„Jede Woche ein neues Kraftwerk“
Trump fördert die Rückkehr zur Kohle – und verbreitet Unwahrheiten über Deutschland
Trump hat mehrere Dekrete unterzeichnet, mit dem ausdrücklichen Ziel, den Kohlebergbau in den USA „auf Hochtouren“ zu setzen. Sein Vorbild: Deutschland.
Washington D.C. – US-Präsident Donald Trump sieht in Deutschland einen Boom der Kohle. In Deutschland werde jede Woche ein Kohlekraftwerk in Betrieb genommen, behauptete Trump fälschlicherweise bei einem Treffen mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu im Weißen Haus.
Denn was Trump da behauptet, stimmt nicht: Laut Bundesnetzagentur wurde das letzte Kohlekraftwerk 2020 in Datteln fertiggestellt. Zudem ist in Deutschland der Kohleausstieg für 2038 vereinbart. Die Ampel-Koalition hatte sich vorgenommen, das Datum „idealerweise“ auf 2030 vorzuziehen.
Trump unterzeichnet Dekrete zur Steigerung des Kohleabbaus: Energie wird für KI-Rechenzentren gebraucht
Trump selbst hat diese Woche neben seiner neuen Zollpolitik auch ein Kohle-Revival für sein Land eingeleitet. Trump unterzeichnete ein Dekret, um die Kohle als Energieträger stark zu fördern. US-Ministerien und Behörden werden angewiesen, alle Maßnahmen aufzuheben, die das Land von der Kohleförderung abbringen.
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Bei einer Zeremonie im Weißen Haus verkündete Trump vor Bergleuten mit Schutzhelmen, dass er die Bundesbehörden anweise, Beschränkungen für den Abbau und den Export von Kohle zu lockern. Ältere Kraftwerke, die abgeschaltet werden sollten, dürfen weiter betrieben werden. Trump betonte, die Energie werde etwa für KI-Rechenzentren gebraucht. Außerdem werde durch die Steigerung des Kohleabbaus es auch möglich, „enorme Mengen“ an strategisch wichtigen Rohstoffen und Seltenen Erden zu fördern, fügte der US-Präsident an.
Trump pusht eine Rückkehr der Kohle - und nennt Deutschland als Vorbild
Zu Beginn seiner Rede verwies Trump dann erneut auf Deutschland, wo angeblich überall neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen würden, obwohl dies seit Jahren nicht mehr geschehen ist. Deutschland habe lange grüne Politik betrieben. „Sie sind so grün geworden, dass sie fast pleitegegangen sind“, sagte Trump.
Der Republikaner fuhr fort: „Sie haben es mit Windrädern versucht, und es hat nicht funktioniert.“ Deutschland habe alle anderen Lösungen vergeblich ausprobiert. „Jetzt machen sie jede Woche ein Kohlekraftwerk auf“, erklärte der Präsident, ohne weitere Details zu nennen. Trump hatte schon im Wahlkampf immer von der „schönen, sauberen“ Kohle geschwärmt.
„Deutschland war am Ende.“ Dann habe Deutschland auf Wind umgestellt. „Der Wind wehte nicht sehr stark.“ Und dann habe das Land alle möglichen anderen Dinge probiert, fuhr Trump fort, ohne dies zu belegen. Jetzt sei Deutschland wieder bei der Kohle, behauptete der Präsident. „Überall in Deutschland werden Kohlekraftwerke in Betrieb genommen.“ Und die USA hätten es bisher nicht getan.
Bidens Hoffnung auf Abkehr von Kohle zerstört: Trump sieht in Klimawandel und Energiewende Betrug
Kohleverbrennung gilt als die klimaschädlichste Art der Energieerzeugung. Auf der UN-Klimakonferenz in Dubai 2023 hatte sich die Weltgemeinschaft nach jahrzehntelanger Diskussion erstmals auf die Abkehr von Kohle, Öl und Gas geeinigt. Im November 2024 hatte der damalige US-Präsident Joe Biden zum Abschluss der Klimakonferenz in Baku noch hoffnungsvoll erklärt: „Mögen manche auch versuchen, die in den USA und weltweit laufende Revolution sauberer Energien zu leugnen oder zu verzögern: Niemand kann sie rückgängig machen – niemand.“
Der neue US-Präsident Trump steht dem Klimawandel aber skeptisch gegenüber und bezeichnet die Energiewende als Betrug. Stattdessen will der republikanische Präsident die Förderung fossiler Brennstoffe ausweiten. Bereits an seinem ersten Amtstag im Januar verfügte Trump den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen, einer internationalen Übereinkunft zur Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei und möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.
Die Leiterin der Klimaorganisation Evergreen, Lea Moffitt, warf Trump vor, KI als Vorwand zu nutzen, um seine Spender aus der Branche der fossilen Energie „mit der dreckigsten, teuersten Energiequelle aus der Klemme zu helfen“ (bg/dpa).
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