Streit um Russland-Importe

„Unfair“: Indien verurteilt Doppelmoral nach Trumps Zollerhöhung

Die USA steigern Zölle auf indische Waren – wegen Öl aus Russland. Indien verurteilt eine westliche Doppelmoral. Die Beziehungen verschlechtern sich.

Neu-Delhi – Kurz vor dem Ablauf des Russland-Ultimatums belegt US-Präsident Donald Trump Indien mit zusätzlichen Zöllen. Grund sind die Ölimporte aus Russland. Indien schießt prompt zurück und verurteilt die USA und die EU für ihre Importe aus Russland. Vor diesem Hintergrund seien Trumps Maßnahmen „unfair, ungerechtfertigt und unangemessen“, hieß es in einer Erklärung.

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Trump macht Indien schwere Vorwürfe wegen Ukraine-Krieg: Zölle sollen verdoppelt werden

Die Zölle in Höhe von 25 Prozent sollen 21 Tage nach der Unterzeichnung des Dekrets am Mittwoch (6. August) in Kraft treten, also am 27. August. Damit würde sich der Zollsatz, der aktuell bei 25 Prozent liegt, verdoppeln.

„Es ist bemerkenswert, dass genau die Länder, die Indien kritisieren, weiterhin Handel mit Russland treiben. Anders als bei uns wird ihr Handel nicht von lebenswichtigen nationalen Notwendigkeiten diktiert“, reagierte Indiens Außenministerium in einer früheren Erklärung nach Trumps Zoll-Ankündigung, auf die das Außenministerium erneut verwies. Die Notwendigkeit sei durch die globale Marktsituation und den Bedarf für verlässliche, bezahlbare Energie zu erklären, hieß es.

Eigentlich eint US-Präsident Trump und Indiens Premierminister Modi eine Freundschaft.

Donald Trump warf Indien jedoch laut BBC vor: „Indien kümmert sich nicht darum, wie viele Menschen in der Ukraine von der russischen Kriegsmaschinerie getötet werden“. Indien hielt dagegen. Es hieß, die USA hätten Ölimporte aus Russland durch Indien zum Beginn des Ukraine-Kriegs aktiv gefördert, um die globale Marktstabilität zu stärken.

Düngemittel, Atomstoffe, Öl und Gas: EU und USA importieren weiterhin aus Russland

Die EU und die USA kauften weiterhin Ressourcen aus Russland, darunter Düngemittel und Chemikalien. Reuters berichtete ebenfalls über Importe aus Russland. Aktuelle Eurostat-Daten zeigten demnach, dass Importe im ersten Quartal 2025 im Vergleich zum ersten Quartal um 86 Prozent gesunken sind. Öl, Nickel, Gas, Düngestoffe, Eisen und Stahl importiert die EU dennoch aus Russland. Eine Übersicht:

Ressource aus RusslandImportanteile der EU im ersten Quartal 2025
Öl2,01 Prozent (insgesamt)
Gas17 Prozent (insgesamt)
Eisen und Stahl7,71 Prozent (nicht-EU Importe)
Düngemittel25,62 Prozent

Auch bei den USA waren Importe aus Russland gesunken, wie Daten des US-Zensusbüros und US-Büros für Wirtschaftsanalyse zeigte. In der ersten Jahreshälfte 2025 lag die Importmenge bei 2,5 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: In der ersten Jahreshälfte 2021 lag die Importmenge bei 14,14 Milliarden US-Dollar. Die Importe bestanden aus Düngemittel, angereicherten Atomstoffen (Uranium und Plutonium).

Indien-Importe aus Russland steigen seit Beginn des Ukraine-Kriegs – vor allem Ölimporte

Im Gegensatz dazu berichtete Reuters, dass Indiens Importe aus Russland in den letzten Jahren massivst gestiegen sind. Waren es im Jahr 2021 laut dem indischen Handelsministerium noch 8,25 Milliarden US-Dollar, stieg die Menge auf 65,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Auch dort lassen sich die Importe aufschlüsseln. Ganze 52,2 Milliarden US-Dollar der gesamten Importmenge stammte von Ölimporten, dazu kamen Kohleprodukte und Düngemittel. Andere große Importeure von russischem Öl und Gas sind China oder die Türkei.

Die Zahlen, die das indische Außenministerium in seiner Erklärung nennt und mit denen Indien eine Doppelmoral vorwirft, stimmen mit Statistiken der EU überein. Dort heißt es, dass im Jahr 2024 Güter im Wert von insgesamt 67,5 Milliarden Euro aus Russland importiert wurden. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 waren es 257,5 Milliarden Euro. Damit importierte die EU auch nach der massiven Reduktion in den letzten Jahren im Jahr 2024 etwas mehr als Indien.

Nach Trumps neuem Zoll-Hammer: Indien hält gegen – Westen kann Doppelmoral-Debatte nutzen

Die Sanktionen des US-Präsidenten könnten erst der Anfang sein. Wenn am Freitag (8. August) Trumps Ultimatum für einen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg ohne den gewünschten Erfolg ausläuft, könnten neue Russland-Sanktionen und 100-prozentige Zölle alle Importeure von russischem Öl schwer treffen. Darunter auch Indien oder China.

Die frühere Freundschaft zwischen den USA und Indien, vor allem während der ersten Amtszeit von Donald Trump, steht wegen der Zölle auf Spannung. Öl-Importverträge mit oft langen Laufzeiten lassen sich nicht über Nacht kündigen, zudem braucht Indien Alternativen. Das könnte Trumps Geduld schnell überstrapazieren. Auf der indischen Seite schwächt wohl die Wahrnehmung einer westlichen Doppelmoral das Verhältnis. Zu einem Bruch muss es nicht zwangsweise kommen: In vielen Sektoren ist die indische Beziehung zum Westen dennoch eng. Die Debatte kann zum Anlass genommen werden, auch die russischen Importe der EU und der USA zu reevaluieren. (lismah)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon

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