Inmitten heftiger Kämpfe

Ukraine tauscht Kommandanten in Pokrowsk aus – Soldaten sind alarmiert

Die Ukraine beantwortet die russischen Angriffe in Donezk mit Personalumbesetzungen. Ein davon betroffenes Bataillon löst deshalb einen Alarm aus.

Pokrowsk – Im Ukraine-Krieg könnten die entscheidenden Tage bevorstehen. Denn im fernen Amerika übernimmt Donald Trump wieder die Amtsgeschäfte als US-Präsident. Und der Republikaner hat bereits angekündigt, das Blutvergießen im von Russland überfallenen Land durch seine Intervention schnell zu einem Ende bringen zu wollen.

Bevor er seinen Worten auch Taten folgen lassen kann, herrscht im 48. Separaten Bataillon der ukrainischen Streitkräfte Unruhe. Allerdings wegen einer anderen Personalie. Denn ihr Kommandeur Lenur Isljamow wurde abgesetzt. Deswegen wendet sich das nach dem krimtatarischen Politiker und Rechtsanwalt Noman Celebicihan benannte Bataillon, das von Russland 2022 als terroristische Vereinigung eingestuft wurde, in einem Video auf Facebook an Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj.

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Ukraine-Bataillon verliert Kommandeur: „In die härtesten Schlachten geworfen“

Rund 30 Personen in Flecktarn-Uniform stehen in einem kargen Raum, in ihrer Mitte halten einige eine ukrainische Flagge mit dem Wappen des Bataillons hoch. Zunächst spricht ein männlicher Vertreter gut anderthalb Minuten in ruhigem Ton, dann übernimmt ein weibliches Mitglied für rund 30 Sekunden und gibt zum Ende hin deutlich mehr Gas.

Es ist eine Huldigung für ihren bisherigen Anführer, der das Bataillon geformt habe, das zu 90 Prozent aus Freiwilligen bestehe. Darunter sollen viele Krimtataren sein. Durch die Absetzung von Isljamow befürchten sie die Vernichtung ihrer Einheit. Sie seien vom ersten Moment an „in die härtesten Schlachten geworfen“ worden.

Dabei hätten sie „unseren Mut und unsere Effizienz“ unter Beweis gestellt. Es sei keine einzige Stellung verloren worden, weiter wird auf Dutzende erfolgreiche Angriffsoperationen und befreite Siedlungen in der Region Donezk verwiesen.

Wollen ihren Kommandeur zurück: Die Soldaten des 48. Bataillons sollen derzeit in Pokrowsk im Einsatz sein.

Bataillon von Kommandant Isljamow: Soldaten kämpfen nun in Pokrowsk

„Doch statt uns zu erholen, wurden wir vor zehn Tagen von einem Krisengebiet in ein anderes verlegt – nach Pokrowsk“, heißt es weiter: „Wir führten den Befehl aus, obwohl wir keine ausreichenden Informationen hatten. Doch gleichzeitig wurde unser Kommandant, Lenur Isljamow, entlassen und eine andere Person eingesetzt.“

Dabei sei es eben ihr Kommandeur gewesen, der das Bataillon „dank seiner Entschlossenheit und seines Kampfeswillens“ aufgestellt habe. Die Mitglieder von der Krim und aus anderen besetzten Gebieten hätten das gleiche Ziel: die Rückkehr in ihre Heimat.

Schließlich warnen die Kämpfer: „Der Wechsel des Kommandeurs in einem kritischen Moment ist eine direkte Bedrohung für die Kampffähigkeit der Einheit und untergräbt das Vertrauen der Kämpfer!“ Daher fordern sie die Befehlshaber dazu auf, das Bataillon zu retten. Was wohl heißt: Ihr alter Kommandeur soll wieder eingesetzt werden.

Attacke in der Region rund um Pokrowsk: Russische Soldaten feuern eine Haubitze ab.

Pokrowsk im Ukraine-Krieg: Russland rückt vor und berichtet von Erfolgen

Der Unternehmer Isljamow hatte einst den Sender ATR gegründet, der bei Krimtataren großen Anklang fand. Nach der Annexion der Krim durch Wladimir Putin verlor er seine Lizenz und musste aus Kiew senden. Vom sogenannten Obersten Gericht der Krim wurde Isljamow unter anderem wegen des Vorwurfs der Gründung einer Militärformation und der Sabotage in Abwesenheit zu 19 Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt, wie die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform 2020 berichtete.

Aktuell gerät die Ukraine rund um die Industrie- und Bergbaustadt Pokrowsk, wo also auch das von Isljamow ins Leben gerufene Bataillon derzeit im Einsatz sein soll, immer stärker unter Druck. Bereits im Dezember war General Oleksandr Lutsenko als Oberbefehlshaber der operativen und taktischen Einsatzgruppe Donezk durch Oleksandr Tarnavskiy ersetzt worden. Doch auch diese Personalrochade konnte nicht verhindern, dass die Russen in dieser Region langsam vorrücken.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am späten Samstagabend (18. Januar) via Telegam mit, das Dorf Wremiwka und die Siedlung Petropawlowka seien befreit worden. Auch in anderen Ortschaften in der Region würden die Truppen vorwärtskommen, hieß es in einem späteren Post. Dabei seien Einheiten und Ausrüstung von sieben mechanisierten und motorisierten Infanteriebrigaden der ukrainischen Streitkräfte und von einer Sturmbrigade der ukrainischen Nationalpolizei vernichtet worden. (mg)

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook/48 ОШБ ім. Номана Челебіджіхана

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