„Hohes Maß an Unsicherheit“
Maut für Hormus-Durchfahrt: Bis zu zwei Millionen Dollar – deutsche Reeder lehnen Zahlung ab
Mehr als 2000 Schiffe und 20.000 Seeleute sitzen im Persischen Golf fest – darunter 50 deutsche Schiffe. Das Risiko, beschossen zu werden, „ist real“.
Vor dem Iran-Krieg passierten täglich rund 120 bis 150 Schiffe die Straße von Hormus. Seit dem US-israelischen Angriff auf Teheran ist damit Schluss. Der Verband deutscher Reeder (VDR) ist besorgt über die Sicherheit der Handelsschifffahrt im Persischen Golf. Da die Meerenge blockiert ist, sitzen in der Region mehr als 2000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten fest, wie VDR-Präsidentin Gaby Bornheim in Hamburg sagte. Darunter seien mindestens 50 Schiffe von zehn deutschen Reedereien mit etwa 1000 Seeleuten an Bord. Rund 20 Handelsschiffe seien bereits attackiert worden.
Eine Kommission im iranischen Parlament hat diese Woche eine Einführung von Mautgebühren in der Straße von Hormus gebilligt, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das iranische Staatsfernsehen berichtet. Die Gebühr beträgt bis zu zwei Millionen Dollar, schreibt Bloomberg. Laut der WirtschaftsWoche sollen bisher zwei Schiffe für die Durchfahrt eine unbekannte Summe in der chinesischen Währung Yuan gezahlt haben.
Straße von Hormus: VDR will sich nicht auf die Maut verlassen – „hohes Maß an Unsicherheit“
Der VDR sieht die Maut kritisch. Laut Verbandssprecher Carsten Duif würden VDR-Mitgliedsunternehmen weder die Zahlung einer Maut „noch eine Passage unter diesen Bedingungen“ in Betracht ziehen, wie die WirtschaftsWoche Duif zitiert. Aus deutscher Sicht seien die Bedingungen immer noch unklar und intransparent. Man könne sich nicht auf eine sichere Durchfahrt verlassen. „Insgesamt entsteht dadurch ein hohes Maß an Unsicherheit, das für die Schifffahrt schwer kalkulierbar ist.“
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Die Versorgungslage der festsitzenden Seeleute bezeichnete VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger als gut. Die Schiffe hätten Proviant für rund vier Wochen an Bord und es gebe auch die Möglichkeit zur Nachversorgung. Aber: „Das Risiko, beschossen zu werden, ist real.“ Verlassen könnten die Crews ihre Schiffe nicht, da diese nicht einfach wie ein Auto geparkt werden könnten. Die Schiffe seien in Betrieb und müssten überwacht und betreut werden. Kröger sagte, die Arbeiten erfolgten wegen der Gefahren aber vor allem unter Deck.
Schiffe mit Verbindung zum Iran können die Straße von Hormus passieren
Nur vereinzelte Schiffe passieren die Meerenge noch – viele davon mit Verbindungen zum Iran, schreibt Bloomberg. Über die Straße von Hormus wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels sowie große Mengen an Lebensmitteln, Metallen und anderen Gütern exportiert.
Die deutsche Handelsflotte umfasste im vergangenen Jahr 1716 Schiffe, minimal weniger als im Jahr zuvor, wie Bornheim sagte. Deutschland habe damit die siebtgrößte Handelsflotte der Welt. Davor liegen unter anderem China, Griechenland und Japan. Bei den Containerschiffen liegt Deutschland den Angaben zufolge im weltweiten Vergleich auf Platz zwei und damit vor China, aber hinter der Schweiz. Dass die Schweiz ohne jeden Zugang zu einem Meer ganz oben auf dem Treppchen steht, liegt allein an der weltgrößten Reederei MSC, die ihren Sitz in Genf hat. (Quellen: dpa/AFP/Bloomberg/Wirtschaftswoche) (sischr)
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