Putins Öllager in Flammen

Neue Zahlen beweisen es: Ukraine-Dauerbeschuss setzt Russlands Wirtschaft unter Stress

Die Ukraine verschärft ihre Angriffe auf Russlands Ölsektor und trifft erstmals Anlagen im Kaspischen Meer. Neue Zahlen zeigen spürbare Folgen für Russlands Wirtschaft.

Kiew – Kiew erweitert seine Drohnenattacken im Ukraine-Krieg gegen Russlands Energiesektor deutlich – und neue Zahlen zeigen, wie spürbar der Druck inzwischen wirkt. Erstmals meldet Kiew einen Angriff auf eine russische Öl-Förderplattform im Kaspischen Meer – während Ausfuhren, Preise und Staatseinnahmen zugleich unter Stress geraten.

Eine Förderplattform des russischen Ölkonzerns Lukoil im Filanowski-Feld im Kaspischen Meer. Die Anlage gilt als größtes Ölfeld im russischen Sektor der Region und wurde nach ukrainischen Angaben erstmals Ziel eines Drohnenangriffs.

Die Ukraine erklärte, ihre Langstreckendrohnen hätten in dieser Woche eine große Offshore-Ölplattform im Kaspischen Meer getroffen – eine zuvor nicht offengelegte Mission. Eine Quelle im ukrainischen Geheimdienst SBU sagte CNN: „Dies ist der erste Schlag der Ukraine gegen russische Infrastruktur im Zusammenhang mit der Ölproduktion im Kaspischen Meer“ und nannte ihn „eine weitere Erinnerung an Russland, dass alle seine Unternehmen, die für den Krieg arbeiten, legitime Ziele sind“.

Ölsektor unter Beschuss: Zahlen bezeugen Effektivität der Ukraine-Schläge gegen Russlands Wirtschaft

Nach Angaben eines ukrainischen SBU-Offiziellen trafen mindestens vier Drohnen die Filanowski-Plattform, die Förderung an mehr als 20 Öl- und Gasbohrungen sei gestoppt worden. Das Filanowski-Feld ist laut Reuters Teil von Russlands größtem Kaspischen Ölfeld, 2005 entdeckt, 2016 von Präsident Wladimir Putin eröffnet und produziert normalerweise etwa 120.000 Barrel pro Tag.

Der Angriff auf Russlands Wirtschaft im Ukraine-Krieg steht laut CNN für eine Ausweitung der Zielliste: Neben Raffinerien rücken Exportinfrastruktur, Pipelines, Tanker und nun Offshore-Anlagen in den Fokus. Ukraines Sanktionsbeauftragter Wladyslaw Wlasiuk bezeichnet dieses Vorgehen demnach als „Langstreckensanktionen“, die gezielt Russlands wichtigste Einnahmequelle treffen sollen.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Kim Jong-un und Wladimir Putin
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Ukraine attackiert Putins Energieanlagen: Mehr Treffer, breitere Zielpalette

Die Häufung ist statistisch greifbar: Zwischen Anfang August und Ende November habe die Ukraine mindestens 77 russische Energieanlagen getroffen – „fast doppelt so viele“ wie in den ersten sieben Monaten des Jahres, so CNN unter Verweis auf ACLED-Daten. Im November habe es den bislang höchsten Monatswert gegeben: mindestens 14 Treffer auf Raffinerien und vier Angriffe auf Exportterminals.

Neu ist laut das Muster der Wiederholung: Die Raffinerie Saratow (Rosneft) sei seit Anfang August mindestens achtmal getroffen worden – davon vier Angriffe im November. Der Kpler-Analyst Nikhil Dubey beschreibt die Logik so: „Was früher gelegentliche Schläge waren, die Schaden anrichten sollten, ist zu einem anhaltenden Versuch geworden, Raffinerien daran zu hindern, sich jemals vollständig zu stabilisieren.“

Russlands Raffinerien unter Dauerstress: Reparaturen werden gezielt ausgebremst

Kpler, ein weltweit führendes Daten- und Analyseunternehmen für Rohstoff- und Energiemärkte, beschreibt auf seiner Homepage die Folgen als zunehmend strukturell: Der Raffinerie-Durchsatz sei im Zeitraum September bis November auf rund fünf Millionen Barrel pro Tag gefallen – ein Minus von 335.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Vorjahr. Besonders Benzin sei betroffen, die heimische Verfügbarkeit habe sich spürbar verengt, die Benzinversorgung sei um etwa 120.000 Barrell/Tag, die Dieselversorgung um rund täglich 150.000 Barrell gesunken.

Kpler zufolge verlagert die Ukraine ihre Angriffe zunehmend auf zentrale Anlagen der Kraftstoffherstellung in Raffinerien – etwa Hydrocracker, FCC-Anlagen und Hydrotreating-Einheiten. Diese gelten als besonders reparaturanfällig und sind häufig auf importierte, sanktionierte Komponenten angewiesen, was Wiederanläufe verzögert und die Betriebssicherheit weiter schwächt.

Putins Exportkorridore im Visier: Häfen, Pipelines und Tanker

Parallel dazu rücken Russlands Ausfuhrwege zunehmend in den Fokus. CNN berichtet, dass Häfen wie Noworossiysk und Tuapse am Schwarzen Meer sowie Ust-Luga an der Ostsee jeweils „mehrmals“ getroffen wurden. Auch die Druschba-Pipeline, über die russisches Öl weiterhin in einzelne EU-Staaten fließt, sei seit August fünfmal angegriffen worden, was unter anderem Proteste aus Ungarn ausgelöst habe.

Reuters ergänzt, die Ukraine habe ihre Kampagne zuletzt auf Tanker ausgeweitet: Drei unregulierte Schiffe seien innerhalb von zwei Wochen im Schwarzen Meer von ukrainischen Seedrohnen getroffen worden. Russland sprach daraufhin von „Piraterie“ und drohte mit Gegenmaßnahmen, unter anderem mit Einschränkungen des ukrainischen Zugangs zu Seewegen.

Warum Russlands Ölsektor so verwundbar ist

Zentrale Einnahmequelle: Öl und Gas liefern rund ein Drittel der Einnahmen des föderalen Haushalts Russlands. In früheren Jahren lag der Anteil teils nahe 50 Prozent.

Hohe Komplexität: Russische Raffinerien bestehen aus vielen spezialisierten Prozessstufen. Fällt eine Schlüsselanlage aus, sinkt die gesamte Auslastung spürbar.

Lange Reparaturzeiten: Viele zentrale Komponenten stammen aus westlicher Technik. Sanktionen erschweren die Beschaffung, Ersatz ist möglich – aber teurer und oft mit längeren Stillständen verbunden.

Begrenzte Ausweichmöglichkeiten: Rohöl lässt sich relativ flexibel umlenken, fertige Kraftstoffe sind stärker von Raffinerien und Binnenlogistik abhängig.

Politischer Druck: Regionale Engpässe, Preissprünge und Exportstopps erhöhen den innenpolitischen Druck auf Moskau.

Preise, Exporte, Haushalt: Belastungsprobe für Russlands Budget im Ukraine-Krieg

Die Auswirkungen zeigen sich zunehmend an den Märkten. Die Internationale Energieagentur (IEA) berichtet, Russlands gesamte Ölexporte seien im November um etwa 400.000 Barrel pro Tag auf rund 6,9 Millionen Barrel pro Tag gefallen. Zugleich sei der Preis für die russische Urals-Sorte um 8,2 US-Dollar pro Barrel auf 43,52 US-Dollar gesunken – der niedrigste Stand seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022.

Für den Staatshaushalt sind die Folgen gravierend: The Moscow Times meldet unter Berufung auf das Finanzministerium, die Öl- und Gaseinnahmen seien im November um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Der britische Thinktank Chatham House ordnet ein, die ukrainischen Angriffe seien „nicht die Wunderwaffe“, erhöhten aber kontinuierlich die Kosten des Krieges für Moskau – auch wenn Russland kurzfristig mit Reparaturen und Rohölexporten reagieren könne. (Quellen: CNN, Reuters, IEA, Kpler, Chatham House, The Moscow Times) (chnnn)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ITAR-TASS

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