Militärkonferenz in Litauen

„Wir sind jetzt schon im Krieg“: Estlands Armeechef warnt vor Russland

Der estnische Armeechef Merilo sieht den Konflikt mit Russland als bereits begonnen an. Die baltischen Staaten müssen ihre Verteidigung stärken. Die Zeit dränge.

Talinn/Vilnius – Der Chef der estnischen Armee, Generalleutnant Andrus Merilo, hat davor gewarnt, dass der Krieg in der Ukraine nicht das Ende der russischen Aggressionen sei. „Wir sind schon im Konflikt mit Russland, wir sind jetzt schon im Krieg“, sagte Merilo am Montag (17. November) bei einer Podiumsdiskussion auf einer Militär- und Sicherheitskonferenz im litauischen Vilnius. Darüber berichtete zunächst Focus Online.

Andrus Merilo, der Befehlshaber der estnischen Streitkräfte, sieht das Baltikum und die NATO bereits im Krieg mit Russland. (Archivfoto)

Gemeinsam mit seinen Pendants aus Lettland, Major Kaspars Pudāns, und General Raimundas Vaikšnoras aus Litauen sprach Merilo über die sicherheitspolitischen Herausforderungen im Baltikum. Es war der erste gemeinsame öffentliche Auftritt der Oberbefehlshaber der baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Sie betonten, die Verteidigungslinien der baltischen Länder und Polens müssten in Zusammenarbeit mit der NATO rasch gestärkt werden.

Militärkonferenz in Litauen: Baltische Armeechefs warnen vor russischer Aggression

Der Oberbefehlshaber der litauischen Streitkräfte, General Vaikšnoras, erklärte: „Das Wichtigste, was wir von der Ukraine dabei lernen können, ist, die Zeit, die uns gegeben ist, dafür zu nutzen, die Verteidigungslinien der baltischen Länder untereinander stärker zu verbinden und auszubauen.“ Vaikšnoras betonte, dass die baltischen Staaten sich darauf vorbereiten müssen, „sofort innerhalb weniger Stunden bei einer russischen Aggression im Verbund mit den Nachbarn und mit Unterstützung der NATO zurückschlagen zu können“. Die verbleibende Zeit bis zu einer möglichen russischen Aggression müsse genutzt werden, um die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Lettlands Streitkräftechef, General Pudāns, hob den Wert der ukrainischen Erfahrungen für die NATO hervor. „Zentrale Punkte sind die Lehren, die die Ukrainer beim Ausbau der Verteidigung der Angriffe aus der Luft und bei der Stärkung der Industrie machen“, sagte er. Pudāns warnte, dass Russland „aus den Kämpfen in der Ukraine lernt und sich mit Übungen schon lange darauf vorbereitet hat“. Die westlichen Länder Europas sollten dies nicht vergessen. Die Erkenntnisse aus den Drohnenangriffen in der Ukraine „müssen wir uns zunutze machen“.

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Der estnische Armeechef unterstrich das. „Vom Himmel kommt die größte Gefahr.“ Er machte klar, dass ein Ende der russischen Aggressionen nicht in Sicht sei. „Wir würden gern alle in Frieden leben. Aber dafür ist es wichtig, dass wir uns jetzt darum kümmern, Vorkehrungen zu treffen, wie wir die Zerstörung von kritischer Infrastruktur verhindern können.“ Die Esten, die „ganz nah dran sind an Russland, besser als viele andere“, verstünden dies. „Russland spekuliert darauf, uns an einem Tag zu überraschen“, daher müssten die baltischen Länder und die Nato auf das „Worst-Case-Szenario“ vorbereitet sein. „Wir sind schon im Konflikt mit Russland, wir sind jetzt schon im Krieg“, fasste Merilo die Situation zusammen.

Die Konferenz „Defending Baltics“ findet vom 17. bis 18. November in Vilnius in Litauen statt. Geladen sind etwa 600 hochrangige Gäste aus Politik, Wissenschaft und Militär. Darunter sind Gäste aus Finnland, Norwegen, Großbritannien, der Europäischen Kommission, der Ukraine und Polen. Die Konferenz wurde im vergangenen Jahr erstmals organisiert. Zu den Mitinitiatoren gehört die Friedrich-Naumann-Stiftung, die in Vilnius das Büro der „Friedrich Naumann Foundation for Freedom“ betreibt. (Quelle: Focus Online, Defending Baltics) (cdz)

Rubriklistenbild: © Eero Vabamägi/Imago

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