Experten ordnen ein

Trumps Atomwaffen-Ankündigung „kompletter Quatsch“ – und wohl ein Fingerzeig für Putin

Nach 33 Jahren Pause droht Donald Trump mit einem Atomwaffentest. Experten schätzen, er will ein Signal setzen. Dabei beauftragt er sogar das falsche Ministerium.

Atomwaffentests. Vor dem inneren Auge flackern alte Bilder von Staubwolken auf, die in Pilzform in den Himmel schießen. Explosionen, die Landschaften zerreißen, die Erde zum Beben bringen und auch Jahre später negative Effekte auf die Umwelt haben. In den USA hat der letzte Atomwaffentest 1992 in der Wüste von Nevada stattgefunden. Nun hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, wieder Tests aufzunehmen.

Die USA führten von 1945 bis 1992 offiziell über 1000 Atomwaffentests durch. Hier 1946 nähe der Bikini-Atoll Inselkette im Pazifischen Ozean.

Trump gab die Neuigkeiten – wie so oft – über seine Social-Media-Plattform Truth Social bekannt: „Die Vereinigten Staaten haben mehr Atomwaffen als jedes andere Land“, behauptete der US-Präsident und schrieb sich diesen vermeintlichen Erfolg selbst zu. Russland sei Zweiter, und China „abgeschlagener“ Dritter. „Aufgrund der Testprogramme anderer Länder habe ich das Kriegsministerium angewiesen, auf gleicher Basis mit dem Testen unserer Atomwaffen zu beginnen.“ Zwei Experten haben die Entwicklung auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media eingeordnet.

Trump liegt falsch: „Kriegsministerium“ der USA überhaupt nicht für Atomwaffen zuständig

„Wenn Trump so etwas auf Truth Social schreibt, dann bedeutet das erstmal, dass er lügt“, betont Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs Rüstungskontrolle und Neue Technologien am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg. „Russland und China testen keine Atomsprengköpfe. Generell ist die ganze Verlautbarung kompletter Quatsch.“

Das fange schon bei der Behauptung an, dass die USA das größte Lager an Atomsprengköpfen hätten, kritisiert Kühne. „Die meisten Sprengköpfe hat Russland, erst dann folgen die USA.“ Hinzu komme, dass der US-Präsident das falsche Ministerium angewiesen habe. Das „Kriegsministerium“ – so nennt Trump das Verteidigungsministerium der USA in seiner zweiten Präsidentschaft – sei für Atomwaffen nicht zuständig, sondern das Energieministerium, erklärt der Experte.

Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück

Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer.
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren.
Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück

„Wovon Trump spricht, nämlich, nukleare Explosionen herbeizuführen, das gab es in den großen Ländern seit der 90er-Jahren nicht mehr. Das ist Teil eines stillen Einverständnisses.“ Eine Ausnahme sei nur Nordkorea. „Was Russland macht, ist neue Raketentypen zu testen. Hier muss man aber klar zwischen Rakete und Sprengkopf unterschieden.“ Zuletzt hatte Wladimir Putin vermeintlich äußerst schlagkräftige Waffen gepriesen: Den „Burewestnik“ und die Unterwasser-Rakete Poseidon.

Kühne betont zugleich: Es sei bedenklich, wenn sich Trump in dieser Form äußere – nicht nur für die europäische, sondern für die globale Sicherheit. „Wenn denn die Amerikaner wirklich mit Tests anfangen würden, würden auch die Chinesischen und Russen testen, und dann auch Pakistaner und Inder“, warnt der Experte. Warum geht Donald Trump diesen Weg?

Trump will bei Putin eine schnelle Lösung für die Ukraine erreichen

Siebo Janssen, Experte für internationale Politik, sieht „vor allen Dingen ein Signal an Putin“. „Denn Trump will nach wie vor einen ‘schnellen Frieden’ in der Ukraine – und er sieht natürlich das Säbelrasseln von Putin als kontraproduktiv an.“ Er gehe davon aus, dass Trump Putin klarmachen will: „Pass mal auf, überspanne den Bogen nicht, wir können auch drohen – geh lieber an den Verhandlungstisch zurück.“ All das habe aber wenig mit wirklichen außenpolitischen Stellschraubenveränderungen zu tun.

Trumps Blick könnte sich aber auch ins eigene Land richten: „Seine Beliebtheitswerte sind nicht besonders gut, auch wenn er das Gegenteil behauptet“, sagt Janssen. „Es kann natürlich sein, dass er versucht, ein bisschen mit der Außenpolitik zu punkten – gerade bei Hardlinern in der republikanischen Partei, die ihm sowieso vorwerfen, er trete Putin gegenüber zu lasch gegenüber auf.“ Ein europäischer Außenpolitiker verriet im Frühjahr im Interview: Hinter verschlossenen Türen gibt es bei den Republikanern große Vorbehalte gegen Trumps Russland-Kurs. (Quellen: Ulrich Kühn, Siebo Janssen, eigene Recherchen/lg, fn)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Dreamstime / UIG /ZUMA Press Wire

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