Druck auf Präsidenten steigt
Epstein-Affäre: Mutmaßliche Trump-Mails veröffentlicht – „Mehrere Stunden mit ihm verbracht“
Die Epstein-Affäre belastet Donald Trump noch immer. Nun erhöhen mutmaßliche Mails den Druck auf den US-Präsidenten – und bringen neue Brisanz in den Fall.
Washington, D.C. – In der Affäre um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein steigt der Druck auf dessen früheren Weggefährten Donald Trump. Nun veröffentlichten die Demokraten im einflussreichen Kongressausschuss Oversight Committee am Mittwoch mutmaßliche E-Mails von Epstein, in denen dieser anzugeben scheint, Trump sei über den Missbrauch minderjähriger Frauen im Bilde gewesen.
Trump „wusste von den Mädchen“, zitieren die Demokraten im Repräsentantenhaus Epstein in einer der Mails aus dem Jahr 2019. Ein Missbrauchsopfer habe „Stunden mit ihm in meinem Haus verbracht“, habe der pädophile Sexualstraftäter laut der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera geschrieben.
Epstein schrieb in mehreren Mails über Donald Trump
Die Epstein-Mails waren den demokratischen Abgeordneten zufolge an dessen Komplizin Ghislaine Maxwell gerichtet, die wegen Sexhandels mit Minderjährigen und weiterer Vergehen eine 20-jährige Haftstrafe absitzt. Weitere E-Mails habe Epstein an den Enthüllungsjournalisten Michael Wolff gerichtet, der über Trumps Verwicklung in den Fall berichtet hat, hieß es.
Das Weiße Haus hat der Demokratischen Partei derweil eine Kampagne gegen Donald Trump vorgeworfen. „Die Demokraten haben selektiv E-Mails an liberale Medien durchsickern lassen, um eine falsche Erzählung zu schaffen, die Präsident Trump diffamieren soll“, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, am Mittwoch.
Die lange Liste Jeffrey Epsteins: Donald Trump, Prinz Andrew und viele mehr




Den Demokraten zufolge war während eines Trump-Aufenthalts bei Epstein eines von Epsteins Missbrauchsopfern anwesend, der Name wurde jedoch nicht veröffentlicht. Dem Weißen Haus zufolge handelt es sich bei der jungen Frau um Virginia Giuffre, die sich im April im Alter von 41 Jahren das Leben genommen hatte. Im Oktober erschienen posthum die Memoiren der US-Australierin. Sie klagte darin den britischen Prinzen Andrew an, sie als Minderjährige missbraucht zu haben.
Trump-Sprecherin Leavitt betonte, Giuffre habe dagegen „wiederholt gesagt, dass Präsident Trump in keinerlei Fehlverhalten verwickelt war“ und sich immer freundlich ihr gegenüber verhalten habe. Bei dem Vorstoß der Demokraten handele es sich deshalb um „böswillige Versuche, von den historischen Errungenschaften von Präsident Trump abzulenken“, erklärte Leavitt.
Trump will nichts von Epstein-Akten wissen – doch eine Petition könnte alles ändern
Donald Trump war in dem Epstein-Fall im eigenen Lager unter Druck geraten, weil seine Regierung nicht wie versprochen Licht in den Skandal gebracht hat. Dabei hatte Trump monatelang damit Wahlkampf gemacht, die Epstein-Akten bei einem Wahlsieg veröffentlichen zu wollen.
Ein Fehlverhalten in der Affäre konnte Trump zwar nie nachgewiesen werden, doch der Druck auf den US-Präsidenten könnte noch weiter steigen: Am Mittwoch wird in Washington die neugewählte, demokratische Abgeordnete des Repräsentantenhauses, Adelita Grijalva, vereidigt. Mit ihrer Stimme könnten Republikaner und Demokraten eine parteiübergreifende Petition beschließen, um alle Epstein-Akten zu veröffentlichen. Dafür sind im Repräsentantenhaus 218 Stimmen nötig, bisher fehlte eine Stimme zur Verabschiedung.
Der verurteilte Sexualstraftäter Epstein war 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden. Ihm wurde vorgeworfen, zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht und Prominenten zugeführt zu haben. In der Vergangenheit beteuerte Trump stets seine Unschuld und beschwerte sich gar über die laufende Berichterstattung über Epstein. (Quellen: AFP, Corriere della Sera) (nak)
Rubriklistenbild: © Lena Voelk/AFP
