Gründerin von Fridays for Future
Exklusiv im Interview: Überraschender Besuch von Greta Thunberg bei Klima-Camp in Hamm
Überraschungsbesuch am Donnerstag in Hamm: Ohne Vorwarnung erschien Greta Thunberg, Galionsfigur des Klimaprotests, in der Stadt an der Lippe.
Update vom 28. Mai, 19.20 Uhr: Trotz ihrer globalen Bekanntheit erwartet Greta Thunberg im Klima-Camp im Lippepark keine Sonderbehandlung. Im Gespräch mit unserer Redaktion machte die schwedische Klimaaktivistin deutlich, dass sie selbstverständlich wie alle anderen Teilnehmer im Camp unterkommen werde: „Wo sollte ich sonst bleiben?“ Wie alle Menschen vor Ort wolle sie zum Protest beitragen.
Dabei betonte Thunberg, dass es ihr nicht nur um die aktuelle Aktion gehe: „Außerdem möchten wir sicherstellen, dass es sich nicht um ein einmaliges Camp handelt, sondern um eine Fortsetzung einer sehr langen Klimagerechtigkeitsarbeit, welche von Gruppen wie Ende Gelände geleistet wird. Es wird sicherlich nicht die letzte Aktion sein.“
„Zur Eskalation der Klimakrise beigetragen“: Greta Thunberg richtet scharfe Kritik an die deutsche Politik
Für die deutsche Politik fand die Gründerin von Fridays for Future klare Worte. „Es ist wichtig, dass wir Deutschlands Verantwortung in der Klimakrise hervorheben“, sagte sie. „Die fossile Energieinfrastruktur, die Militarisierung und sozial ungerechte Politik haben über eine lange Zeit sehr stark zur Eskalation der Klimakrise beigetragen, welche schon heute Menschen tötet, und es wird noch viel, viel schlimmer.“
Das Handeln der Politiker bezeichnete Thunberg als einen „kompletten Verrat an Menschen, die schon heute unter Krisen leiden“, sowie an zukünftigen Generationen. Soziale Krisen, Genozide, Ungleichheiten und Umweltdesaster seien von den Machthabern vorangetrieben worden. Deutschland habe sich „sehr bewusst“ in einer Art und Weise verhalten, welche die Lebensumstände von Menschen verwüste – „heute und in der Zukunft“.
Auch den Umgang mit Aktivistinnen und Aktivisten kritisierte sie scharf: „Die Repressionen, welchen sich Menschen ausgesetzt sehen, die sich für Menschenrechte und die Einhaltung internationaler Gesetze einsetzen, sind eine Schande. Es ist eine Schande, wie Deutschland sich zum wiederholten Mal dazu entscheidet, auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen.“
Greta Thunbergs Besuch in Hamm ist eine absolute Überraschung
[Erstmeldung] Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist überraschend in Hamm eingetroffen. Nach Informationen vor Ort ist sie seit Donnerstagnachmittag, 28. Mai, in der Stadt und zu Fuß auf dem Weg zum Klima-Camp im Lippepark gewesen – wo sie gegen 17 Uhr ankam, wie Reporter von wa.de berichten. Thunberg ist die Gründerin von Fridays for Future und das international bekannteste Gesicht der Klimabewegung.
Das Klima-Camp im Lippepark hat sich seit Mittwoch deutlich gefüllt. Nach Schätzungen von Reportern vor Ort hat sich die Teilnehmerzahl seit dem Vortag mindestens verdoppelt. Busse aus Belgien, Frankreich, Schweden, Norwegen und Finnland bringen weitere Aktivisten nach Hamm. Nach Angaben der Organisation Ende Gelände werden rund 500 international angereiste Aktivisten erwartet – bei der Großdemonstration am Samstag, 30. Mai, könnten es Tausende werden.
„Wir machen das nicht aus Spaß an der Freude“: Aktionen „zivilen Ungehorsams“ angekündigt
Der Protest richtet sich gegen die Pläne der Bundesregierung, neue Gaskraftwerke als Reserve für die Stromversorgung zu bauen. Im Ruhrgebiet ist der größte Ausbau geplant – auch im Bereich Hamm haben RWE und Trianel grundsätzliches Interesse an Neubauten gezeigt. Am Gersteinwerk an der Grenze zu Hamm soll am Samstag die Großdemonstration stattfinden, zu der Greenpeace, Fridays for Future, Campact und der BUND aufrufen.
Ende Gelände hat für Freitag mehrere Aktionen „zivilen Ungehorsams“ angekündigt, bei denen rund 1.500 Aktivisten im Einsatz sein sollen. Blockadetechniken werden derzeit im Camp trainiert – die Aktivisten betonen, dass von ihnen keine Gewalt ausgehen werde.
Auf einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag machten die Veranstalter ihre Positionen deutlich. Tomke Jansen von Ende Gelände erklärte: „Gas ist in jeder Hinsicht eine Risikotechnologie: Gas ist ein Klimakiller und Brandbeschleuniger für ökologische und soziale Zerstörung.“ Die Klimaaktivistin Ina-Maria Shikongo aus Namibia ergänzte: „Wir schützen unseren Planeten. Es ist unser Menschenrecht, sich dafür einzusetzen. Wir brauchen kein Gas!“
Anna-Lena Schrimpf von Fridays for Future Hamm betonte: „Wir machen das alles hier nicht aus Spaß an der Freude – wir merken, dass wir in der aktuellen Energiepolitik völlig danebengehen.“
Einer der größten Polizeieinsätze in der Historie Hamms – Großdemo hat weitere Auswirkungen auf Stadt
Fridays for Future hat beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen einen Eilantrag gegen Versammlungsbeschränkungen eingereicht. Die Polizei hatte eine Demo unmittelbar vor dem Gersteinwerk verboten und stattdessen einen Ersatzstandort in Sichtweite des Werks festgelegt. Das Gericht hat das Polizeipräsidium Dortmund um Stellungnahme gebeten; eine Entscheidung steht noch aus.
Der Einsatz gilt als einer der größten in der Geschichte der Stadt Hamm. Allein am Hauptbahnhof waren am Donnerstagvormittag zehn Mannschaftswagen der Polizei präsent. Einsatzleiter Stefan Schacht warnte: Wer Straftaten begehe, in gesicherte Bereiche eindringe oder kritische Infrastruktur gefährde, müsse mit konsequentem Einschreiten rechnen.
Die Großdemonstration am Samstag hat auch praktische Folgen für Hamm: Der Wertstoffhof in Bockum-Hövel bleibt ganztägig geschlossen, bei der Müllabfuhr im gesamten Stadtgebiet kann es zu Verzögerungen kommen. Im Bereich zwischen Gersteinwerk, Müllverbrennungsanlage und Lippepark sind erhebliche Verkehrsbehinderungen zu erwarten.
Rubriklistenbild: © Andreas Rother/Montage




