Populisten auf dem Vormarsch

AfD gewinnt an Macht: Wie „blau“ wird das Ruhrgebiet?

Im Ruhrgebiet steht der AfD bei der Kommunalwahl 2025 ein starker Zuwachs bevor. Der Machtverlust trifft besonders SPD-Hochburgen. Experten raten dennoch zu zurückhaltenden Einschätzungen.

Hamm – Die AfD steht im Ruhrgebiet vor erheblichen Zugewinnen bei der Kommunalwahl am 14. September 2025 in NRW. Während die in Teilen rechtsextreme Partei im Jahr 2020 in der als „Herzkammer der Sozialdemokratie“ bekannten Region mit ihren SPD-Hochburgen noch einstellige Ergebnisse erzielte, prognostizieren aktuelle Umfragen landesweit Werte von bis zu 20 Prozent oder sogar darüber hinaus. Besonders im Ruhrgebiet scheint die AfD mit populistischen Forderungen auf fruchtbaren Boden zu stoßen. Die Folge könnten erhebliche Machtverschiebungen sein.

In der Ruhrgebietsmetropole Gelsenkirchen kann die AfD auf viele Stimmen hoffen.

In traditionellen SPD-Hochburgen wie Gelsenkirchen und Duisburg zeichnet sich ein besonders dramatischer Wandel ab. In Gelsenkirchen, wo die AfD bei der letzten Bundestagswahl bereits 24,7 Prozent erreichte und damit erstmals vor der SPD (24,1 Prozent) lag, könnte es jetzt im September zu einer Bürgermeisterwahl mit AfD-Beteiligung in der Stichwahl kommen. Der AfD-Kandidat Norbert Emmerich tritt dort unter anderem gegen die SPD-Kandidatin Andrea Henze an, die ohne den wichtigen Amtsbonus der nicht mehr antretenden Oberbürgermeisterin Karin Welge kämpfen muss.

AfD im Ruhrgebiet: Populismus trifft auf Resonanz

Auffällig: Die AfD punktet dort, wo die Probleme des Strukturwandels offenkundig sind. Die hohen Arbeitslosenquoten in Ruhrgebietsstädten wie Gelsenkirchen (12,3 Prozent) schaffen ein günstiges Umfeld für Wahlprogramme bei der Kommunalwahl in NRW mit populistischen Ansätzen.

Experten wie der Bonner Politikprofessor Volker Kronenberg meinen jedoch, dass das Ruhrgebiet „sicher nicht flächendeckend blau“ werde, auch wenn die AfD die anderen Parteien „ordentlich unter Druck“ setzen werde. Im Gespräch mit der Bild gab er damit teilweise Entwarnung: Im Falle von Stichwahlen mit Beteiligung eines Kandidaten der AfD, würden sich die anderen Parteien gegen ihn zusammenschließen, so der Politikwissenschaftler. Dies könnte die tatsächliche Macht in den Rathäusern begrenzen, auch wenn die AfD in den Stadtratswahlen in NRW deutlich zulegt.

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Landesweit zeigt sich bei der Kommunalwahl NRW 2025 ein differenziertes Bild der AfD-Performance. Während die AfD von strukturellen Problemen im Ruhrgebiet profitiert und Zuspruch aus entsprechenden sozialen Milieus erhält, offenbart sich das mit Blick auf andere Regionen als klare Schwäche der Partei. Im traditionell CDU-geprägten Münsterland dürfte sie es eher schwerer haben. In der Studentenstadt Münster selbst ohnehin, ist diese doch links-grün orientiert. Auch im Raum Köln könnten die Populisten auf ähnliche Probleme stoßen.

Im Sauerland wiederum könnte sie von einem konservativen Rechtsruck profitieren, der auch christdemokratische Wähler ins AfD-Lager spülen könnte. Die Region, die traditionell als CDU-Hochburg gilt, hat dies bereits bei der Bundestagswahl erlebt. Im Hochsauerlandkreis erreichte die AfD 16,7 Prozent der Zweitstimmen – mehr als eine Verdopplung gegenüber 2021 (7,4 Prozent). Besonders stark schnitt die Partei in Marsberg (19 Prozent) und Arnsberg (17,5 Prozent) ab, wo sie teilweise in einzelnen Wahlbezirken über 36 Prozent erreichte. In Arnsberg-Moosfelde holte die AfD sogar in einem Wahlbezirk 50 Prozent der Erststimmen.

Rubriklistenbild: © Christoph Reichwein/dpa

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