, während er über einem Krankenhauspatienten steht, den er zu heilen scheint – gekleidet wie der Heiland und umgeben von US-Flaggen, Weißkopfseeadlern und Kampfjets. Der Aufschrei war groß, das Bild wurde gelöscht. Trump behauptete, die Darstellung habe ihn gar nicht als Jesus, sondern als Doktor zeigen sollen. Wenig später legte der Präsident aber nach und teilte ein weiteres KI-Bild. Dieses Mal zeigte es Jesus, der Trump mit geschlossenen Augen umarmte.

Im Gespräch mit NBC News wurde JD Vance auf Trumps Jesus-Imitationen angesprochen und gefragt, ob er Parallelen zwischen Trump und dem „Fremden“ in einem Gleichnis des Philosophen Basil Mitchell sehe. Der „Fremde“ ist dort eine Figur, die weithin als Sinnbild für Gott oder Jesus interpretiert wird. Vance, ebenso überzeugter Katholik wie Republikaner, hatte dieses Gleichnis zuvor selbst als prägend für seinen Glaubensweg bezeichnet. Der Vizepräsident antwortete: „Ich werde den Fremden in dem Gleichnis, der letztlich Jesus ist, ganz sicher nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten vergleichen. So sehr ich den Präsidenten auch liebe.“ Statt über Jesus-Vergleiche zu sprechen, wollte der US-Vizepräsident offenbar lieber über die Loyalität der Trump-Anhänger reden. „Ich glaube, im Internet nennt man das ‚Vertraue dem Plan‘, oder? Es gibt Leute, die an den Plan glauben, und ich finde das wichtig, denn um etwas zu erreichen, braucht es manchmal viel Zeit und Geduld“, so Vance. Er und die Republikaner könnten „sich glücklich schätzen, eine politische Bewegung zu haben, in der es viele geduldige Menschen gibt“. Die würden auch „nicht erwarten, dass sie immer sofort Ergebnisse sehen“.

Vance spielt damit auf die von Trump ins Leben gerufene MAGA-Bewegung an. Tatsächlich ist der Rückhalt des Präsidenten im harten Kern seiner Fanschar nahezu ungebrochen. Während sich Trumps Zustimmungswerte in allgemeinen Umfragen spätestens seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs im freien Fall befinden, hält diese Gruppe eisern zu ihm. Es waren diese Leute, die Trump meinte, als er noch vor der US-Wahl 2016 sagte, er könne jemanden mitten in New York auf offener Straße erschießen, und sie würden es ihm nicht übel nehmen. Der Psychologe Steven Hassan prägte in seinem Buch mit gleichnamigem Titel für diese Gruppe den Begriff des „Trump-Kults“, der sich seitdem großer Beliebtheit bei den Kritikerinnen und Beobachtern des US-Präsidenten erfreut.

Vance benötigt Unterstützung von Trumps MAGA-Bewegung für US-Wahl 2028

So weit ist der gedankliche Sprung, den Vance vom Jesus-Vergleich zur Trump-Anhängerschaft macht, also nicht. Und es ist nachvollziehbar, dass er diese im Kopf hat, sobald er auch nur einen Zentimeter auf Distanz zu Donald Trump geht. Denn Vance gilt als aussichtsreichster Kandidat der Republikaner für die Nachfolge Trumps bei der US-Wahl 2028. Will er die Vorwahlen der Partei gegen mutmaßliche Herausforderer wie Außenminister Marco Rubio gewinnen, braucht er die Unterstützung der MAGA-Bewegung.

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Dass dort die Grenzen zwischen politischer und religiöser Überzeugung bisweilen verschwimmen, stellt für Vance ein Problem dar. Der heutige US-Vize und spätere Senator des Bundesstaates Ohio konvertierte 2019 im Alter von 35 Jahren vom evangelikalen Protestantismus zum Katholizismus. Laut einer Reportage des Nachrichtenportals Daily Beast erklärte Vance sogar einst, seine politischen Überzeugungen stimmten weitgehend mit der katholischen Soziallehre überein. Sein Glaube ist auch Thema seines neuen Buches „Communion“, das am 16. Juni 2026 erscheinen soll. Laut Ankündigung beschreibt Vance in seinem Buch seinen persönlichen Glaubensweg – vom protestantischen Aufwachsen über eine atheistische Phase bis zur Konversion.

Trumps Streit mit dem Papst kommt für Vance zur Unzeit

Kurz vor Erscheinung des Buches wurde Vance in den Konflikt zwischen Trump und Papst Leo XIV. gezogen. Das Oberhaupt der Katholiken hatte die US-Regierung für den Iran-Krieg kritisiert. Trump reagierte mit mehreren Angriffen auf den Pontifex. Vance selbst empfahl seinem eigenen Kirchenoberhaupt, „vorsichtig“ zu sein, wenn es um theologische Urteile gehe. Bei NBC bemühte sich Trumps Stellvertreter aber um Deeskalation. Er lobte den Papst für dessen Warnung vor KI-Entwicklungen.

Vielleicht werde ich es eines Tages sein, aber im Moment bin ich es nicht.

J. D. Vance auf die Frage, ob er Kandidat der Republikaner bei der US-Wahl 2028 werden will

Angesprochen auf die US-Wahl 2028 gab sich Trumps Stellvertreter bescheiden. Aktuell sei er nicht der Kandidat der Republikaner. „Vielleicht werde ich es eines Tages sein, aber im Moment bin ich es nicht“, so Vance. Neben der MAGA-Bewegung wäre in dem Fall auch die Unterstützung der zahlreichen christlichen Gruppierungen innerhalb der Republikanischen Partei wichtig. Die wiederum waren laut eines CNN-Berichts nicht begeistert von den Attacken der Trump-Regierung auf den Papst.

Die Entscheidung, wen Republikaner und Demokraten in die US-Wahl 2028 schicken, fällt letztlich erst bei den Vorwahlen Anfang des Wahljahres. Die Buchmacher der Internetplattform Oddschecker sehen Vance als Favorit. Es folgen Rubio, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Tucker Carlson, einst Moderator bei Fox News und glühender Trump-Anhänger, heute Podcast-Host und überzeugter Trump-Kritiker. Keiner der Genannten – außer Vance – hat bislang eine Kandidatur auch nur angedeutet. (Quellen: NBC, Daily Beast, CNN, eigene Recherche) (dil)

Rubriklistenbild: © afp

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