Verkäufer verunsichert
Trump bringt Amazon in die Bredouille: Zölle treffen das wichtigste Event des Jahres
Amazon-Gründer Jeff Bezos hat US-Präsident Donald Trump im Januar noch unterstützt. Jetzt treffen seine Zölle seine Plattform besonders hart.
Washington – Der erste Schock über die Zölle von US-Präsident Donald Trump mag vorüber sein, doch die wirtschaftlichen Folgen sind es noch lange nicht. Vor allem der Handelskrieg mit China und den Megazöllen von 145 Prozent auf nahezu alle Waren aus dem Reich der Mitte belasten die Weltwirtschaft. Ökonomen erwartet dadurch schon eine deutliche Verlangsamung der US-Wirtschaft, die Gefahr einer Rezession ist außerdem deutlich gewachsen.
Besonders hart treffen die Zölle kleine und mittelständische Unternehmen in den USA. Doch wie die Nachrichtenagentur Reuters nun meldet, hat auch der Online-Gigant Amazon jetzt ein dickes Problem.
Verkäufer können sich Amazon Prime Day 2025 nicht mehr leisten
So haben zahlreiche Verkäufer, die üblicherweise ihre Waren auf Amazon verkaufen, ihre Teilnahme am Amazon Prime Day in den USA abgesagt. Die Deadline für die Zusage ist der 23. Mai 2025. Der Amazon Prime Day findet im Juli statt und ist der weltweit umsatzstärkste Zeitraum für die Webseite. 2023 hat Amazon am Prime Day 12,9 Milliarden US-Dollar weltweit erwirtschaftet. Ebenfalls besonders stark sind der Black Friday (9,8 Mrd. US-Dollar in den USA 2023) und der Cyber Monday (12,4 Mrd. Dollar in den USA 2023).
Darüber hinaus gewinnt Amazon am Prime Day üblicherweise viele Kunden für den Premiumservice Prime, da das Event ausschließlich für deren Mitglieder zugänglich ist. Nach Schätzungen der Finanzberatungsfirma CFRA erwirtschaftet Amazon alleine am Prime Day gut zwei Prozent seines Gesamtjahresumsatzes.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen




Doch dieses Jahr könnte der Umsatz am Prime Day erstmals seit 2015 sinken. Reuters hat mit mehreren Verkäufern gesprochen, die es sich nicht leisten können, dieses Jahr ihre Produkte zu einem Angebotspreis anzubieten und daher am Prime Day nicht mitmachen können. Stattdessen versuchen viele der Unternehmen, die ihre Produkte in China herstellen lassen, möglichst viel Inventar in den USA zu horten, bevor sie die Zölle aufschlagen müssen. Andere versuchen ihre Produktion in andere Länder zu verlagern, zum Beispiel nach Vietnam oder Kambodscha.
US-Händler können Preise durch neue Zölle nicht festlegen
Am härtesten getroffen werden die Drittanbieter sein, die ihre Waren bei Amazon verkaufen dürfen, die Abwicklung aber selbst organisieren. Das Unternehmen verkauft aber auch eigene Waren sowie solche, die im Großhandel eingekauft werden. Viele dieser Produkte werden auch in China hergestellt; doch viele Händler haben im März und April mehr eingekauft als sonst, um die Zölle erstmal durchzustehen. Diese Möglichkeit haben kleine Unternehmen oft nicht, entweder weil das Kapital nicht reicht oder weil es an Lagerkapazitäten mangelt.
Ein weiterer Grund für den Verzicht am Prime Day liegt an der Unsicherheit. Es ist völlig unklar, wie lange die Zölle auf Waren aus China bleiben werden und wie hoch sie im Juli sein werden. So kann kein Unternehmen seine Preise festlegen – und Angebote auf Waren bleiben dann einfach unmöglich.
Trump hat nach seinem „Liberation Day“ am 2. April, als er weitreichende Zölle auf alle Länder der Welt verkündet hatte, mehrmals zurückgerudert. So gewährte er für alle Länder außer China eine 90-tägige Zollpause, es bleibt aber ein Universalzoll von zehn Prozent. Für einige Waren, wie Autos und Autoteile, gelten 25 Prozent, ebenso wie auf Stahl und Aluminium. Trump hat nun aber signalisiert, hier auch entschärfen zu wollen.
Rubriklistenbild: © Richard Vogel/AP/dpa