Angriff statt Verteidigung

Ukraine folgt Trumps Ermutigung – Offensive trifft Putin an empfindlicher Stelle

Donald Trump verlangt von der Ukraine Gegenangriffe gegen die russischen Truppen. Darauf folgt ein symbolträchtiger Schlag gegen Wladimir Putins Armee.

Pokrowsk – Er hielt sich bis Freitagvormittag (22. August) bedeckt. Die Rede ist von Kreml-Chef Wladimir Putin. Kommt er zu einem Gipfel mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj? Donald Trump hatte den Vorschlag maßgeblich mit erarbeitet. Und der US-Präsident hat der Ukraine empfohlen, militärisch in die Offensive zu gehen.

Beraten sich: Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj (li.) und US-Präsident Donald Trump.

Kiew ist eigenen Angaben zufolge im Ukraine-Krieg ein empfindlicher Gegenstoß gegen die russische Armee an einem äußerst brisanten Frontabschnitt gelungen. Es geht um die Donbass-Bastion Pokrowsk, seit Monaten Ort heftiger Kämpfe zwischen beiden Seiten. Eigentlich wollte Russland die frühere Industriestadt mit vormals 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Oblast Donezk einkesseln.

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Doch das ist nicht nur nicht passiert: Wie der ukrainische Oberkommandeur Olexander Syrskyj am Donnerstag (21. August) auf Telegram mitteilte, konnten die Ukrainer rund um den Verkehrsknotenpunkt Pokrowsk angeblich gleich sechs Siedlungen von den Streitkräften aus Russland zurückerobern. Nach wochenlanger, womöglich monatelanger Abwehrhaltung an dieser Frontlinie wäre dies eine bemerkenswerte Offensivoperation der Verteidiger im Ukraine-Krieg.

„Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit des Feindes erfüllen die Einheiten der Streitkräfte und der Nationalgarde der Ukraine ihre Aufgaben mit Ehre“, erklärte der oberste General und fügte drastisch hinzu: „Als Ergebnis erfolgreicher Schlag- und Suchaktionen wurden sechs Ortschaften gesäubert und hunderte russische Besatzer vernichtet.“ Laut Generalstab habe es einzig bei Pokrowsk am Donnerstag 24 Gefechte gegeben. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren.

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Ob es nun einen direkten Zusammenhang mit Trumps Forderung nach mehr militärischer Offensive gibt, ist nicht überliefert. Bekannt ist aus den vergangenen dreieinhalb Jahren dagegen sehr wohl, dass die Ukrainer immer wieder versuchen, die Amerikaner als ihre Unterstützer bei der Stange zu halten. Dies trifft besonders auf Trump zu, der Selenskyj nach seinem Amtsantritt scharf kritisiert, sich diesem zuletzt aber sichtlich politisch wieder angenähert hatte.

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Der 79-jährige Republikaner hatte am Donnerstag (Ortszeit) auf seinem Kanal Truth Social geschrieben, die Ukraine sei „wie eine großartige Sportmannschaft, die eine fantastische Verteidigung hat, aber nicht in die Offensive gehen darf“. So gebe es „keine Chance zu gewinnen!“ Pokrowsk gilt nicht nur als Festung im Donbass, sondern auch als Schutzschild gegen einen russischen Einmarsch in die dahinter liegende Oblast Dnipropetrowsk.

Ein ukrainischer Artillerie-Soldat steht bei Pokrowsk vor verschossenen Granathülsen.

Bei einem Verlust der Donbass-Bastion könnte die russische Armee weiter in Richtung Pawlohrad (rund 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner) etwa 90 Kilometer nordwestlich oder gar in Richtung der Großstadt Dnipro (rund 970.000 Einwohnerinnen und Einwohner) etwa 140 Kilometer westlich marschieren. Zuletzt gab es Anzeichen einer neuen russischen Offensive in der Region Saporischschja weiter südwestlich: während Putin bezüglich eines Gipfels zögert und Russland für einen Waffenstillstand harte Bedingungen stellen soll. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Anadolu Agency

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