„Bestellungen aufgekündigt“
Indien wendet sich von Russland ab – Putin-Klatsche nach Sanktionen
Die USA haben neue Öl-Sanktionen gegen Russland beschlossen. Das verursacht ein Umdenken in Indien. Das Land hat seine Russland-Einkäufe eingestellt.
Neu-Delhi – Indien könnte sich jetzt endgültig von Russland trennen. Angeblich haben indische Öl-Raffinerien keine neuen Bestellungen mehr für russisches Öl platziert, seitdem die neuen US-Sanktionen gegen die russischen Mega-Unternehmen Lukoil und Rosneft gelten. Sie warten auf Klarstellungen – sowohl vonseiten der Regierung als auch der Versorger.
Wegen US-Sanktionen – Indien kauft kein Öl mehr von Putin
„Wir haben noch keine Bestellungen für neue Lieferungen platziert“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine anonyme Quelle. „Und wir haben einige Bestellungen aufgekündigt, die von Händlern mit Banden zu den sanktionierten Entitäten aufgesetzt wurden.“
Einige Raffinerien haben sich dem Spotmarkt zugewandt, um alternative Versorger zu finden. Das sollen Quellen aus der Industrie mitgeteilt haben. Der Staatskonzern Indian Oil gab aber am Dienstag (28. Oktober) an, er werde nicht aufhören, russisches Öl zu kaufen – das wolle er jedoch nur unter der Voraussetzung tun, dass der Kauf sanktionskonform verläuft.
All das passiert vor dem Hintergrund, dass sowohl die EU als auch das Vereinigte Königreich und die USA die Sanktionen noch einmal verschärft haben. Ende Oktober haben die USA unter anderem neue Sanktionen gegen die beiden wichtigsten russischen Ölkonzerne verhängt.
Öl-Importe nehmen stark ab – angetrieben von fehlenden Staatskonzern-Bestellungen
Ungewöhnlich daran: Indien hat sich nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs als einer der großen neuen Abnehmer für russische Waren etabliert. Wie das Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) berichtet, hat Indien im September 2025 38 Prozent der russischen Exporte von Rohöl abgenommen. Bei der Kohle waren es 20 Prozent. In beiden Kategorien hat nur China mehr gekauft als Indien.
Aktuelle Zahlen zeigen, dass Indien der zweitgrößte Käufer von russischen fossilen Treibstoffen geblieben ist. Insgesamt soll das Land dem Kreml fossile Treibstoffe im Wert von 3,6 Milliarden Euro abgenommen haben. Rohöl hat dabei mit einem Anteil von 77 Prozent die indischen Einkäufe dominiert, gefolgt von Kohle (13 Prozent) und Ölprodukten (zehn Prozent).
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CREA hat im September bereits einen Einbruch bei den Verkaufszahlen bemerkt. „Der Einbruch bei indischen Rohöl-Importen aus Russland wurde hauptsächlich von einem 38-prozentigen Einbruch der Importe von Raffinerien im indischen Staatsbesitz ausgelöst“, schrieb das Institut dazu.
Indien sucht Alternativ-Zulieferer – Golfstaaten als neue Option
Für beides – sowohl für Indiens Zuwendung nach Russland im Jahr 2022 als auch für die jetzige Abkehr – gibt es eine Erklärung: den Preis. Indien hat sich keinesfalls aus ideologischen Gründen als Käufer angeboten, sondern weil Russland die Preise nach dem Wegfall des europäischen Markts massiv drücken musste, um sein Öl loszuwerden. Indien konnte hohe Rabatte aushandeln, rettete Russlands Wirtschaft aber mit vor dem Kollaps.
Das große Aber: Indien hat schon vor Monaten klargemacht, dass es, sollte es anderswo billigeres Öl und Gas geben, schnell wieder umschwenken würde. Als Alternativ-Käufer stünden die Golfstaaten bereit. In dem Fall aber stünde dem Ölmarkt ein neues Problem bevor: Ein größerer Anteil russischen Öls würde den Markt nicht mehr betreten, und Indien würde in stärkeren Wettbewerb mit anderen Ölkäufern treten.
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