Wirtschaftssanktionen
Westlicher Autobauer zurück nach Russland? Milliardenschwere Investitionen erforderlich
Vor dem Abschied aus Russland war das Land für Renault ein lukrativer Absatzmarkt. Schon bald könnte es zu einer Rückkehr kommen – das würde jedoch sehr teuer.
Moskau/Paris – Vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Renault der größte westliche Autobauer in Russland, maßgeblich durch die Mehrheitsbeteiligung an Lada-Hersteller AvtoVAZ.
Infolge der Eskalation stellte das französische Unternehmen im März 2022 den Betrieb in seinem Moskauer Renault-Werk ein und verkaufte im Mai desselben Jahres seinen damaligen Anteil in Höhe von 67,69 Prozent für einen symbolischen Rubel an das russische Forschungsinstitut NAMI.
Dieser Verkauf beinhaltete eine Rückkaufoption innerhalb von sechs Jahren, welche schon bald aktiviert werden könnte.
Mögliche Rückkehr von Renault nach Russland: Kosten und Bedingungen
Ein mögliches Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine haben Diskussionen über eine Rückkehr westlicher Unternehmen, einschließlich Renault, entfacht.
Laut AvtoVAZ-Chef Maxim Sokolov müsste Renault im Falle einer Rückkehr nach Russland mindestens 112,5 Milliarden Rubel (umgerechnet rund 1,25 Milliarden Euro) bezahlen, um die seit dem Verkauf getätigten Investitionen von AvtoVAZ und dem russischen Staat zu kompensieren.
Der Grund: Laut Reuters investierte der russische Autokonzern zwischen 2022 und 2024 rund 67,5 Milliarden Rubel, plant darüber hinaus für 2025 weitere 45 Milliarden Rubel an Investitionen.
Rückzug westlicher Hersteller: Russlands Automarkt hat sich verändert
Dabei hat sich der russische Markt seit dem Rückzug westlicher Automobilhersteller verändert: Chinesische Hersteller wie Chery und Geely haben die entstandene Lücke der Europäer, Japaner und Südkoreaner mehr oder weniger ausgefüllt und dominieren nun den Markt mit einem Anteil von über 50 Prozent.
Dabei nutzen Anbieter auch ehemalige Produktionsstätten westlicher Unternehmen und montieren dort Fahrzeuge für den lokalen Markt. Für Russlands Autobauer ging es offenbar ebenfalls auswärts: Laut Reuters wuchs der Anteil zwischenzeitlich von etwa 20 Prozent auf 30.
Als Renault Russland verließ, ging der zweitgrößte Absatzmarkt flöten
Die Entscheidung, Russland zu verlassen, kostete den französischen Autokonzern Renault laut einem Bericht der Financial Times fast 2,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig verlor der Hersteller den Angaben zufolge seinen zweitgrößten Markt nach dem Heimatland. Über eine Wiederkehr auf den russischen Markt nahm dem Bericht zufolge kürzlich Renault-Chef Luca de Meo Stellung und bezeichnete einen Rückkauf von AvtoVAZ als mögliche Option: „.(...)Wir sind Geschäftsleute. Wenn wir eine Geschäftsmöglichkeit sehen, versuchen wir, sie zu ergreifen.“
Dabei wäre eine Rückkehr westlicher Hersteller nach Russland mit erheblichen Herausforderungen verbunden: Neben den hohen Kosten müssten sich Renault und Co. in einem Markt behaupten, der inzwischen von heimischen und chinesischen Marken dominiert wird.
Westliche Autobauer und die Herausforderungen einer Russland-Rückkehr
In einem Interview mit der Zeitung Wedomosti stellte der erste stellvertretende Ministerpräsident Denis Manturow vor Monaten fest, dass die westliche Autoindustrie im Gegensatz zu vielen anderen Branchen „einfach geflohen“ sei, indem sie „die Tür zugeschlagen hat“. Alternative (vor allem chinesische, d. Red.) Partner, die westliche Hersteller ersetzten, boten die Möglichkeit, ihre Plattformen zu viel besseren Bedingungen zu nutzen, ergänzte Manturow.
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Zudem erschweren westliche Sanktionen grenzüberschreitende Zahlungen und Handelsströme, was eine Massenrückkehr unwahrscheinlich macht. Es gibt jedoch Anzeichen aus den USA, dass die schon bald gelockert werden könnten. (PF)
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