Ukraine-Krieg
Russischer Soldat klagt an: Kreml schickt „Kinder“ ohne Munition an die Front
Die Lage an der Front im Ukraine-Krieg ist für Russlands Soldaten prekär. Einer erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Führung im Kreml.
Moskau – Enormer Blutzoll an der Front: Russland stellt seine Offensive im Ukraine-Krieg nicht ein – doch der Preis für Geländegewinne ist hoch. So steigen die Verluste in dem Feldzug weiter an. Innerhalb der Armee regt sich deswegen nun Widerstand.
So hat ein russischer Soldat die unhaltbaren Zustände für Putins Truppen öffentlich angeprangert. Sogar 18-jährige „Kindersoldaten“ würden ohne Waffen von Russland in den Angriffskrieg geschickt, zitierte ihn das US-Nachrichtenmagazin Newsweek und bezog sich dabei auf ein Video, das auf der Plattform X gepostet wurde. Für alle Soldaten werde die Kriegssituation an der Front immer bedrohlicher, da Hunger und Kälte nahten, ohne Essen und Winterkleidung.
Verluste im Ukraine-Krieg: Russlands Soldaten beklagen Zustand in der Armee
Tatsächlich sind die Verluste für Russland zuletzt wieder deutlich gestiegen. Seit Beginn des Krieges am 24. Februar 2022 sollen die Streitkräfte des Kremls aktuell mindestens 313.470 Soldaten verloren habe. Dies teilte der Generalstab der Ukraine am Dienstag in einem Facebook-Post mit. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben aber nicht.
Immer wieder gibt es laut Newsweek aber Berichte über unzureichend ausgebildete und schlecht ausgerüstete russische Soldaten, die im Kampf ihr Leben ließen. Meist seien sie sehr jung, zwischen 18 und 20 Jahre alt. Ursprünglich war das Video über die Soldaten im Krieg von Anton Geraschenko in den sozialen Netzwerken veröffentlicht worden. In dem Clip sagte ein russischer Soldat: „Ich nehme dieses Video im Namen des Kamtschatka-Bataillons auf, das gerade zum Abschlachten geschickt wurde. Hier sind 18-jährige Kinder ohne Ausbildung gestorben. Sie haben nicht einmal geschossen, weil sie keine Munition haben.“
„Wir wurden mit leeren Händen hierher geschickt“, sagte der Soldat weiter. „Jeden Tag gibt es Tote und Verwundete. Menschen sterben. Menschen sind ungeschult. Keine Ausrüstung. Wir halten unsere Position, so gut wir können, wir geben sie nicht auf. Aber hier sterben viele von uns.“ Der Soldat berichtete, dass viele Truppen „bald“ an „Hunger und Kälte“ sterben würden, weil es an Rationen und angemessener Kleidung mangele, wenn die kalten Wintermonate Einzug hielten.
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Während er die jungen Erwachsenen immer noch als „Kinder“ bezeichnete, fügte der Soldat hinzu, dass „die Hälfte“ der Einheit bereits getötet worden sei. Er verurteile den Gouverneur von Kamtschatka, Wladimir Solodow, das Bataillon gebildet zu haben. „Sie haben gerade Kinder Schüssen ausgesetzt“, sagt der Soldat. „Wie werden Sie den Eltern der toten Kinder, die 18 bis 20 Jahre alt sind, in die Augen sehen? Ich verstehe Sie einfach nicht, Solodow.“ Ob das Video echt ist, ist nicht eindeutig belegbar.
Kritik an Solodow: USA verhängt Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg
Solodow hatte die Bewohner von Kamtschatka im Osten Russlands aufgefordert, sich einem Freiwilligenbataillon anzuschließen, um mit Einjahresverträgen in der Ukraine zu kämpfen. Allerdings wurde er wegen angeblicher Nichteinhaltung der Vertragsbedingungen kritisiert. Das US-Außenministerium prüft bereits neue Sanktionen gegen russische Beamte wie Solodow. Laut tagesschau.de wies die US-Behörde aber darauf hin, dass es wohl zu den Pflichten russischer Gouverneure gehöre, „Bürger zum Kampf in der Ukraine einzuberufen“.
Der Gouverneur von Kamtschatka ist jedoch kein Unbekannter. Die britische Regierung hatte bereits in diesem Jahr Sanktionen gegen ihn erlassen. Denn Solodow wird auch beschuldigt, bei der illegalen Abschiebung ukrainischer Kinder nach Russland mitgewirkt zu haben. Internationale Organisationen hatten das Verschwinden von hunderten Kindern angeprangert, weswegen der Internationale Strafgerichtshof bereits ermittelt und teilweise auch Haftbefehle erlassen hat. (Lisa Mariella Löw)
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